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Schicksal der Wehrhainer Mühle noch nicht besiegelt?

Am 6. Oktober berichtete die RUNDSCHAU unter der Überschrift „Wehrhain: Diesmal verliert die Mühle den Kampf“ über das Schicksal der Erdholländermühle in Wehrhain. Nur zwei solcher Mühlen gibt es in Brandenburg, in der Prignitz und in Wehrhain. Beide sind in einem desolaten Zustand, und die in Wehrhain wohl unwiderruflich dem Untergang geweiht. Damit will sich aber Wolfgang Türk, Bruder der jetzigen Eigentümerin der Mühle, nicht abfinden. Von Birgit Rudow

Zur Erinnerung: Im September 2003 wurde die Mühle vom Denkmalschutz unter vorläufigen Schutz gestellt. Ein Jahr später erfolgte die Eintragung in die Denkmalliste des Landkreises. Grund sind die technikgeschichtliche, städtebauliche und und regional wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung der Mühle. Der Landkreis erklärte sich bereit, eine erhebliche Summe zur Bestandssicherung bereit zu stellen. Bedingung - die privaten Besitzer leisten einen Eigenanteil. Doch diese lehnten ab. Auch ein Vorschlag der Denkmalbehörde, die Mühle auf eigene Kosten abzubauen, einzulagern und gegebenenfalls an anderer Stelle wieder aufzustellen, stieß auf Ablehnung. Die Besitzerin stellte einen Abbruchantrag, dem mittlerweile stattgegeben wurde, jedoch mit der Auflage, auf Kosten des Eigentümers eine Bestandsdokumentation durchzuführen.
Die Eigentümerin der Mühle ist Sabine Heyde, Tochter des 1994 verstorbenen letzten Müllermeisters Heinz Türk. Sie lehnt es ab, sich finanziell an der Bestandssicherung der Mühle zu beteiligen.
Das kann ihr Bruder Wolfgang Türk, der in Biberach lebt, nicht verstehen. „Ich habe zu Lebzeiten meines Vater viel Zeit und Energie für Reparaturen und Umbauten in der Mühle verbracht. Für mich war es Hobby neben meiner berufliche Tätigkeit als Produktionsleiter in den Mühlenwerken Riesa, dieses Kleinod am Leben zu halten. Ende der 60er Jahre gab es für die Mehlmüllerei dieser Kapazität keine rentable Zukunft mehr. Es blieb lediglich ein kleiner Kundenkreis für Futterschrotbedarf übrig. Zum Leben zuwenig, zum Sterben zu viel. Was tun? Wir entschieden uns, die Mühle auf Futterschrotproduktion in angemessener Größe für die Bedarfsdeckung der benachbarten LPG unter weitestgehender Nutzung der vorhandenen Technik umzubauen und durch lose Getreideannahme zu erweitern. Nach der politischen Wende und dem plötzlichen Tod meines Vaters 1994 war damit endgültig Schluss. Meine Schwester bekam die Liegenschaft überschrieben, da ich gezwungen war, wegen der Mühlenschließung in Riesa mir im süddeutschen Raum eine neue Existenz aufzubauen“ , schreibt Wolfgang Türk.
Er versuche, so sagt er, seine Schwester zu überzeugen, die Mühle der Denkmalbehörde zu übergeben. „Bis jetzt aber vergeblich. Doch ich will das Erbe meines Vaters erhalten“ , so Wolfgang Türk.
Er hat auch Kontakt zu Dr. Matthias Baxmann vom Landesamt für Denkmalpflege aufgenommen. Dieser unterstützt das Bemühen von Wolfgang Türk, die Mühle doch noch zu erhalten, in jeder Hinsicht. Das will auch die Stadt Schlieben. Der Biberacher hat sich gestern telefonisch mit dem Bauamtsleiter Harald Kutscher in Verbindung gesetzt. „Wir werden uns mit dem Wehrhainer Ortsbürgermeister Armin Atlas und mit Schliebens Bürgermeister Helmut Richter zusammensetzen. Auch die Amtsdirektorin Iris Schülzke will Gespräche führen. Wir müssen sehen, in welcher Form wir helfen können“ , so Harald Kutscher.