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| 11:18 Uhr

Herzberg
Pendler wollen im Stundentakt nach Berlin

Landrat Christian Heinrich-Jaschinski, IHK-Regionalverbandschef Gerd Rothaug, Herzbergs Bürgermeister Karsten Eule-Prütz, Städtebund-Geschäftsführerin Gabi Lang und Annaburgs Bürgermeister Klaus-Rüdiger Neubauer (v.l.) haben eine klare Forderung an die Deutsche Bahn.
Landrat Christian Heinrich-Jaschinski, IHK-Regionalverbandschef Gerd Rothaug, Herzbergs Bürgermeister Karsten Eule-Prütz, Städtebund-Geschäftsführerin Gabi Lang und Annaburgs Bürgermeister Klaus-Rüdiger Neubauer (v.l.) haben eine klare Forderung an die Deutsche Bahn. FOTO: Sven Gückel
Herzberg. Bus und Bahn stehen Dienstag im Mittelpunkt einer länderübergreifenden Konferenz in Holzdorf. Bessere Berlin-Anbindung ist eine Forderung. Von Birgit Rudow

Zugpendler aus Herzberg oder Falkenberg in Richtung Berlin haben es nicht gerade leicht. Auch wenn sich die Situation seit einem Jahr im Berufsverkehr leicht verbessert hat, ist sie noch lange nicht optimal. Vertreter des Städtebundes Elbe-Elsteraue und Lokalpolitiker haben deshalb eine Aktion von vor etwa zwei Jahren wiederholt und sind am Donnerstagfrüh mit den Pendlern um 5.48 Uhr in Falkenberg und um 5.56 Uhr in Herzberg in den Regionalexpress 3 Richtung Berlin gestiegen.

Hier wollten Herzbergs, Falkenbergs und Annaburgs Bürgermeister Karsten Eule-Prütz, Herold Quick und Klaus-Rüdiger Neubauer, Landrat Christian Heinrich-Jaschinski, IHK-Regionalverbandschef Gerd Rothaug und der CDU-Landtagsabgeordnete Rainer Genilke von den Pendlern wissen, wie sie mit der Zugverbindung zufrieden sind und welche Probleme sie haben.

Ab Herzberg fahren die Züge nach Berlin morgens um 4.51 Uhr und um 5.56 Uhr. Anschließend geht es im Zwei-Stundentakt weiter. Zurück geht es (ab Hauptbahnhof) um 15.33 Uhr, 16.06 Uhr, 17.33 Uhr und dann nur noch um 19.31 Uhr und 21.35 Uhr. Das ist zu wenig, meint die Lokalpolitik aus der Elbe-Elsteraue und fordert zumindest im Berufsverkehr zwischen Falkenberg und Jüterbog einen Stundentakt. Von Jüterbog aus kommt man alle halbe Stunde nach Berlin, was viele Pendler dazu bewegt, bis Jüterbog mit dem Auto zu fahren.

Auf dem Herzberger Bahnhof stehen am Donnerstagmorgen einige Frauen zusammen und warten auf den Zug nach Berlin. Die Herzbergerin Bettina Hafky arbeitet in Friedenau. Sie wünscht sich, dass die Züge im Berufsverkehr länger im Stundentakt fahren, um flexibler zu sein. „Unsere Arbeitszeit richtet sich nach den Zügen. Zwar sind viele Arbeitgeber durch die Gleitzeit flexibel, aber wir verschenken insgesamt viel Zeit“, sagt sie.

Ähnlich sieht es Kerstin Rosner, die in Luckenwalde arbeitet. Bei ihr kommt noch hinzu, dass sie vom Bahnhof Luckenwalde zur Arbeitsstelle 25 Minuten laufen muss, weil der Bus so ungünstig fährt.

Kommen die Frauen früh noch ganz gut zurecht (vorausgesetzt bei der Bahn läuft alles glatt), so sieht es zum Feierabend schon schlechter aus. „Dann muss man von der Arbeit schnell weg, weil man sonst auf den nächsten Zug zwei Stunden warten muss“, sagt Kerstin Rosner. Mit den derzeitigen Zugtakten könne sie eine 40-Stunden-Woche nicht bewältigen. Deshalb arbeite sie mittlerweile Teilzeit. Doch obwohl sie um 4.30 Uhr aufsteht, sei sie oft erst um 17 Uhr oder gar 19 Uhr zu Hause, sagt sie.

Die Frauen kritisieren auch, dass der Regio im Winter nur mit vier Wagen fährt. Dann ist er ab Jüterbog proppenvoll. „Ich brauche in Berlin manchmal so lange zum Aussteigen, dass ich meine S-Bahn nicht mehr bekomme und auf die nächste warten muss“, sagt Bettina Hafky.

Auch Beate Dobra arbeitet in Luckenwalde und fährt seit zwölf Jahren mit dem Zug zur Arbeit. „Über die Bahn könnte ich Bücher schreiben“, sagt sie und kritisiert vor allem den Service. Vom Nichtöffnen der Türen bis zu fehlenden Informationen reicht die Bandbreite. Ganz kritisch wird es für die Pendlerinnen, wenn Strecken gesperrt sind und Schienenersatzverkehr eingerichtet ist. Dann verlängert sich die Zeit für den Arbeitsweg noch mehr. Insgesamt sei die Fahrt mit dem Zug schneller und entspannter als mit dem Auto. Aber nur, wenn alles funktioniert, sagen die Frauen.

Die Städtebundvertreter und anderen Lokalpolitiker haben Donnerstagfrüh im Zug nicht nur Kaffee und Snacks ausgereicht, sondern auch gut zugehört. Sie sehen sich in ihren Forderungen bestätigt. „Es geht  nicht nur um die Herzberger. Auch Torgauer wollen von Herzberg nach Berlin“, sagt Städtebund-Geschäftsführerin Gabi Lang. In diesem Zusammenhang erging dann übrigens auch eine Bitte der Pendler an die Stadt, für ausreichend Parkplätze am Bahnhof zu sorgen.

Die Aktion des Städtebundes vom Donnerstag war zeitlich bewusst ausgewählt. Am kommenden Dienstag findet im Fliegerhorst Holzdorf nach 2008 die zweite länderübergreifende Tagung zur Stärkung und Entwicklung des ländlichen Raumes statt. Unter der Regie des Landkreises Wittenberg haben die Städtebünde Elbe-Elsteraue und Dübener Heide sowie die Landkreise Anhalt-Bitterfeld, Nordsachsen, Elbe-Elster und Teltow-Fläming den länderübergreifenden Busverkehr und die Bahninfrastruktur in den Mittelpunkt gestellt. Eingeladen sind  Vertreter der zuständigen Ministerien für Verkehr und Landesentwicklung Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen sowie des Bundesministeriums für Verkehr, Bundes- und Landtagsabgeordnete und die Verantwortlichen für den öffentlichen Personennahverkehr.