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| 01:26 Uhr

Sage mir, was du isst - ich sage dir, wo du herkommst

Falkenberg.. Falkenberg. Morgens halb zehn in der Lausitz und im Falkenberger Oberstufenzentrum: Es ist Frühstückspause. Christoph Wendt, Schüler OSZ Falkenberg

Falkenberg. Morgens halb zehn in der Lausitz und im Falkenberger Oberstufenzentrum: Es ist Frühstückspause. Gemeinsam frühstücken wir Schülerrinnen und Schüler und nutzen dabei die Gelegenheit, Neuigkeiten auszutauschen. Doch wer isst was? Während die Einen leckere belegte Brote und ein paar geschälte Äpfel aus den Taschen holen, sind die Anderen noch damit beschäftigt, die eingeschweißte Verpackung von ihren Fertigsandwiches zu entfernen. Allzu oft wandert der Blick da zum Frühstück der besten Freundin, die immer so leckere selbst gemachte Snacks dabei hat. Doch woher kommt es, dass Schüler so unterschiedlich frühstücken? Die Antwort auf diese Frage ist im Grunde genommen gar nicht so schwer zu finden. Ich habe einige meiner Freunde über ihr alltägliches Familienleben befragt und erstaunliche Unterschiede herausgefunden. Zunächst einmal habe ich mit einer engen Freundin gesprochen. Lisa ist 17 Jahre alt und lebt allein mit ihrer Mutter in einer Neubauwohnung. Zu ihrem Vater hat sie keinen Kontakt. Lisas Mutter arbeitet in einem Vollzeitjob, bei dem oft Überstunden und auch Wochenendarbeit notwendig sind. Nur selten kommt Lisa dazu, mit ihrer Mutter zu frühstücken, schon gar nicht hat Lisas Mutter morgens die Zeit, ihrer Tochter ein Frühstück zuzubereiten. Da ist Selbstständigkeit gefragt. Wenn Lisa morgens die Wohnung verlässt, ist niemand mehr da, und wenn sie nachmittags kommt, ist die Wohnung ebenfalls leer. Kein Essen, das auf dem Tisch steht, niemand, mit dem sie ihre Neuigkeiten austauschen kann. "Natürlich werden auch mal SMS geschrieben", sagt Lisa, "das ist heute dank der modernen Technik kein Problem mehr". Ganz anders dagegen sieht es bei Peter aus. Er lebt mit seinen Eltern in einem kleinen Reihenhäuschen. Sein Vater arbeitet regelmäßig von acht bis 16 Uhr, und seine Mutter ist halbtags Aushilfe in einer Bäckerei. Dass das Mittagessen fertig auf dem Tisch steht, wenn Peter nach Hause kommt, ist für ihn selbstverständlich. Er genießt die Zeit, die er mit seiner Familie verbringen kann. Da ist auch einmal ein gemeinsamer Spaziergang mit den Eltern drin, etwas, wovon Lisa nicht einmal zu träumen wagen würde.Und dann ist da noch Robert, auch 17 Jahre alt. Er lebt gemeinsam mit seinen Eltern in einer großen Eigentumswohnung. Seine Mutter ist immer zu Hause. Sein Vater arbeitet während der Woche über in Nürnberg, er kann nur aller zwei Wochen für ein paar Tage nach Hause kommen. Robert vermisst seinen Vater, es gefällt ihm nicht, dass er nicht einfach mal so schnell mit ihm über Probleme reden kann. Doch eines haben alle Drei gemeinsam, sie sind froh und dankbar, mit ihren Familien Zeit verbringen zu dürfen, auch wenn es bei dem Einen mehr und bei dem Anderen weniger Zeit ist. Christoph Wendt, Schüler OSZ Falkenberg (Die Namen der Gesprächspartner wurden zur Wahrung ihrer Privatsphäre geändert).