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| 16:54 Uhr

Ahlsdorf
Naturpark Ahlsdorf – Fluch und Segen

 Landschaftsarchitekt Hagen Engelmann (Mitte) erläutert Michael Stübgen und Rainer Genilke (r.) die Situation im Ahlsdorfer Park. Finanzielle Mittel dafür können aber auch die Politiker nicht aus dem Ärmel schütteln.
Landschaftsarchitekt Hagen Engelmann (Mitte) erläutert Michael Stübgen und Rainer Genilke (r.) die Situation im Ahlsdorfer Park. Finanzielle Mittel dafür können aber auch die Politiker nicht aus dem Ärmel schütteln. FOTO: LR / Rudow
Ahlsdorf. Die Stadt Schönewalde benötigt in den kommenden Jahren insgesamt etwa 2 Millionen Euro, um den Park in kleinen Schritten zu sanieren. Fördermittel für ein solches Projekt zu finden, ist allerdings schwierig. Von Birgit Rudow

Die Stadt Schönewalde besitzt einen besonderen Schatz – den Park in Ahlsdorf mit seinem unter Denkmalschutz stehenden Gehölzbestand. Dieser Schatz bringt aber auch Riesenprobleme mit sich. „Wenn hier nicht bald etwas passiert, dann ist der Park tot“, umschreibt Schönewaldes Bürgermeister Michael Stawski die Situation etwas drastisch.

2016 hat die Stadt eine „Gartendenkmalpflegerische Zielstellung“ für den Park erarbeiten lassen. Derer hat sich das Landschaftsarchitekturbüro Engelmann aus Cottbus angenommen, das schon mehrere Projekte im Elbe-Elster-Kreis betreut hat. Diese Zielstellung ist eine abgestimmte fachliche Grundlage für alle weiteren Arbeiten innerhalb der Parkanlage. An substanzieller fachlicher Betreuung mangelt es der Stadt Schönewalde also nicht. Vielmehr ist es das Geld, das fehlt. Der Bürgermeister schätzt, dass es dabei um insgesamt etwa 2 Millionen Euro geht.

Stadt bittet Staatssekretär um Hilfe

Da die Stadt als hoch verschuldete Kommune ohne genehmigten Haushalt nicht den Hauch einer Chance hat, das Geld selbst aufzubringen, sucht sie nach möglichen Fördertöpfen. Bisher allerdings mit mäßigem Erfolg. Deshalb hat Stawski nach einem Strohhalm gegriffen und den Bundestagsabgeordneten des hiesigen Wahlkreises und parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Michael Stübgen (CDU) sowie den CDU-Landtagsabgeordneten Rainer Genilke nach Ahlsdorf eingeladen.

Mit vor Ort war auch der Landschaftsarchitekt Hagen Engelmann. Der sieht die Zukunft des Parks nicht ganz so schwarz wie Michael Stawski. Sterben werde er nicht, meint er. „Aber wenn wir nicht kurzfristig reagieren, haben wir immer weniger Park und immer mehr verwilderten Holzbestand“, so der Fachmann. Laut seinem Konzept ist der Park 16 Hektar groß. Davon nehmen die Gehölzflächen 7,9 Hektar ein. 6,6 Hektar sind Wiesen, 0,5 Hektar Wasser und 1 Hektar Wege. Der Grundbaumbestand ist älter als 200 Jahre. 1858 hat der Justizrat Johann Georg Siemens das Rittergut Ahlsdorf erworben. Bis zur Enteignung 1945 war es im Besitz der Familie. „Der Bestandswald und auch Einzelbäume waren um 1850 schon da. Die Familie von Siemens hat den Gehölzbestand aufgeforstet und 1910 hat Elise von Siemens den Park erweitert und u.a. auch das Teehaus bauen lassen“, so Hagen Engelmann. Bis in die 1930er Jahre sei der Park gut unterhalten gewesen, sagt er.

Viele Jahre lang ist nichts passiert

Zu DDR-Zeiten waren dann so genannte Pflegearchive mit der Unterhaltung beauftragt. Nach der Wende und in den 1990er Jahren hätten sich dann Natur- und Denkmalschutz gegenseitig lahm gelegt, so Engelmann. In all den Jahren sei nicht viel passiert, und es habe lange gedauert, ehe 2016 mit der „Gartendenkmalpflegerischen Zielstellung“ das Projekt Ahlsdorfer Park wieder ernsthaft in Angriff genommen wurde.

