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Sächsische Kannen, preußische Krüge

Töpfermeisterin Anett Lück mit einer Reise von König August III. zu einer Auerhuhnjagd im Jahr 1740 in Miniatur.
Töpfermeisterin Anett Lück mit einer Reise von König August III. zu einer Auerhuhnjagd im Jahr 1740 in Miniatur. FOTO: Heike Lehmann
Hohenleipisch. Seit Jahren beteiligt sich die Töpferei Anett Lück in Hohenleipisch am bundesweiten Tag der offenen Töpferei jeweils am zweiten März-Wochenende (8./9. März). Dabei werden nicht einfach nur die Türen zur Werkstatt geöffnet, um nach dem Winter die neue Ware zu präsentieren und Einblick ins Handwerk zu geben. Heike Lehmann

Das Familienunternehmen Lück lockt am kommenden Wochenende noch dazu mit Sonderausstellungen. Dafür lag das Thema in diesem Jahr auf der Hand. Schließlich erinnert ab Juni im Schloss Doberlug die erste Brandenburgische Landesausstellung "Preußen und Sachsen. Szenen einer Nachbarschaft" an die gravierenden Veränderungen nach dem Wiener Kongress 1814/1815.

Im Gebiet von Hohenleipisch ist seit über 3000 Jahren das Töpferhandwerk nachgewiesen. Vor gut 200 Jahren konnte es Hohenleipisch bei der Sächsischen Regierung erreichen, dass eine eigene Töpferinnung gegründet werden durfte. Bald darauf wurde die Region preußisch. Die kleine Ausstellung versucht einen Einblick in die Gefäßkultur irgendwo zwischen Prunk- und Gebrauchsgegenständen, zwischen Verspieltheit und klaren Formen zu zeigen.

Siegfried Bräuer, einst Oberförster der Oberförsterei Elsterwerda und Vater von Töpfermeisterin Anett Lück, hat sich an der preußisch-sächsischen Geschichte festgebissen. Für die Ausstellung "Sächsische Kannen und preußische Krüge" am kommenden Wochenende führt er Regie. "Wenn alle von Preußen und Sachsen reden, da kann man nicht aus der Reihe tanzen", begründet der 73-Jährige. "Auch die Töpper waren nach dem Wiener Kongress noch dieselben, nur aus den Kannen wurden Krüge", sagt er schmunzelnd. Tochter Anett töpfert seit 33 Jahren, ist seit 24 Jahren selbstständig und seit 20 Jahren Meisterin ihres Handwerks.

Und so werden im Ausstellungsraum keramische Erzeugnisse aus verschiedenen Jahrhunderten, entstanden mit unterschiedlichen Brenntechniken, gezeigt. Darunter vieles, was in Hohenleipischer Töpfereien entstanden ist. Auch "die sächsische Quelle des Reichtums, der Bergbau, und Porzellan aus Meißen" finden ihren Platz in Vitrinen. Nicht zu übersehen ist "der wohl größte Keramiktopf, der je in einem Stück gemacht wurde", so vermutet Anett Lück. 1926 wahrscheinlich für eine Leistungsschau angefertigt.

Höhepunkt der kleinen Schau, die von August dem Starken und Friedrich dem Großen flankiert wird, ist eine Darstellung einer "Reise von König August III. zur Auerhuhnjagd vom 19. April bis 1. Mai 1740 nach Elsterwerda/Hohenleipisch". Miniatur-Keramikfiguren - "Anfang der 1990er-Jahre einst angefertigt - sind zu einem großen Aufzug mit Pferdewagen samt Ladung aneinandergereiht. "Aber alles hat einen realen Hintergrund", versichert Siegfried Bräuer. Die Fakten liefert er mit: Mit Postpferden und Vorspannpferden zur Beförderung der Dienerschaft und Gerät von Dresden nach Elsterwerda waren 139 Pferde vor 25 Wagen gespannt. Königliche Pferde zogen sieben weitere Wagen für die Diener, so dass insgesamt 32 Wagen die Straße entlang rollten. Auf dem Tisch in der Töpferei hört man die hölzernen Räder, für die übrigens der Stamm des letzten Weihnachtsbaums herhalten musste, förmlich klappern. Ein Aufzug, den sich Freunde des Töpferhandwerks nicht entgehen lassen sollten.

9. Tag der offenen Töpferei am 8./9. März: Töpferei Anett Lück, Bahnhofstraße 66 in Hohenleipisch, jeweils von 10 bis 18 Uhr. Auch geöffnet: Töpferei Andreas Biebach, Bahnhofstraße 67 in Hohenleipisch