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| 16:45 Uhr

Elbe-Elster hat 16 unbesetzte Ausbildungsplätze in der Landwirtschaft
Personalsorgen belasten Landwirte

Züllsdorf. Immer weniger junge Leute wollen Tierwirt werden. Bei Melkern und Treibern gibt es erste Personalengpässe. Von Sylvia Kunze

Dorsten Höhne von der Agrargenossenschaft Züllsdorf hat beim zurückliegenden „LR vor Ort“­-Termin nicht nur als Züllsdorfer am Tisch Platz genommen, sondern zugleich auch als Vertreter der regionalen Landwirtschaft. „Sie prägt das Bild der Region. Sie beschäftigt viele Arbeitskräfte aus der Region“, merkte er an und setzte gleich nach: „Aber das größte Problem, das uns beschäftigt, mal abgesehen von den Folgen der schlechten Ernte, die wir und alle Betriebe ringsum in diesem Jahr eingebracht haben, ist das Personalproblem.“ Die Landwirte reihen sich damit in eine immer größer werdende Schlange von Berufsgruppen ein, die deutliche (Nachwuchs)Probleme haben.

Aus Sicht der Agentur für Arbeit stellen sie sich aktuell so dar: 29 offene Stellen (im Bereich Land- und Forstwirtschaft) sind momentan gemeldet, wie Jean-Marie Ulrich vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur aus der Statistik herausliest. Auch wenn da immer wieder Bewegung drin sei, bleibe so manche Stelle in der Tierwirtschaft auf lange Dauer unbesetzt, bestätigt er und schickt hinterher, dass sich Arbeitgeber da inzwischen durchaus viel einfallen lassen würden, um die Attraktivität des Arbeitsplatzes zu erhöhen, zum Beispiel mit dem Stellen eines Autos oder auch mit dem Verzicht auf geteilte Schichten. Er muss es wissen, denn „wir sind als Arbeitgeberservice sehr daran interessiert zu erfahren, warum es oftmals nicht mit der Vermittlung von Arbeitskräften klappt und sitzen inzwischen deshalb oft mit am Tisch, wenn Arbeitgeber und Stellenbewerber ins Gespräch kommen“, berichtet Ulrich.

Was das Personalproblem womöglich noch weiter verschärfen wird, sind die allein im aktuell gerade neu gestarteten Lehrjahr 16 unbesetzte Ausbildungsplätze in den Landwirtschaftsbetrieben des Elbe-Elster-Kreises. Rund 50 waren im Angebot, weiß Ulrich aus seinen Unterlagen. Für das nächste Lehrjahr, das im nächsten Sommer beginnt, werden schon jetzt 35 Stellen angeboten. Was zeigt: Die Bauern der Region bemühen sich schon, für altersbedingt ausscheidende Kollegen jungen Ersatz zu finden und wollen ihren (Ausbildungs)Beitrag leisten.

Den beruflichen Nachwuchs, so sich denn welcher findet, heranziehen, dieser Aufgabe verschreibt sich nun schon seit Jahren auch Petra Schaar vom Ausbildungsnetzwerk Landwirtschaft. Es betreut im Schnitt 66 Lehrlinge – „und das seit Jahren stabil“, schätzt Petra Schaar ein. Der Großteil bleibe dabei und steige später in den Beruf ein: aber vorwiegend als Landwirt oder als Fachwirt im Agrarbereich. Der Schwerpunkt der Berufsneueinsteiger, das hat die Ausbilderin längst gemerkt, verschiebt sich mehr und mehr Richtung Pflanzenproduktion. „Die jungen Leute wollen auf den Acker, moderne Maschinen mit super Technik fahren. In den Stall hingegen wollen immer weniger. Tierwirte auszubilden, das ist echt schwierig geworden. 365 Tage im Jahr arbeiten müssen, egal ob Weihnachten, Ostern oder Pfingsten, dazu noch die langen Schichten – dafür lassen sich Berufseinsteiger immer weniger begeistern. Und selbst wenn beispielsweise jungen Mädchen von wem auch immer der Beruf damit schöngeredet wurde, dass sie sich um die kleinen Kälbchen kümmern können, merken sie in der Lehre sehr schnell, dass da mehr dazugehört und springen wieder ab“, berichtet Petra Schaar von ihren Erfahrungen.

Bei Melkern und Treibern, weiß Dorsten Höhne, zugleich Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster, tun sich erste Personalengpässe auf. Landwirtschaftsbetriebe, in denen Arbeitnehmer in den Ruhestand gehen, können diese frei werdenden Stellen immer schlechter nachbesetzen. „Wir müssen sehen, dass wir uns weiterentwickeln, auch diese Arbeitsplätze in den Betrieben attraktiv halten. Bei uns in Züllsdorf arbeiten wir zum Beispiel gerade an der Modernisierung im Kälberbereich. Sobald die Arbeiten abgeschlossen sind, wollen wir der Öffentlichkeit zeigen, unter welchen verbesserten Bedingungen gearbeitet werden kann“, verspricht er. „Wir suchen motivierte, gut ausgebildete Leute. Wir würden gern selbst ausbilden, haben aber in diesem Jahr keinen Lehrling gefunden“, schiebt Höhne nach.