ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:07 Uhr

„Schade, ich hätte das Geld gern gespendet“

Arnsnesta.. Begonnen hatte alles mit dem Aufruf in der Weihnachtssonderausgabe der Elbe-Elster RUNDSCHAU, nach historischem Weihnachtsschmuck zu suchen. Auch Erika Schmidt aus Arnsnesta konnte sich erinnern, dass es da gewiss noch sehenswerte alte Stücke auf dem Dachboden geben könnte. L. Günther

Und wie das so ist, fängt man einmal an mit dem Kramen in alten Beständen, dann bleibt man schnell dabei hängen, liest sich fest in alten Dokumenten, erinnert sich anhand von Gegenständen an einst Erlebtes.
Nicht anders ging es Erika Schmidt. Zunächst fand sie, was sie gesucht hatte: eine Glückwunschkarte aus Stammbuchbildern, die sich dreidimensional aufklappen ließ, so dass ein plastisches Ensemble aus Blumen, einem fliederumrankten Tor nebst Blütenengel und einer weißen Taube entstand. Auch ein Sprüchlein erschien, das lautet „Hold wie dieses Blümelein / mög' Dein ganzes Leben sein.“ Es dürfte, so die glückliche Finderin, aus der Zeit Ende des 19. Jahrhunderts stammen.
Und bei dieser Gelegenheit erinnerte sie sich auch an einen noch spannenderen Fund, auf den sie bereits im letzten Sommer im Zusammenhang mit ihrer ganz persönlichen Familiengeschichts-Forschung gestoßen war. Im Elternhaus ihres Mannes hatte sie auch eine alte Schranklade aufgezogen, eigentlich nur, weil da ein Stück Tüll heraushing, das sie nur wieder ordentlich verstauen wollte. Und dabei entdeckte Erika Schmidt die Sparbücher und Bankunterlagen! Die ältesten Dokumente stammten von 1919, darunter auch Depotauszüge der damaligen „Depostitenkasse Herzberg (Elster)“ , die zur Anhalt-Dessauischen Landesbank gehörte.
Da die insgesamt elf Sparbücher zwar unterschiedlich hoch bestückt waren, aber in ihrer Gesamtheit immerhin eine beachtliche Summe von rund 17 000 Reichsmark aufwiesen, wandten sich Erika Schmidt und ihr Mann Heinz mal interessehalber an die heutige Sparkasse Elbe-Elster. Man wollte schließlich wissen, wie es sich mit solchen Guthaben heute verhalte.
Im Dezember des zurückliegenden Jahres kam auch eine sachkundige Auskunft vom Kreditinstitut. Sechs der Konten seien, so die Sparkasse, „zur Währungsreform 1948 nicht angemeldet worden“ . Und Guthaben, die nicht bis zum 30. September 1952 zur Umwertung angemeldet wurden, konnten nach einem DDR-Gesetz „nicht mehr umgewertet werden“ und erloschen. „Eine nachträgliche Umbewertung von Reichsmark-Guthaben ist nicht mehr möglich“ , heißt es weiter in dem Schreiben der Sparkasse.
Das findet Erika Schmidt natürlich ziemlich schade. Sie hätte das Geld entweder für den Straßenbau in ihrem Heimatort zur Verfügung gestellt oder jetzt, nach der schlimmen Katastrophe in Südasien für die Opfer gespendet. Immerhin stand hier eine stolze Summe von rund 15 500 Reichsmark zur Debatte.
Auch bei weiteren Konten haben die Schmidt-Vorfahren offenbar einen Umstellungszeitpunkt verpasst, „Oder“ , vermutet Erika Schmidt, „sie haben gar nicht mehr gewusst, dass die Sparbücher noch existieren.“ Fünf weitere Konten waren zwar nach Sparkassen-Auskunft zur Währungsreform 1948 angemeldet, jedoch nicht zu der von 1990. Und eine nachträgliche Umstellung war hier laut Gesetz nur bis zum 30. Juni 1993 möglich. Hier ging es um rund 1500 Mark. Am beachtlichsten dabei die 700 Mark, die Hildegard Schmidt in ihre damalige Schulsparkasse eingezahlt hat.
In diesem Fall ist „eine nachträgliche Auszahlung nicht umgestellter Guthaben ... nur noch für Bürger mit Wohnsitz in den alten Bundesländern zum Zeitpunkt der Umstellung möglich“ , teilte die Sparkasse Elbe-Elster den Schmidts mit. Und auch wenn es Frau Erika mit Gelassenheit trägt, findet sie es angesichts ihrer geplanten Gelderverwendung doch ein wenig schade.