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| 19:24 Uhr

Interview mit Franziska Wölkerling
Die Marke wird immer bekannter

 Fleischereien, hier Weiland aus Doberlug-Kirchhain, Bäcker, Weingüter, Gärtnereien, Gastronomen, Imker, Gerbereien, Kaffeeröstereien sowie Erzeuger kunstgewerblicher Produkte tragen bereits das Regionalsiegel Elbe-Elster. Die aktuelle Übersicht gibt es auf der Internetseite der Wirtschaftsförderungsgesellschaft.
Fleischereien, hier Weiland aus Doberlug-Kirchhain, Bäcker, Weingüter, Gärtnereien, Gastronomen, Imker, Gerbereien, Kaffeeröstereien sowie Erzeuger kunstgewerblicher Produkte tragen bereits das Regionalsiegel Elbe-Elster. Die aktuelle Übersicht gibt es auf der Internetseite der Wirtschaftsförderungsgesellschaft. FOTO: Andreas Franke
Bad Liebenwerda. Das Regionalsiegel Elbe-Elster – wer es trägt, wie es vergeben wird und die Alternativen zur Markthalle. Von Frank Claus

Vermarkten, was hier gewachsen oder produziert wurde – Elbe-Elster hat sich viele Jahre damit schwer getan. Und scheint mit dem Regionalsiegel nun ein gutes Stück voranzukommen. Doch was ist eigentlich regional, was sagt das Siegel aus, wie wird zertifiziert? Darüber und über die Kosten der Regionalvermarktung und den bislang misslungenen Versuch, eine Markthalle zu etablieren, sprach die RUNDSCHAU mit Franziska Wölkerling, die sich bei der Regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft um das Thema kümmert.

Stand jetzt gibt es 33 Träger des Regionalsiegels Elbe-Elster im Kreis. Sind Sie damit zufrieden?

Wölkerling: Es sind 33 Unternehmen zertifiziert mit insgesamt 488 Produkten. Wir sind sehr zufrieden mit dem Stand und freuen uns riesig über den Zuspruch und das Interesse der Unternehmen.

 Franziska Wölkerling kümmert sich um das Regionalsiegel.
Franziska Wölkerling kümmert sich um das Regionalsiegel. FOTO: Frank Claus

Sprechen Sie Unternehmen an oder melden die sich bei Ihnen?

Wölkerling: Beides. Am Anfang haben wir die Unternehmen angesprochen und das Regionalsiegel vorgestellt. Wir gehen immer wieder auf Unternehmen zu und können sie für die Familie des Regionalsiegels Elbe-Elster gewinnen. Mittlerweile sprechen uns Unternehmen an, die von dem Regionalsiegel gehört haben und ebenfalls zertifiziert werden und ein Teil sein möchten. Auch bereits zertifizierte Unternehmen reden mit anderen Unternehmen und legen diesen die Vorteile des Regionalsiegels nahe.

Wie erfolgt die Prüfung und Zertifizierung?

Wölkerling: Wir haben eine Zertifizierungsrichtlinie erstellt nach der jedes einzelne Produkt geprüft wird. In der Regel fahre ich zu den Unternehmen und schaue mir den Betrieb und die Produkte, die zertifiziert werden sollen, an. Für die Zertifizierung habe ich einen Prüfbogen zur Hilfe. Ich schaue, um welches Produkt es sich handelt, ob das Unternehmen seinen Sitz in Elbe-Elster hat und ob das Produkt in Elbe-Elster hergestellt oder verarbeitet wird. Je nachdem, ob es ein Primärprodukt oder ein verarbeitetes Produkt ist. Dann wird eine Qualitätsprüfung durchgeführt. Erfüllt das Produkt alle erforderlichen Anforderungen wird es mit dem Regionalsiegel Elbe-Elster ausgezeichnet.

Können Sie bitte noch einmal kurz die Vorteile des Regionalsiegels skizzieren?

Wölkerling: Das Regionalsiegel bringt viele Vorteile für die Unternehmen mit sich. Lassen Sie es mich in Stichworten sagen: Netzwerke und das Kennenlernen anderer Betriebe; Wissenstransfer; einheitliches Marketing; gebündelter Vertrieb; Alleinstellungsmerkmal; mehr Aufmerksamkeit in der Region; gemeinsame Aktivitäten; Kooperationen mit anderen Unternehmen; Entwicklung neuer Wertschöpfungspartnerschaften und vieles mehr.

