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| 01:04 Uhr

„Schade, wenn der Alte nicht mehr käme“

Schönborn.. Wenn etwas ein Dutzend Male stattfindet, kann man mit Fug und Recht von einer Tradition sprechen. Und das ist der Tröbitzer Weihnachtsmarkt.

Immer am Vorabend des zweiten Advents ist es in der Dorfmitte anders als sonst: Die Menschen rücken näher zusammen, es erklingen weihnachtliche Weisen, der Weihnachtsmann kommt. Der hat sich für den 3. Dezember längst Tröbitz in seinem Terminkalender notiert.

Musical in der Kirche
Vieles wird auch diesmal wie immer sein: Mittag rollt Herr Böhm aus Langennaundorf mit seiner Gullaschkanone an. Viele Tröbitzer nutzen die Gelegenheit, gönnen Muttern mal eine kalte Küche. „Denn der Erbseneintopf schmeckt wirklich prima“ , weiß nicht nur Bürgermeister Dieter Schäfer zu schätzen.
Er bastelt noch ein wenig am Programm, aber fest steht schon: Um 14 Uhr wird es wieder ein Musical in der Kirche geben, das Kinder der Evangelischen Grundschule fleißig einstudiert haben und aufführen werden. Viele Tröbitzer, vor allem natürlich die Muttis und Vatis, die Omas und Opas lassen sich den Auftritt ihrer Kinder und Enkelkinder nicht entgehen. An den Ständen trifft man sich dann, um gemeinsam Glühwein zu schlürfen und den einen oder anderen kräftigen Happen zu essen oder auch von den Süßigkeiten zu naschen.
Auf die freuen sich besonders die aufgeregten Kinder, wenn der Weihnachtsmann so um halb vier um die Ecke biegt. Henri Jahre, hinter dickem Mantel und langem Bart versteckt, kommt mit Sochers Kutsche vorgefahren. Er verteilt Beutel an die wartenden Kinder. Alles wird so wie sonst, sogar die leckeren Waffeln soll es bei Manns wieder geben, obwohl der Seniorenklub, der sich immer darum gekümmert hat, nicht mehr existiert. Der Bürgermeister sucht neue Waffelbäcker und ist sicher, welche zu finden.

Weniger Besucher
Er hat ganz andere Sorgen: „Ich habe den Eindruck: Von Jahr zu Jahr kommen weniger Leute zum Weihnachtsmarkt. Bei meiner Begrüßung am Nachmittag bekam ich letztes Jahr einen Schreck, weil noch weniger gekommen sind, als im Jahr zuvor. Manchmal denke ich: Lassen wir die Weihnachtsmarkt lieber ausfallen„“ Beim letzten Weihnachtsmarkt sind nur 100 Beutel für die Kinder vorbereitet worden, doch auch die waren noch zu viel. Diesmal werden 80 gefüllt - Dieter Schäfer hofft, dass sie ihre freudigen Abnehmer finden: „Es gibt ja kaum Nachwuchs in Tröbitz“ , nennt er nicht nur ein Tröbitzer Problem.

Hin und her gerissen
„Wir überlegen auch, ob wir jetzt, da unsere Kinder größer sind, noch auf den Weihnachtsmarkt gehen. Andererseits: Es ist auch schön, mal mit anderen am Glühweinstand zu stehen und zu schwatzen“ , ist Gabriele Jahre noch hin und her gerissen. Für Kraskes und die beiden Kinder indes steht fest: „Natürlich gehen wir wieder zum Weihnachtsmarkt!“ Zumal der achtjährige Niklas, Schüler an der Evangelischen Grundschule, diesmal im Chor mitsingen wird. Auch der sechsjährige Tobias freut sich schon auf den Weihnachtsmann und seine Leckereien. „Es wäre schade, wenn der Weihnachtsmarkt einschlafen würde“ , spricht Annett Kraske für jene Tröbitzer, die Kinder haben.
Und was sagt der Tröbitzer Weihnachtsmann dazu“ Er hat den Posten schon seit 1998: „Als die Bürgermeister wechselten, wollte der alte Weihnachtsmann nicht mehr mitmachen“ , erzählt Henri Jahre, wie er zu dem neuen Ehrenamt kam. Dabei sieht er sich beim Weihnachtsmarkt nicht als die Hauptperson. „Klaus-Peter Große, unser Elektromeister, der sich um Strom und Beleuchtung kümmert, macht das seit Jahren ohne ein Wort. Um nur mal einen Namen von den vielen Helfern zu nennen.“ Dann nennt er doch noch einen: Fritz Socher, der Mann auf dem Kutschbock. „Er hat viel zu tun zum Weihnachtsmarkt: Er schmückt den Wagen und muss schon am Vormittag anspannen, damit die Pferde am Nachmittag ruhig laufen“ , weiß Henri Jahre. (-db-)