ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 12:29 Uhr

Theater in Herzberg
Vom Weg auf den Gipfel der Wollust

 Steffi (r.) und Ines wollen nur eines: ihren Reinhard vor der Einsamkeit des Alters retten.
Steffi (r.) und Ines wollen nur eines: ihren Reinhard vor der Einsamkeit des Alters retten. FOTO: LR / Rudow
Herzberg. Samstag hatte das neue Theaterstück der „ScHERZBERGer“ Premiere. „Rettet Reinhard“ glänzt mit viel Klamauk und einigen komödiantischen Sternstunden der Akteure. Von Birgit Rudow

Nach „25 Millionen für Herzberg“ vor gut zwei Jahren hat sich die kleine Herzberger Theatergruppe „ScHERZBERGer“ (diesmal ohne Steffen Modrach) an ein neues Stück gewagt. „Rettet Reinhard“ heißt die Devise. Was dabei am Samstagabend bei der Premiere auf dem kleinen Theaterboden der BücherKammer herauskam., waren zwei unterhaltsame Stunden, die (so soll es ja sein) von Lokalcolorit leben und natürlich vom komödiantischen Talent der Darsteller Ines Medewald, Reinhard Straach, Stephanie Kammer, Christian Poser und Günter Schulze,

Nachdem Steffi und Ines im letzten Stück mit ihrer Transamore-Agentur wegen Menschenhandels im Knast gelandet waren, versuchen sie es diesmal mit ihrer „Freche Früchtchen Samenbank“. Ines sucht die Spender, Steffi die Paare, die sich ihrer bedienen wollen. Schließlich muss Nachwuchs ran, egal wie, damit niemand im Alter einsam ist. Und bei diesem Thema macht den Mädels ihr Freund, Theaterchef und Stadtgärtner Reinhard Straach, der in den Ruhestand geht, so richtig Sorgen. Was soll er machen, ohne Botanischen Garten, Raum 1, Loriot, Sylvius, Pfingstrock und vor allem ohne Frau mit wärmendem Schoß?

Reinhard zerbricht sich derweil den eigenen Kopf um das Glück, das doch nur ein „Meineid der Hoffnung“ ist. So lässt er sich ein auf die Spielchen von Ines und Steffi und eine Kontaktanzeige, die ihn nicht nur zu Friseur, Urologen und Logopäden führt, sondern auf dem Weg zum „Gipfel der Wollust“ auch in die Arme der begüterten Margarete von Puff. Hinter der verbirgt sich inkognito niemand anderes als Bundeskanzlerin Angie, die als Reinis Seelenverwandte kurz vor dem Ruhestand gern doch noch das Thema Nachwuchs in Angriff nehmen möchte.

Rund um Reinhards Rettung entspinnen sich dann mit viel Klamauk die Handlungsstränge um die Samenbank, einen Einbrecher, erneutem Bürgermeister-Aktionismus oder die Bio-Qualität der mit dem Elbe-Elster-Regionalsiegel angebotenen Säfte.

Autorin und Regisseurin des Stücks ist Verlegerin Stephanie Kammer. Im Vorfeld der Premiere hat sie stets das Laienspiel betont, was an der einen oder anderen Stelle auch zutage trat. Doch wen das stört, der soll aus „Sibirien“ an der Schwarzen Elster in die Theater nach Leipzig, Berlin oder Dresden fahren. Dort bekommt er aber nicht die köstlichen lokalen Bezüge und Pointen, die die Stücke der Theatergruppe nun einmal aus und bei den Herzbergern so beliebt machen. Mit solchen kann auch „Rettet Reinhard“ vielfach dienen, wenn der noch die Hecke bei Dr. Drescher schneiden und beim Männerarzt Dr. Gröf die Hosen runter lassen muss oder den Pflaumenmuskuchen von Irmgard serviert. Das alles versteht nur Herzberg.

Die Akteure auf der kleinen Bühne haben wieder ihren Hang zum Komödianten ausgelebt – allesamt. Chapeau für diese Leistung. Es sei erlaubt, Christian Poser hervorzuheben. Er besetzt mehrere Rollen – einfach grandios. Sein Monolog als Angie im Telefonat mit Flinten-Uschi dürfte jedes Satire-Casting überleben (danke Steffi!).

Ob Stadtgärtner Reinhards Lebensabend nun gerettet wird, was mit dem Einbrecher ist und warum es am Ende doch noch dramatisch kommt, das sollen sich die Herzberger schön selber anschauen. Im wahren Leben muss einem um Reinhard aber nicht Bange sein.

 So viel Nähe zu Angie ist zuviel für Reinhard.
So viel Nähe zu Angie ist zuviel für Reinhard. FOTO: LR / Rudow