ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:45 Uhr

Feuerwehr
Richtiges Hammer-Jahr für Feuerwehren

Björn Horn ist seit 34 Jahren Feuerwehrmann in Herzberg. Die Arbeit der Feuerwehren muss nach seiner Ansicht noch besser gewürdigt werden, auch um die Zukunft abzusichern.
Björn Horn ist seit 34 Jahren Feuerwehrmann in Herzberg. Die Arbeit der Feuerwehren muss nach seiner Ansicht noch besser gewürdigt werden, auch um die Zukunft abzusichern. FOTO: LR / Feuerwehr
Herzberg. Der erfahrene Herzberger Feuerwehrmann Björn Horn über das schwierige Jahr 2018, seine Einstellung zur Feuerwehr und die Aufgaben in der Zukunft. Von Birgit Rudow

Björn Horn ist 42 Jahre alt und seit 34 Jahren bei der Feuerwehr. Als Achtjähriger ist er 1984 damals zur „Arbeitsgemeinschaft junger Brandschutzhelfer“ in die Station junger Naturforscher und Techniker im Schloss Grochwitz gekommen. Der Brand im Schloss 1992 war dann auch ein Einsatz, der ihn besonders geschmerzt hat. „Schließlich hatte ich dort einen großen Teil meiner Kindheit verbracht“, sagt er.

Björn Horn ist bei der Feuerwehr geblieben. Einmal Feuerwehr immer Feuerwehr? So richtig erklären kann der Herzberger das nicht. Aber das sei wohl so, sagt er. Auch wenn sich gegenüber früheren Jahren die Prioritäten durch die eigene Familie mit den acht- und 14-jährigen Söhnen, dem schönen Grundstück und dem Garten als Hobby etwas verschoben haben. Dennoch hat die Feuerwehr noch immer viel Platz in seinem Leben.

In der Herzberger Wehr ist er Gruppenführer. An der Landesfeuerwehrschule hat er die Ausbildungskette bis zum Verbandsführer – die so genannte F 6-Ausbildung – durchlaufen und kann somit ganze Einheiten führen. Und er ist Sprecher der Herzberger Feuerwehr und als solcher stets auch Ansprechpartner für die Medien. Als technischer Service-Gebietsleiter bei Vestas ist Björn Horn zwar viel unterwegs, oft aber auch in seinem Büro anzutreffen. Ein Vorteil, den viele seiner Kameraden nicht haben. „Der Arbeitsmarkt boomt. Aber viele Feuerwehrleute arbeiten eben nicht hier vor Ort oder in der Region. Das macht es in der Woche immer schwieriger, die Einsätze abzusichern“, sagt er.

Von denen hatte die Herzberger Wehr in diesem Jahr ungewöhnlich viele zu bewältigen. „2018 war ein Hammer-Jahr, nicht nur für unsere Wehr. Und es ist noch nicht zu Ende“, sagt er. Angefangen hat es mit dem Sturm „Friederike“ im Januar. „Schon da herrschte Ausnahmezustand“, so Horn. Und dann dieser extrem heiße und trockene Sommer. „Es waren ja nicht nur die großen Waldbrände. Wir hatten auch viele kleinere Brände in Herzberg, zu denen die Feuerwehr ununterbrochen ausrücken musste“, sagt er. Dazu die Großbrände, bei denen die Herzberger auch in anderen Landkreisen und Bundesländern gefordert waren wie in der Annaburger Heide, in der Lieberoser Heide oder bei Coswig nahe Wittenberg. Nicht zu vergessen der Brand in der Recyclinganlage in Schönewalde. Die Häufigkeit der Einsätze hat die Männer und Frauen an ihre Grenzen gebracht. Allein drei Mal sind Herzberger Kameraden im Zug oder Verband mit anderen Wehren nach Treuenbrietzen ausgerückt. „Das war ein immenser Einsatz vom Technik und Material, weil wegen der Munition niemand auf die Fläche kam. Wenn es knallt im Wald, dann hast du auch als erfahrener Feuerwehrmann ungeheuren Respekt“, gibt er einen Einblick in die Gefühlswelt der Helfer in den im wahrsten Sinne des Wortes brenzligsten Situationen.

Für die Feuerwehrkräfte, ihre Partner und Familien war dieser Sommer eine hohe Belastung. Und die Gefahr, dass jederzeit irgendwo wieder ein großer Brand ausbricht, ist noch nicht gebannt. „Dafür müsste es regnen, regnen und regnen“, so Björn Horn. Er schließt auch die Arbeitgeber in die Liste der Betroffenen ein. Auch sie verdienten Hochachtung. Viele hätten sich sehr tolerant gezeigt. „Wenn die Kameraden einmal von der Arbeit zum Einsatz ausrücken, geht das ja noch. Aber alle zwei Tage, und das in der Urlaubszeit. Das muss ein Arbeitgeber erst mal mitmachen“, sagt er.

Das Wichtigste aber sei, dass alle von den Einsätzen gesund wieder nach Hause gekommen seien, so Horn. Und dass man Respekt und Akzeptanz gegenüber der Feuerwehr auch in der Bevölkerung wieder stärker spüre.

In den vergangenen 25 Jahren habe sich in Sachen Feuerwehr vieles verändert und weiterentwickelt, schätzt der 42-Jährige ein. Früher lagen die Herausforderungen vor allem in technischen Hilfeleistungen, zum Beispiel bei Unfällen. Das gebe es heute selbstverständlich auch, ebenso einfache Einsätze wie Türöffnungen oder die leidigen Fehlalarmierungen. „Aber die Großschadenslagen wie Hochwasser oder großflächige Waldbrände haben zugenommen. Das belegt auch die Einsatzstatistik“ so Horn. Da sich immer mehr Aufgaben auf weniger Schultern verteilten, käme vor allem der Weiterentwicklung der Technik immer größere Bedeutung zu. „Unsere Feuerwehr in Herzberg ist technisch sehr gut ausgestattet. Da können wir uns nicht beschweren“, sagt er. Auch hier hat die Digitalisierung Einzug gehalten. So gebe es zum Beispiel ein Einsatzorganisationssystem und eine App für Scheren­spreizer, die den Feuerwehrleuten bei Unfällen je nach Hersteller und Autotyp empfiehlt, wo geschnitten werden kann und wo nicht. So mancher technische Fortschritt ersetzt auch bei der Feuerwehr Personal.

Aber das allein kann es für die Zukunft nicht sein, so Horn. Nachwuchs wird unbedingt gebraucht. Bei der Herzberger Jugendfeuerwehr sieht es gut aus. „Das Interesse der Kinder ist ungebrochen. Und dass der eine oder andere aus der Jugendfeuerwehr mittlerweile bei der Berufsfeuerwehr in Berlin arbeitet, belegt das gute Niveau der Ausbildung unserer Jugendwarte“, so Horn. Die Herausforderung ist es, viele der jungen Leute bei der Feuerwehr zu halten. Hier sieht Björn Horn auch das Land in der Pflicht, den Einsatz der Freiwilligen entsprechend zu würdigen. Dass die gerade vorgestellten Prämienregelungen ausreichen, bezweifelt er.

Die Herzberger Feuerwehr ist personell zwar nicht auf Rosen gebettet, aber sie ist ein festes und verlässliches Gefüge, schätzt Björn Horn ein. Es habe in den vergangenen Jahren die eine andere Krise gegeben, auch, was den Zusammenhalt der Truppe betrifft, verhehlt er nicht. „Aber das ist überstanden, und darauf sind wir stolz“, sagt er. Einmal Feuerwehr ist eben (fast) immer Feuerwehr.