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Private Waldbesitzer wehren sich

Die Wald- und Forstwirtschaft ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und für private Waldbesitzer eine wichtige Einnahmequelle. Foto
Die Wald- und Forstwirtschaft ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und für private Waldbesitzer eine wichtige Einnahmequelle. Foto FOTO: Kletr/Fotolia
Hohenbucko. "Die Forst und die privaten Waldbesitzer in Brandenburg haben keine Lobby. Die Schädlingsvermehrung in unseren Wäldern ist existenzbedrohend. Birgit Rudow

Aber die Waldbesitzer haben kein Mitspracherecht", sagt Katrin Dehmel. Sie ist Forstwirtin bei der Forstbetriebsgemeinschaft Südbrandenburg "Waidmannsruh-Wallhaus".

Die Forstbetriebsgemeinschaft möchte am morgigen Samstag auf einer Informationsveranstaltung in Doberlug-Kirchhain ein "Aktionsbündnis zur Rettung unserer Wälder" ins Leben rufen und lädt dazu Waldbesitzer und interessierte Bürger ein. Das Bündnis soll dazu dienen, den Privatwaldbesitzern auf politischer Ebene endlich Gehör zu verschaffen, so Katrin Dehmel. Die Hintergründe dafür sind vielfältig. Einer von ihnen ist der massive Befall der Kiefernwälder in Elbe-Elster im vergangenen Jahr mit der Kiefernbuschhornblattwespe. Die zweite Generation hatte im August etwa 5000 Hektar Kiefernwald kahl gefressen. Das dagegen wirksame Mittel "Karate Forst" durfte aber nur auf 2800 Hektar gespritzt werden, weil die untere Naturschutzbehörde des Landkreises die Bekämpfung in Schutzbereichen wie Vogelschutz- oder FFH-Gebieten nicht genehmigt hatte. Sie waren dem Kahlfraß der Raupen auf Gedeih und Verderb ausgesetzt. "Die Waldflächen sind zumeist Privateigentum. Die Waldbesitzer hatten aber keinen Handlungsspielraum", so Katrin Dehmel. Für viele von ihnen sei das Holz eine wichtige Einnahmequelle. Das habe aber bei der Entscheidung der Naturschutzbehörde keine Rolle gespielt.

Den Forstbehörden macht sie keinen Vorwurf. "Sie haben in dieser schwierigen Situation im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten alles richtig gemacht. Die Entscheidung haben andere getroffen", sagt sie. Insgesamt werde die Forstwirtschaft als Wirtschaftsfaktor viel zu wenig geachtet und anerkannt, so die Forstwirtin. Dabei zähle Brandenburg zu den Top 5 der waldreichsten Bundesländer. 37 Prozent der Fläche seien bewaldet. Etwa 60 Prozent der Wälder seien in Privatbesitz.

Auch in Elbe-Elster ist der Wald ein Wirtschaftswald. Das Holz der Kiefern wird zu Bauholz verarbeitet, als Palettenholz, für die Spanplattenproduktion oder die Papierherstellung genutzt. "Uns geht es um die Forstwirtschaft und die weiterführenden Wirtschaftszweige. Wir wollen mit dem Aktionsbündnis das Mitein-ander stärken und unsere Forderungen auf politischer Ebene stellen", sagt Katrin Dehmel.

Die Forstleute und Waldbesitzer in der Forstbetriebsgemeinschaft befürchten durch den Klimawandel immer öfter Extremsituationen für die Wälder, auch beim Schädlingsbefall. Da gebe es nur zwei Möglichkeiten, sagt Katrin Dehmel. Entweder man baue den Wald um, das ginge aber nur auf bestimmten Flächen und dauere Jahre, oder man müsse mit chemischen Mitteln vorgehen. "Sonst werden wir immer mehr große abgestorbene Gebiete haben", so Dehmel. Welche konkreten Auswirkungen der Befall mit der Kiefernbuschhornblattwespe im Sommer 2016 für die betroffenen Wälder hat, könne man erst in einigen Monaten einschätzen, wenn zu sehen ist, ob die Bäume austreiben oder nicht, sagt sie.

Michael Kopka, einst Revierförster in Schönewalde und seit einigen Jahren Einsatzleiter beim Landesbetrieb Forst bei Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen geht davon aus, dass es nicht zum Absterben größerer Waldgebiete kommt. Er könne aber nicht ausschließen, dass Bäume absterben werden, auch auf den chemisch behandelten Flächen. "Das derzeitige Wetter tut dem Wald aber gut. Wenn wir jetzt noch ein feuchtes Frühjahr bekommen, hilft das den Bäumen", sagt er. Michael Kopka stimmt Katrin Dehmel in dem Punkt zu, dass die "grüne Lobby" größer sei als die der Waldbesitzer. "Die Wirtschaftlichkeit wird bei Schädlingsbefall oft ausgeblendet und Behörden bestimmen über fremdes Eigentum", räumt er ein. Vonseiten der Forst sei es im Sommer in Elbe-Elster nicht möglich gewesen, überprüfen zu lassen, ob ein Spritzen in Schutzgebieten nicht doch hätte erfolgen können. "Das hätte viel zu lange gedauert", so Kopka.

Was die Schädigung der von der Kiefernbuschhornblattwespe befallenen Wälder betrifft, so ist die Schliebener Landtagsabgeordnete Iris Schülzke (BVB/Freie Wähler) nicht ganz so optimistisch. Es werde zwei bis drei Jahre dauern, ehe der Wald seine ökologische Funktion wieder erfüllen kann, sagt sie. Bis sich die Bäume wieder erholt hätten, könnten sie das Kohlendioxid nicht binden und auch nicht wachsen. Außerdem würde ein starker Lichteinfall andere Forstschädlinge fördern. "Die Forstbehörden warnen aber davor, die Bäume jetzt schon zu schlagen", sagt sie. Auf Anregung von Iris Schülzke laden die Forstbehörden Waldbesitzer und interessierte Bürger ebenfalls zu Informationsveranstaltungen ein.

Die Veranstaltung der Forstbetriebsgemeinschaft Südbrandenburg "Waidmannsruh-Wallhaus" findet am morgigen Samstag um 15 Uhr im Refektorium am Schloss Doberlug statt.

Die Oberförstereien laden zum 21. Februar nach Naundorf und zum 22. Februar nach Massen zu Informationsveranstaltungen ein.

Zu Tausenden sind die Raupen im Sommer über Kiefern hergefallen.
Zu Tausenden sind die Raupen im Sommer über Kiefern hergefallen. FOTO: Forst