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Für empfindsame Seelen
Reifeprüfung junger Stimmen

Die Mitglieder des Chores freuten sich an beiden Tagen über den regen Zuspruch des Publikums.
Die Mitglieder des Chores freuten sich an beiden Tagen über den regen Zuspruch des Publikums. FOTO: Sven Gückel
Herzberg. Chor des Gymnasiums Herzberg gibt zwei Konzerte im Bürgerzentrum. Kirche zieht sich aus der Projektfinanzierung zurück. Von Sven Gückel

Der vollmundige Klang von 75 Stimmen hallte am Freitag und Samstag durch das Bürgerzentrum Herzberg. Die Musikkurse der oberen Klassen des Philipp-Melanchthon-Gymnasiums Herzberg hatten zu einem Konzert geladen, das auf regen Besucherzuspruch stieß.

Ein Sprichwort sagt: Eine feinfühlige Seele wird von Farben angesprochen, eine noch feinfühligere vom Klang. Dem folgend, bot das jüngste Gastspiel des Gymnasiumchores Herzberg eine Vielzahl Momente, in denen empfindsame Seelen auf ihre Kosten kamen. Zumal das von den Schülern gebotene Repertoire überwiegend Balladen oder Lieder mit nachdenklich stimmenden Texten aufwies, wie etwa „Grapefruit“ von Julia Engelmann. „Einen Teil der Lieder haben die Jugendlichen selbst ausgewählt, andere finden sich in einem Chorhefter wieder, mit dem wir arbeiten“, erläutert Chorleiterin Daniela Uhlig.

Der Auftritt im Bürgerzentrum sei gleichsam das Abschlusskonzert der 12. Klassen gewesen, bevor diese sich intensiv auf ihre Abiturprüfungen vorbereiten. Für die jungen Sänger ein Höhepunkt, dem zuvor ein Auftritt beim Tag der offenen Tür im Januar oder das traditionelle Weihnachtskonzert in der Herzberger Kirche vorausgingen. Wann immer möglich, so Uhlig, nutze der Chor Gelegenheiten für öffentliche Auftritte. Die Jugendlichen können dabei ihr Können unter Beweis stellen. Für Daniela Uhlig als Pädagogin ergibt sich dabei die Möglichkeit, die Schüler zu benoten.
Zwei Stunden wöchentlich proben die Schüler im Unterricht den Gesang. Unterstützung erfährt die Musiklehrerin dabei durch Herzbergs Kantorin Solveig Lichtenstein. „Ohne sie wäre es nur schwer möglich, das Pensum zu schaffen”, betont Daniela Uhlig. Um so bedauerlicher hat man an der Schule zur Kenntnis genommen, dass die Kirche aus der Finanzierung des gemeinsamen Vorgehens mit jahrelanger Tradition aussteigt. Intensiv wurde deshalb in den vergangenen Monaten nach Lösungsmöglichkeiten gesucht, mit der man Solveig Lichtenstein an der Schule halten könne. Fest steht, dass der Förderverein des Gymnasiums ab dem neuen Schuljahr einen Teil der Finanzierung übernehmen will. Weitere Geldquellen sind im Visier.

„Frau Lichtenstein spielt beim Wirken des Chores eine wichtige Rolle”, sagt auch Meike Zettl (17) aus Körba. „Nur so ist es möglich, dass die Gruppen geteilt werden und individuell geübt werden kann”, ergänzt sie und fügt an, dass die lockere, lustige Art der Kantorin jede Unterrichtsstunde belebe. Eine Aussage, die Alicia Groth (18) aus Freileben bestätigt. „Dass wir mit Spaß an der Sache üben und mit ausgeglichenen Stimmen auftreten können, verdanken wir beiden Frauen”, sagt sie.

Auf bewährte Akteure konnten Daniela Uhlig und ihr Chor im Bürgerzentrum auf anderer Ebene setzen. Nicht nur Felix Fränkel, „ohne den hier technisch nichts gehen würde”, wie Uhlig betont, sondern auch die Band im Hintergrund trugen zum Konzerterfolg bei. Antje Hanitzsch (Schlagzeug), Johanna Krengel (Bass) und Gregor Kottke (Gitarre) begleiteten die Sänger nicht nur instrumental bei ihren sechs Liedern, sondern brachten darüber hinaus fünf eigene Stücke zu Gehör. Besonders gefreut hat sich die Chorleiterin  über Joshua Skerra. Der Schüler singt nicht nur mit Engagement mit, sondern steuerte für den Auftritt im Bürgerzentrum auch zwei selbst komponierte Stücke bei.
Während die Zwölftklässler nun vornehmlich die Abiturprüfung im Blick haben, proben die zwei jüngeren Jahrgänge bereits für den nächsten Auftritt des Chores. Der wird am 1. Juni in der Kirche Herzberg stattfinden und soll ein breit gefächertes Repertoire aus Pop, Gospel und Rock beinhalten.