Hunger, Pest, Krieg – Katastrophen ziehen auf, Tyrannen regieren und ein Einzelner stößt den Kampf gegen Unrecht, für Unabhängigkeit und Freiheit an. Es ist die Geschichte von Wilhelm Tell, die Friedrich Schiller mit seinem gleichnamigen Drama zu großer Berühmtheit verhalf. Sie hat gut 800 Jahre überlebt, wurde totgeschwiegen und bekämpft und scheint heute aktueller und lebendiger als je zuvor. Im Rahmen des Internationalen Puppentheaterfestivals Elbe-Elster wird sie am Freitag, dem 18. September, im Sängerstadt-Gymnasium Finsterwalde und in Herzbergs BücherKammer aufgeführt.

Von beiden Seiten betrachtet

Tell gehört zu den geschundenen Bauern, verweigert seinem Landesherrn eine lächerliche Ehrerbietung, wird mit dem Tod bestraft und begnadigt, sofern es ihm gelingt, mit Pfeil und Bogen einen Apfel vom Kopf seines Sohnes zu schießen. Dem glänzenden Schützen gelingt das Unmögliche, sein Sohn bleibt unversehrt, doch Wilhelm Tell verkündet, dass ein zweiter Pfeil für den machtbesessenen Herrn bestimmt sei. Er landet in Ketten auf einem Schiff und kämpft mit allen Mitteln für Freiheit und Selbstbestimmung. „Ich habe den Tell immer von beiden Seiten betrachtet, also auch den Aufwiegler, Unruhestifter, den ’Königsmörder’. So eröffnet sich ein Spannungsfeld zwischen berechtigtem Freiheitsstreben und Terrorismus. Das ist brandaktuell“, wirft die Berliner Puppenspielerin Christine Müller einen kritischen Blick auf ihre Hauptfigur, die im Laufe ihres 800-jährigen Legenden-Lebens nie mundtot zu kriegen war.

Kultureller Kraftakt

Sie freut sich auf das Elbe-Elster-Publikum und auf den Austausch mit Kollegen, der ein wichtiges Anliegen der Veranstalter darstellt. „Ein Festival ist immer ein kultureller Kraftakt. Wer dabei auch noch an uns Akteure denkt und Kontaktpflege und Austausch fördert, hat Anerkennung verdient“, lobt sie vorab alle Organisatoren um Kulturamtsleiter Andreas Pöschl und Festival-Expertin Steffi Marschner.
Aufführungen: 9.30 Uhr und 11.20 Uhr, Aula Sängerstadt-Gymnasium Finsterwalde; 20 Uhr BücherKammer, Herzberg (Anmeldung: 03535 248779).