Das Elbwasser schwappt über den Deich in den Schlossteich. Keine Gefahr für die Menschen, aber das Grundwasser drückt in die Keller der umliegenden Häuser. Bei einer Ortsbegehung entscheiden der Mühlberger Bürgermeister Dieter Jähnichen, Ordnungsverwaltungsleiter Alexander Wald und Landrat Klaus Richter, „dass man da ein paar Sandsäcke drauf packen könnte“ , so der Landrat.
Also wurde die Feuerwehr alarmiert, die mit dem Füllen der Sandsäcke begann. Inzwischen war auch Amtsbrandmeister Gerd Heß vor Ort, der die Feuerwehrleute einwies. Was niemand zu wissen schien: Der Deich war erst vor drei Wochen mit 10 000 Kubikmetern Erde wieder aufgeschüttet worden. Außerdem war er bereits 1987 und am 13. August des vergangenen Jahres gebrochen - und beide Male in etwa bei der Wasserhöhe, die die Elbe am Montag erreicht hatte: rund 7,60 Meter.
„Plötzlich rief mich der Bauverwaltungsleiter Klaus Villmow an“ , berichtet Gerd Heß. Der hatte von der Aktion erfahren. „Er berichtete mir von der Deichaufschüttung und machte uns klar, dass es viel zu gefährlich ist, die Männer auf dem Deich rumlaufen zu lassen. Ich sagte dem Bürgermeister, dass ich keine Verantwortung mehr für die Feuerwehrleute übernehmen kann.“ „Wir haben dann beschlossen, dass wir diese Aktion so nicht durchführen können“ , berichtet der Bürgermeister.
Sie taten gut daran, wie sich noch in derselben Nacht zeigen sollte: Der Deich brach an genau der Stelle, auf der sich vorher die Feuerwehrleute bewegt hatten. „Da war ich am Morgen sehr froh, denn was hätte alles passieren können, wenn die Leute zu dieser Zeit auf dem Deich gewesen wären“ , zieht Gerd Heß Bilanz.
Ganz billig war die Aktion nicht: „Die Leute müssen schließlich bezahlt werden“ , berichtet Bauverwaltungsleiter Klaus Villmow. „Davon abgesehen wurde durch diese sinnlose Aktion eine Panik unter den Bürgern verbreitet, die nicht hätte sein müssen.“