Von Birgit Rudow

Matthias Jankowski, Mario Richter und Siegbert Lieske stehen in Fermerswalde an der B 87 im Kreuzungsbereich. Von der Bundesstraße geht es ab nach Fermerswalde und nach Buckau. „Das Drama muss man sich mal ansehen“, sagt Ortsvorsteher Jankowski.

Damit meint er den Verkehr auf der Bundesstraße innerhalb des Ortes. Die Bebauung des Herzberger Ortsteils Fermerswalde beginnt einige Meter neben der Bundesstraße. Dennoch ist ein etwa 200 Meter langer Abschnitt der Straße innerörtlich. Es gibt ein Ortseingangs- und ein Ortsausgangsschild. Viele Kraftfahrer ignorieren sie.

Mit gefühlt 100 km/h durch Fermerswalde

In den etwa 20 Minuten, in denen die Männer an der Straße stehen, halten sich nicht viele an das Tempolimit 50. Mit gefühlt 80 bis 100 Sachen rasen Fahrzeuge hier durch.

Das sind keine Ausnahmen, wie eine Verkehrszählung der Stadt Herzberg vom Herbst 2018 beweist. „Von Freitag, 0 Uhr, bis Montag, 10 Uhr, haben 8334 Fahrzeuge beidseitig die Bundesstraße innerorts durchfahren“, sagt Herzbergs Ordnungsamtsleiter Sven Ziehe. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag Freitag bei 71, Samstag bei 72, Sonntag bei 74 und Montag bis 10 Uhr bei 68 Stundenkilometern. Insgesamt 83 Pkw und Lkw sind mit mehr als 100 Stundenkilometern durch den Ort gefahren. „Es ist ein Wunder, dass hier noch nichts passiert ist“, bilanziert  Ziehe. Die Ergebnisse der Messungen wurden in einer Einwohnerversammlung vorgestellt.

Bushaltstelle wurde von B87 in den Ort verlegt

Die Fermerswalder sehen in der Raserei eine große Gefahr. „Wenn ich hier früh um halb sechs aus dem Ort komme und auf die B 87 auffahren will, dann denke ich, ich stehe an einer Autobahn“, sagt Ortsbeiratsmitglied Mario Richter. Für gefährlich halten die Fermerswalder auch die Überholvorgänge im Ort. Sie geschehen trotz Überholverbots. „Man denkt, man schafft es, abzubiegen, da kommt auf der zweiten Fahrspur einer angerauscht“, sagt Jankowski.

Die Bushaltestelle ist mittlerweile vom Rand der Bundesstraße in den Ort verlegt worden. Das ist auch sicherer für jene Schulkinder, die mit den Bus nutzen. Doch die Busse müssten mehrmals am Tag die schwer einsehbare Bundesstraße in Richtung Buckau oder umgekehrt queren. Auf der Linie 527 Herzberg-Torgau und zurück sind es wochentags allein 16. Dazu kämen noch die Schulbusse. Nicht auszudenken, wenn bei der Raserei hier mal etwas Ernsthaftes passiert, meinen die Fermerswalder.

B87 in Fermerswalde zu kurz für Blitzer

Geschwindigkeitskontrollen der Polizei oder des Landkreises hätten sie seit Jahren in der Ortslage nicht mehr wahrgenommen, sagen sie. „Die Kraftfahrer wissen, dass hier nicht kontrolliert wird“, sagt Matthias Jankowski. Warum der Landkreis in Fermerswalde die Geschwindigkeit nicht kontrolliert, hat Gründe. Auf Nachfrage bei der Pressestelle der Kreisverwaltung heißt es aus dem Straßenverkehrsamt, dass man sich an den Runderlass des Landes halte, der besagt, dass 150 Meter vor und nach einem verkehreinschränkenden Schild (dazu gehört auch die Ortsein- und Ortsausgangsbeschilderung) nicht geblitzt werden soll. Die innerörtliche Bundesstraße in Fernerswalde ist also zu kurz für mobile und stationäre Blitzer. „Der Kreis darf hier nicht blitzen, selbst wenn er wollte“, so Kreissprecher Holger Fränkel. Ähnliches vermeldet die Polizei. Man müsse sich an die Gesetze halten. Sie werde das Problem aber noch einmal an die Verkehrspolizei herantragen, so Polizeisprecherin Ines Filohn.

Radweg zwischen Fermerswalde und Herzberg birgt Hoffnung

Hoffnungen setzen die Fermerswalder auf den Bau des Radweges zwischen Herzberg und Fermerswalde, der die Bundesstraße begleitet. „Dann“, so Matthias Jankowski, „hat man uns im Kreuzungsbereich Querungsinseln in Aussicht gestellt, die zum Drosseln der Geschwindigkeit zwingen“. Einen konkreten Termin für den Bau des Radweges gibt es aber noch nicht. Als Planungsleiter im Landesbetrieb Straßenwesen hatte Steffen Kleiner schon 2018 gesagt, dass eine sehr opulente Planung erforderlich sei. Zeitlich könne es bis zur Umsetzung des Vorhabens bis 2022 dauern.

Die Fermerswalder wollen aber nicht locker lassen und auf die Raserei auf der Bundesstraße in ihrem Ort aufmerksam machen. Auch die Stadt ist mit der Situation alles andere als zufrieden. „Wir haben mit Engelszungen wegen der Geschwindigkeitsmessungen mit der Polizei und dem Straßenverkehrsamt geredet. Wir bekommen aber nur gesagt, was nicht geht“, bilanziert Sven Ziehe.