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| 18:41 Uhr

Rekordverdächtiges Matjesfest
Die Holländer würden staunen

Matjesfest in Langennaundorf FOTO: LR / Frank Claus
Langennaundorf. Matjeshering – früher war es der Arme-Leute-Fisch, heute wird er gefeiert. Und das nicht nur an der Küste, sondern auch in der Provinz – im Gänsebusch bei Langennaundorf. Von Frank Claus

Matjesparty im jetzt staubigen Brandenburg – hunderte Kilometer weg vom Salzwasser? Und das soll funktionieren? Und wie das funzt! Zum 20. Mal hat die Fischräucherei Suhr zum Matjesfest geladen. Ergebnis: Das Jubiläum dürfte als das mit neuen Rekorden ins Logbuch eingehen. Alle Plätze tagsüber mehrfach besetzt und kiloweise Fischspezialitäten verkauft!

Die Holländer, die ihren Matjes ja mehr lieben sollen als wir Deutschen unser Bier, würden staunen. Oder auch nicht. Denn die Hälfte der jährlich rund 180 Millionen holländischen Matjes wird in Deutschland verzehrt, etwa 42 Prozent in den Niederlanden, der Rest in Belgien.

 Milder holländischer Matjes, köstlich in Langennaundorf angerichtet - zum 20. Mal ist das ein Magnet und wird auch gern mitgenommen.
Milder holländischer Matjes, köstlich in Langennaundorf angerichtet - zum 20. Mal ist das ein Magnet und wird auch gern mitgenommen. FOTO: LR / Frank Claus

Wer Fischfan ist und sich durchgekostet hat, dürfte auf der Langennaundorfer Schlemmermeile am Sonntag schon ein paar Pfunde mehr auf die Rippen bekommen haben. Lachs mit Petersilienkartoffeln, Matjes mit edlen Remouladen, Lachs gegrillt, Wels als Backfisch, Heringe und Matjes im Brötchen oder mit Salat und dazu die neueste Kreation: Fischbratwurst! Und die Speisekarte unterm schattigen Blätterdach des Langennaundorfer Gänsebusches war noch weitaus vielfältiger.

 Die Chefin Katharina Suhr (vorn) als Grillmeisterin. Sehr begehrt sind Lachssteak, Fischbratwurst und Garnelenspieße vom Grill.
Die Chefin Katharina Suhr (vorn) als Grillmeisterin. Sehr begehrt sind Lachssteak, Fischbratwurst und Garnelenspieße vom Grill. FOTO: LR / Frank Claus

Uebigau-Wahrenbrücks Bürgermeister Andreas Claus: „Hut ab vor dem Engagement der Familie Suhr, den vielen Helfern und Unterstützern. Die Langennaundorfer sind eine eingeschworene Truppe.“ Wildgrubes Bäckermeister Tobias Biernacki lacht, als er zu Seniorchef Georg und seinen Kindern Katharina und Robert Suhr, die nun das Geschäft weiterführen, meint: „Wenn Euer Fisch nicht reicht, ich habe Euch noch einen gebacken!“ Eine leckere Buttertorte in Fischform, die die Belegschaft zum Feierabend genießen soll. Von Beginn an unterstützt die Bäckerei das Matjesfest, hat diesmal am Sonntagmorgen 3000 Brötchen und 20 Blechkuchen eigens für das Fest gebacken.

 „Koste mal, das ist gaaanz lecker“, um möglichst viel aus dem Angebot zu probieren, wird auch schon mal vom anderen Teller genascht.
„Koste mal, das ist gaaanz lecker“, um möglichst viel aus dem Angebot zu probieren, wird auch schon mal vom anderen Teller genascht. FOTO: LR / Frank Claus

Schon vor 10 Uhr kommen die ersten Gäste, gegen Elf ist kein Platz mehr zu haben. Dass am Sonntag die Temperaturen vom heißen Vortag auf nun noch um die 20 Grad gefallen sind, kommt dem Fest entgegen. Sonst wären vermutlich viele Ältere erst gar nicht losgefahren. So aber sieht es auch in einem anderen Punkt aus wie in den Niederlanden: Fahrräder über Fahrräder. Das Matjesfest wird aus allen Richtungen angesteuert, am meisten wohl über den Schwarze-Elster-Radweg.

 Falls ein Fisch fehlt: Eine Torte von der Bäckerei Biernacki und Bürgermeister Andreas Claus für Georg (3.v.l.) sowie Robert und Katharina Suhr (3. und 2. v.r.).
Falls ein Fisch fehlt: Eine Torte von der Bäckerei Biernacki und Bürgermeister Andreas Claus für Georg (3.v.l.) sowie Robert und Katharina Suhr (3. und 2. v.r.). FOTO: LR / Frank Claus

In der Küche und in den Verkaufswagen wuseln die 15 Mitarbeiter und etwa 45 Helfer, in der großen Frittierpfanne verleiht Georg Suhr dem Welsfilet seine herrlich goldgelbe Farbe. Die Besucher kosten sich durch und lassen sich zum Schluss noch gehörig was einpacken. Katharina Suhr ist diesmal Grillmeisterin. Wie viele Lachssteaks sie auf dem Rost gedreht hat? „Keine Ahnung, viele!“, sagt sie und lobt die Crew: „Der Nachschub klappt prima.“ Die Gäste bemerken noch eins: Viele Gerichte werden auf Tellern und nicht auf Plastezeug serviert.

Zur Wohlfühlatmosphäre tragen Falkenbergs Blasmusikanten bei. Auf dem Nachbargrundstück bietet Tierärztin Alexandra Leonhardt Ponyreiten an, der Glückskinder-Verein lässt Bälle auf Mega-Pyramiden werfen, der Kremser kommt kaum zum Stehen. Die Lose der Tombola sind schnell vergriffen.

Georg Suhr dreht kurz nach 14 Uhr seine erste Runde – „ich bin gar nicht eher dazu gekommen“ – und freut sich: „Der Zuspruch ist der schönste Lohn für die tagelangen Vorbereitungen“, sagt er und erklärt: „Wir haben da so ein kleines Dankeschönprinzip für die Helfer. Wer uns mindestens zwei Jahre unterstützt, darf mit in den Bus bei der Zweitagesfahrt klettern. Da steuern wir immer schöne Ziele an, haben viel Spaß und können etwas zurückgeben.“ Der Seniorchef verrät auch, dass im Gänsebusch an- und umgebaut werden soll. Gegenwärtig würden die letzten Formalitäten geklärt. Imbissbereich und Terrasse sollen vergrößert werden, der Ladenbereich ein neues Gesicht bekommen. Das alles ist gut durchdacht. Katharina Suhr: „Abgesehen von Tankstellen und einer Gaststätte in Beutersitz-Bahnhof sind wir an der B 101 zwischen Elsterwerda und Jüterbog eine der wenigen Einrichtungen, in der man lecker zu Mittag essen kann. Wir haben schon lange viele Stammkunden.“

Matjesfest in Langennaundorf FOTO: LR / Frank Claus