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| 16:16 Uhr

Schliebener Land
Ritterturnier und verwehrtes Stadtrecht

Schlieben. Hans-Dieter Lehmann hat ein besonderes 2019er-Kalendarium fürs Schliebener Land zusammengestellt. Von Hans-Dieter Lehmann

Der Schliebener Ortschronist Hans-Dieter Lehmann hat für 2019 ein besonderes Kalendarium geschrieben. Es enthält wichtige Ereignisse aus dem Schliebener Land, die sich in diesem Jahr zum fünften oder zehnten Mal jähren. Unterstützung erhielt der Geschichtsfreund dabei vom Freundeskreis Zliuuini. Und so beginnt seine besondere Auflistung:

 

1239: Im nahen Herzberg findet am Sonntag nach Trinitatis ein großes Ritterturnier statt. Unter den adeligen Teilnehmern sind neben dem Grafen von Brehna und dem Burggraf von Wettin auch die Ritter Otto von Schlieben, Rupert von Schlieben und Hermann von Schlieben dabei.

 

1269: Alte Wetteraufzeichnungen berichten von einem außerordentlich milden Winter.

 

1369: In einer alten Schrift wird Claus von Schlieben, des alten Schlossvogts Sohn, erwähnt.

 

1384: Der Name des Dorfes Frankenhain wird erstmalig schriftlich in einer Urkunde des Thüringischen Landeshauptarchivs genannt.

 

1409: Als sechste Universität im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation wird am 2. Dezember 1409 die Universität Leipzig gegründet. Unter den Studenten auch Johann von Drandorf aus Schlieben.

 

1419: In einem Kopialbuch des Thüringischen Landeshauptarchivs Weimar findet sich zum ersten Mal schriftlich der Ortsname Croaczk (Krassig).

 

1474: Eine Übersicht über den Schliebener Amtsbereich gibt Auskunft über die rechtliche Struktur der Orte. Amtsdörfer sind demnach Schlieben, Werchluga, Frankenhain, Naundorf, Malitschkendorf, Oelsig, Schöna, Kolpien, Paserin, Hohenbucko, Krassig, Berga und Jeßnigk. Ritterschaftliche Dörfer sind Jagsal, Osteroda, Redlin, Lebusa, Körba, Kolochau, Polzen, Großrössen, Kleinrössen, Striesa, Werchau, Knippelsdorf, Stechau, Wiepersdorf, Hillmersdorf mit Proßmarke.

1529: Im Kurfürstentum Sachsen finden Kirchen- und Schulvisitationen statt. Schlieben ist Visitationsort. Die Anwesenheit Dr. Martin Luthers dabei ist umstritten. Die Protokolle der Visitation geben Auskunft über die kirchlichen, ökonomischen und sozialen Verhältnisse: So heißt es „Sittenlosigkeit, die Rohheit des Volkes und nicht weniger der Geistlichen grenzte oft an das Unglaubliche.“ In Schlieben gingen die Leute nicht zum Nachmittagsgottesdienst, sondern zum Trinken und Zechen. Die Visitatoren rieten dem Propst, „das Werk Gottes nicht vor die Säue zu werfen und nachmittags den Gottesdienst einzustellen, falls sich das grobe ungezogene Volk nicht bessere.“

 

In Schlieben gibt es einen „altare novum Fabiani et Sebastiani“ und damit einen Hinweis auf die Existenz einer Schützengilde.

 

1539: Im August 1539 werden Bauern aus dem Schliebener Amtsbereich aufgeboten, weil man den berüchtigten Hans Kohlhase (bei H. v. Kleist: M. Kohlhase) mit etwa 100 Reitern in der Umgegend gesehen haben wollte.

 

Aus einem kirchlichen Visitationsbericht geht hervor, dass es in Naundorf eine kleine Kirche gab, „eine ledige Kapelle“.

 

1544: Am Abend des zweiten Sonntags nach Ostern (Misericordias) 1544 wird Lukas Winkler aus Jagsal auf der Wegstrecke zwischen Oelsig und Jagsal erstochen und ausgeraubt. Als Täter wird ein gewisser Jores Schosser verdächtigt und schließlich überführt. Schosser wird letztendlich in Sonnewalde zum Tode verurteilt und „mit dem Rad bestraffet“.

 

1559: Der Rat von Schlieben bittet um die Verleihung des Stadtrechts, verbunden mit einem Wochen- und Jahrmarkt und mit Satzungen für die Zünfte der Handwerker. Das Begehren wird von der kurfürstlichen Obrigkeit abgewiesen. Der Herzberger Rat hintertrieb das Vorhaben, weil er von der Einrichtung der Märkte in Schlieben und deren Erhebung zur Stadt Nachteile zu haben meinte.