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| 09:04 Uhr

Landwirtschaft und Umwelt
Die Heimat ganz praktisch kennenlernen

Projekttag für die 5. Klassen der Falkenberger Lindgren-Grundschule bei der Agrargenossenschaft in Beyern. Der Schwerpunkt liegt auf Natur und Umwelt. Lisa, Marie und Chantal gefällt diese andere Art von Unterricht - und ganz besonders das kleine Kälbchen....
Projekttag für die 5. Klassen der Falkenberger Lindgren-Grundschule bei der Agrargenossenschaft in Beyern. Der Schwerpunkt liegt auf Natur und Umwelt. Lisa, Marie und Chantal gefällt diese andere Art von Unterricht - und ganz besonders das kleine Kälbchen.... FOTO: LR / Sylvia Kunze
Falkenberg. Projekttag führt Falkenberger Lindgren-Schüler in die Natur. Bei einem zweiten Schritt steht dann die Wirtschaft im Fokus. Von Sylvia Kunze

Es gibt gerade Pellkartoffeln mit Quark. Selbst zubereitet von den Schülern der 5. Klasse der Falkenberger Lindgren-Grundschule, die ein Projekttag nach Beyern in die Agrargenossenschaft Beyern geführt hat. Für manches Kind ist das eine Premiere. Erschreckend viele von ihnen pellen sich dabei zum ersten Mal allein eine Kartoffel. Das Ansetzen des Dämpfers war für einige schon das erste große Erlebnis. Auch Gemüse für den Salat schnippeln, den sich jeder noch dazunehmen kann, ist bislang nicht jedermanns Sache.

Die „Hauswirtschaft“ unter Leitung von Martina Finkel von LandAktiv, bei der es um das Zubereiten dieser einfachen Speisen geht, später wird noch Teig für Waffeln angerührt und müssen Äpfel geschält und geschnippelt werden, ist nur eine von insgesamt sechs Stationen, an denen sich die Mädchen und Jungen ausprobieren können. Allein vier Stationen betreut die gastgebende Agrargenossenschaft. An ihnen geht es um das Melken einer Kuh (wobei es sich tatsächlich nur um eine Attrappe handelt), die Kälbchen-Abteilung, das Bauen einer Koppel und den Besuch in der Mühle in Beyern.  Ergänzt wird das Angebot rund um heimische Natur von einer Station, die Martina Ertle vom Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft betreut. An ihr geht es um Bäume, Baumscheiben, Birkensaft und eine Blättergeheimschrift.

Der als Berufsorientierung gedachte Projekttag hat seinen Ursprung in einem Angebot des Möglenzer Vereins „Schwalbennest“. Er organisiert schon seit einiger Zeit solche Berufsorientierungen für Schüler des Bad Liebenwerdaer Grundschulzentrums. Vor zwei Jahren hat er das in Zusammenarbeit mit dem Bildungsbüro des Landkreises erstmals auch für die Falkenberger Grundschule gemacht. Nach zwei Durchläufen, einer zum Thema Land- und Forstwirtschaft, ein anderer zum Thema Wirtschaft, nimmt nun die Grundschule in Kooperation mit dem Bildungsbüro die Sache selbst in die Hand.

Zum Thema Landwirtschaft ist und bleibt die Agrargenossenschaft in Beyern ein zuverlässiger Partner.  „Es ist toll, dass wir hier sein dürfen und so gut betreut werden“, lobt Lehrer Bernd Blüher den Hauptakteur vor Ort und dankt auch „LandAktiv und den Naturpark für die Zusammenarbeit“. Horst Bielagk, Vorsitzender der Agrargenossenschaft, wiegelt ab. Auch wenn er skeptisch war. Ist Berufsvorbereitung in der 5. Klasse nicht ein wenig zu früh?, fragte er sich.

„Aber die Mädchen und Jungen sind so aufgeschlossen, so neugierig und engagiert, das hätte ich nicht gedacht“, gesteht er ein. Dabei gehe es ihm vordergründig weniger um Reklame für die Berufe in der Landwirtschaft, sondern für ihn ist es vielmehr Herzenssache, den Berufsstand und dessen Arbeit ins rechte Licht zu rücken. „Sie müssen nicht gleich alle Landwirte werden. Es ist schon viel geschafft, wenn sie ihre Heimat lieben lernen, sehen, welche Perspektiven es hier gibt und bleiben“, sagt Bielagk.

Um anzuspornen, hat er 50 Euro Prämie für die Klassenkasse der besten „Melker“ versprochen. Auch Lisa, Marie und Chantal geben ihr Bestes. Die drei Mädchen legen gut vor und markieren gleich erst einmal den aktuellen Tagesbestwert. Später werden sie noch knapp von drei Jungen übertrumpft. Aber die besten Mädchen an diesem Tag bleiben sie dennoch. Auch beim Schätzen, was denn zum Beispiel so ein Eimer voll Maissilage oder ein Bottisch mit Hackschnitzeln wiegen mag, stellen sie sich gut an. Petra Schaar vom Ausbildungsnetzwerk Landwirtschaft würde sie am liebsten gleich als Lehrlinge in spe sehen wollen.

Doch wer weiß, wofür sich die Mädchen und ihre Klassenkameraden dann entscheiden. Im nächsten Schuljahr geht es bei ihrem Projekttag Berufsvorbereitung um Wirtschaft, berichtet Bernd Blüher. Hauptpartner dabei ist die Uesa-Schaltanlagenbaufirma. In der alten Werft in Lönnewitz wird sie die Schüler der dann 6. Klassen empfangen, „und hoffentlich auch noch andere Firmen. Wir arbeiten schon daran“, erzählt der Grundschullehrer, der Wirtschaft, Arbeit und Technik unterrichtet.

„Wir sind begeistert, wie gut das hier läuft“, sagt Dagmar Fischer, Koordinatorin im Bildungsbüro. Bestenfalls soll das Falkenberger Beispiel im wahrsten Sinne des Wortes Schule machen, „denn es soll in die Breite getragen werden. Auch andere Grundschulen des Landkreises können mit unserer Hilfe solche Projekttage organisieren“, lädt sie zum Mitmachen und Übernehmen der Idee ein.