Etwa 40 000 Euro wurden seitdem in den Park investiert. 25 000 Euro kamen aus dem Naturschutzfonds, der Rest von der Denkmalpflege. „Doch jetzt kommen wir nicht weiter“, sagt Hagen Engelmann. Er erläuterte den Politikern, dass man 2 Millionen Euro natürlich nicht auf einmal brauche, sondern kleinere Summen über Jahre hinweg, um den Park schrittweise wieder auf Vordermann zu bringen. Das Wichtigste sei die Bestandssicherung. „Die Zielbäume ersticken im Dickicht von Krone und Wurzel“, so der Landschaftsarchitekt. Die mittlerweile wild gewachsenen Konkurrenzpflanzen zu den Gehölzern müssen entfernt werden. Aber auch dabei müsse man behutsam vorgehen, um die Standsicherheit der Bäume nicht zu gefährden und auch, um der Tierwelt die Möglichkeit zu geben, sich in andere Bereiche zurückzuziehen. Dabei stehe man durchaus auf der Seite der unteren Naturschutzbehörde sagt Engelmann. Nach der Bestandssicherung könne man Neupflanzungen vornehmen.

Geschützter Eichen-Hainbuchen-Mischwald

Die Brücken und Wege neu zu gestalten sei erst dann notwendig, wenn der Park auch intensiv genutzt werde, so der Landschaftsarchitekt, der auch bedarfsorientiert denkt. Seiner Meinung nach geht momentan die Wertschöpfung, die Parks schaffen können, immer mehr verloren. „Manche werden heraus geputzt wie Walt Disney“, sagt Hagen Engelmann stirnrunzelnd. Der Ahlsdorfer Park hingegen sei mit seiner Größe und Struktur ein Naturerlebnis, schon allein des geschützten Eichen-Hainbuchen-Mischwaldes in seiner Mitte wegen.

Die Ahlsdorfer waren früher sehr eng mit ihrem Park verbunden. Hier wurde gefeiert, was es zu feiern gab und viele Bewohner haben im Park mit angepackt, wirft Ortsvorsteherin Ilona Barz ein. Doch die meisten hätten nicht verstanden, warum das nach der Wende nicht mehr möglich gewesen ist. Natur- und Denkmalschutz standen auf einmal im Mittelpunkt. „Jahrelang war dann in der Bevölkerung Funkstille. Erst seit einigen Jahren treffen sich die Ahlsdorfer wieder zu Arbeitseinsätzen. Zum ersten in diesem Jahr waren 60 Leute da. Die Ahlsdorfer lieben ihren Park wie eh und je und möchten nicht, dass die Beziehung zu ihm weiter verloren geht“, sagt sie.

Sanierung in überschaubaren Schritten

Die Sanierung des Parks wird mit Sicherheit keine Hau-Ruck-Aktion. Sie kann und muss in (auch finanziell) überschaubaren Schritten erfolgen. Nur müsste sie endlich einmal beginnen, und dafür braucht es Geld. Das aber konnte auch Michael Stübgen für die Schönewalder nicht aus dem Hut zaubern. Der Bund sei für solche Projekte nicht zuständig, das sei Ländersache, meinte er. Der Bund würde aber sporadisch Kleinstprogramme auflegen. Die Stadt solle den Bundes- und den Landesanzeiger im Auge haben, um darauf schnell aufmerksam zu werden, riet er. Der Eigenanteil liege bei solchen Programmen aber zwischen 20 und 30 Prozent. Wenn die Stadt den nicht aufbringen könne, werde es schwierig, so Stübgen.

Hoffnungen machte er den Schönewaldern, was einen notwendigen neuen Zaun betrifft, mit dem das Parkareal vor Wild geschützt werden soll. Für die Strukturförderung ist das Land zuständig. Über Fördermöglichkeiten für die Umzäunung will sich Rainer Genilke informieren. Der Park an sich aber wird noch lange ein Schatz mit vielen Problemen bleiben.

 Blick vom Park auf das im Privatbesitz befindliche Schloss. Diese vor kurzem noch versperrte Sicht wurde bereits wieder hergestellt.
Blick vom Park auf das im Privatbesitz befindliche Schloss. Diese vor kurzem noch versperrte Sicht wurde bereits wieder hergestellt. FOTO: LR / Rudow