Und für die Verbraucher: Kauf von definitiv regionalen, qualitätsgeprüften Produkten; Sicherheit und Transparenz; Frischer Geschmack und oder handwerkliche Herstellung.

Eine Regionalmarke stärkt die Identität in einer Region. Was glauben Sie, wie bekannt ist das Siegel hier schon im Kreis?

Wölkerling: Wir arbeiten täglich an der Bekanntheit des Regionalsiegels. Wir sind jetzt auf vielen Veranstaltungen in der Region vor Ort, um das Regionalsiegel zu bewerben. Auch die Unternehmen nutzen jede Gelegenheit, um das Siegel bekannter zu machen (Kreisgärtnertage, Gewerbeschau Doberlug-Kirchhain, Blütenfest in Döllingen). Die Wahrnehmung bei den Menschen steigt stetig. Auch achten immer mehr Menschen beim Kauf von Produkten auf das Regionalsiegel und sprechen gezielt die Unternehmen darauf an. Es werden weitere Aktivitäten folgen, um das Regionalsiegel noch bekannter zu machen.

Wie viel Geld wird für dieses regionale Projekt ausgegeben? Wie lange reicht die Förderperiode?

Wölkerling: Dieses Projekt wird durch das Modellvorhaben Land(auf)Schwung gefördert. Die regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaft ist einer von vielen Projektträgern im Landkreis Elbe-Elster. Es stehen ausschließlich Mittel vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zur Verfügung. Dieses Projekt läuft in einem Förderzeitraum von Juni 2018 bis Dezember 2019. Insgesamt stehen der Wirtschaftsförderung dafür 168 680 Euro Fördermittel zur Verfügung. Die Förderperiode des Modellvorhabens endet am 31. Dezember dieses Jahres. Die Idee der Entwicklung des Regionalsiegels ist im Projekt entstanden. Für uns ist das Vorantreiben der Regionalsiegelidee jedoch weit mehr als ein begrenztes Projekt. Die Aktivitäten im Bereich der ländlichen Entwicklung werden mit einem hohen finanziellen Eigenanteil und personellem Aufwand vorangetrieben. Nicht nur eine geförderte Personalstelle, sondern alle Mitarbeiter/innen und der Geschäftsführer treiben die Idee voran, u.a. auf überregionalen Veranstaltungen, in Netzwerktreffen oder in persönlichen Gesprächen.

Der Aufbau einer Markthalle in Finsterwalde ist gescheitert. Gibt es neue Anläufe? Wo stehen wir jetzt bei der Direktvermarktung in Elbe-Elster?

Wölkerling: Ich würde hier nicht von einem Scheitern sprechen. Modellprojekte sind Experimentierfelder und genau dafür da. Wir haben hier bewusst, gemeinsam mit vielen Akteuren, Ideen gesponnen und Visionen entwickelt. Nicht jede davon ließ sich sofort umsetzen, das ist richtig. Mit dem Aufbau von Soreegio ist es uns gelungen, eine Vertriebsorganisation für regionale Produkte auf dem Markt zu etablieren. Kunden können ganz bequem Ihre Waren im Internet bestellen und direkt an die Haustür liefern lassen. Seit Ende 2018 existiert ein Lagerlädchen auf dem Markt in Finsterwalde. Hier kann man „offline“ regionale Produkte einkaufen. Aber auch im BauSpezi in Bad Liebenwerda und im Profi-Markt in Finsterwalde sind mittlerweile regionale Verkaufsecken entstanden, bei denen man Produkte mit dem Regionalsiegel Elbe-Elster erwerben kann. Mit dem Regionalsiegel Elbe-Elster sind wir auf dem besten Weg, den Unternehmen ein einheitliches Marketing und einen gebündelten Vertrieb anzubieten.

Die Wahrnehmung der Direktvermarkter in Elbe-Elster hat sich gesteigert. Es gibt noch viel zu tun, Unterstützung in Organisation, Marketing und dem Management der Aktivitäten werden uns immer wieder angezeigt. Um unseren Produzenten langfristigen Erfolg zu sichern muss hier unbedingt weiter unterstützt werden. Dieser Aufgabe möchte sich die Wirtschaftsförderung gern stellen.

 Das Regionalsiegel Elbe-Elster.
Das Regionalsiegel Elbe-Elster. FOTO: RWFG