ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:00 Uhr

Puppenspiel(er) neu in Szene gesetzt

Bad Liebenwerda.. Heimatgeschichte auf ganz ungewohnte, moderne und dabei sehr ansprechende Weise in Szene setzen – so lässt sich die gegenwärtig im Endspurt befindliche Umgestaltung des Kreismuseums in Bad Liebenwerda beschreiben. Zwei für die Kurstadt und die Region bedeutende Säulen stehen dabei im Mittelpunkt: Leben und Werk der Gebrüder Graun sowie das regionale Wandermarionettentheater im Elbe-Elster-Land. Von Antje Posern

Wenn die Arbeiten vollendet sind, steht dem Besucher erstmals eine vom Erdgeschoss bis unters Dach von Profihand gestaltete Ausstellung offen. Das Künstlerehepaar E.R.N.A. und Paul Böckelmann, das bereits in der Neuguinea-Ausstellung im Dresdener Völkerkundemuseum seine Handschrift hinterließ, setzte sich bei der Ausschreibung des Landkreises durch. Für die bisherige Wandermarionetten-Dauerausstellung entwickelten es ein Konzept, das Kulturamtsleiter Andreas Pöschl mit „Budenzauber“ beschreibt.
Seit dem vergangenen Jahr sind die beiden Altenauer Künstler im Kreismuseum am Lubwartturm tätig und arbeiten dabei eng mit Ralf Uschner zusammen. Einige neue Ideen entwickelten sich im Laufe der Zeit in diesem Zusammenspiel. Klar, dass dabei Reibungspunkte nicht ausblieben, die dem Gesamtprojekt jedoch stetig beim Wachsen halfen, so Pöschl. Bis zur Fertigstellung wartet auf die Künstler vor allem unter dem Dach noch eine Menge Arbeit. In erster Linie ist es an Ralf Uschner, die noch fehlenden Begleittexte und Erklärungen in der gesamten Ausstellung zu formulieren. Dennoch lautet das Ziel aller Beteiligten, noch im Dezember das neugestaltete Kreismuseum übergeben zu können.
Wer das Haus kennt, dem werden dann schon im Eingangsbereich erste Veränderungen auffallen. Im Karl-Gierhold-Saal soll ein größerer Museumsladen untergebracht werden. Darüber hinaus bleibe hier aber Platz für Versammlungen wie jener des Heimatvereins der Stadt oder auch für Familienfeiern, wofür der Saal laut Uschner immer häufiger gemietet werde. Ebenfalls das Museumscafé findet hier zu bestimmten Anlässen seinen Platz.
Nicht wiederzuerkennen sein wird der untere Raum einige Schritte weiter. Hier wird den Gebrüdern Graun, die auch eng mit Wahrenbrück verbunden sind, mit einer ständigen Ausstellung ein Denkmal gesetzt. Und das auf sehr moderne Weise. „Eine Ausstellung über Musik zu gestalten, ist sehr schwierig“ , sagt Kulturamtsleiter Andreas Pöschl. Zumal nicht viele Originalstücke und keine einzige originale Note der Grauns zu zeigen sind. Über ihr Werk sollen die Menschen Graun dem Besucher näher gebracht werden.
Zusätzliche Wände lockern den Raum auf, der an ein Musizierzimmer erinnert. Gemusterte Tapeten im Rokoko-Stil verleihen dem Ganzen Zeitkolorit. Die Blicke auf sich zieht ein überdimensionaler Sessel, auf dem künftig die Besucher mit Kopfhörern Platz nehmen können, um den Sinfonien Johann Gottlieb oder den Opern Carl Heinrich Grauns zu lauschen. Das Kreismuseum sei in Zusammenarbeit mit dem EE-Kulturamt dabei, ein Tonträger- und ein Notenarchiv aufzubauen, so Pöschl. Einen Blick in letzteres können Interessierte zukünftig beispielsweise an einem Lesepult werfen, das allerdings noch fehlt. „Wir sind noch auf der Suche. Es muss ja schließlich in die Zeit passen“ , erklärt Pöschl weiter.
Ziel sei es, in Bad Liebenwerda parallel zum Graun-Wettbewerb eine Forschungsstätte zu den in der Musikwelt bedeutenden Brüdern zu etablieren. Immerhin werden sie im 18. Jahrhundert in einem Zuge mit Händel und Bach genannt, gerieten jedoch später leider etwas in Vergessenheit. Das zu ändern, will der Elbe-Elster-Kreis gern mithelfen.
Den weitaus umfangreicheren Teil nimmt die neu in Szene gesetzte Wandermarionetten-Dauerausstellung ein. Der Besucher erfährt dabei bei weitem nicht nur etwas über die Puppen, sondern erhält vor allem einen Eindruck von den Menschen, die von Ort zu Ort zogen, über ihr hartes Leben und natürlich auch über ihre Liebe zum Puppenspiel. Dabei lässt sich die Entwicklung des Genres sehr gut nachvollziehen.
Ständiger Begleiter ist ein Zeitstrahl, der sich durch die gesamte Ausstellung in der ersten Etage windet und den Gast mit nach oben unters Dach nimmt. Ausgangspunkt ist der Siebenjährige Krieg 1756 bis 1763. Aus arbeitslosen Soldaten werden Puppenspieler, die sich auch in der Region Bad Liebenwerda - Elsterwerda ansiedeln. Saathain ist dabei einer der zentralen Orte. Beim Rundgang trifft der Gast auf alle bedeutenden Puppenspieler-Dynastien wie die der Billes oder Gierholds. Begleitet von Fotos aus dem Alltagsleben taucht der Besucher im oberen Teil der Ausstellung ins 20. Jahrhundert ein, in dem die letzte Generation der Wandermarionettentheater geboren wurde. Bekanntschaft macht er mit den Freunden Harry Hänel und Karl Gierhold, die als lebensgroße Figuren in ihrer Werkstatt sitzen. Der Zeitstrahl endet 1997/98. Vor allem aus dem umfangreichen Nachlass Gierholds konnte die neue Dauerschau des regionalen Wandermarionettentheaters „Von der Schusterahle zum Marionettenzwirn“ eröffnet werden.
Nebenan arbeiten Böckelmanns zurzeit am Wiederaufbau eines alten Wohn- und Abstecherwagens. Viel Platz soll hier für Aufführungen und Veranstaltungen bleiben. Rund 50 Leute können vor der Bühne Platz finden. Sie können hier unter anderem anhand von Schmalfilmen aus den 60er-Jahren und bei einer Video-Präsentation der vergangenen internationalen Festivals in die Welt der Puppenspieler eintauchen.

Zum Thema Finanzierung und weitere Pläne
  50 000 Euro kostet die Umgestaltung der Ausstellung im Kreismuseum. Aufgeteilt in zwei Jahresscheiben unterstützen die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Sparkasse Elbe-Elster das Projekt mit 20 000 Euro, weitere 20 000 Euro fließen aus dem Kulturministerium Brandenburgs. Der Elbe-Elster-Kreis stellt 10 000 Euro bereit.
Weitere umfangreiche Umgestaltungspläne stehen nach Kulturamtsleiter Andreas Pöschl im nächsten Jahr dem Kreismuseum Finsterwalde ins Haus. Vorausgesetzt, die Finanzierung steht bis dahin. In vier Räumen soll dort die Geschichte des Chorgesangs in der Region dargestellt werden.