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| 02:47 Uhr

Pappelplantage soll prächtig gedeihen

Fachsimpelei am Feldrand: Mit Interesse lassen sich Projektverantwortliche von Dr. Dirk Landgraf (r.), Geschäftsführer der Firma P&P, die die Stecklinge produziert und vor Ort in den Boden bringt, Wissenswertes zur Kurzumtriebsplantage vermitteln.
Fachsimpelei am Feldrand: Mit Interesse lassen sich Projektverantwortliche von Dr. Dirk Landgraf (r.), Geschäftsführer der Firma P&P, die die Stecklinge produziert und vor Ort in den Boden bringt, Wissenswertes zur Kurzumtriebsplantage vermitteln. FOTO: sk
Uebigau-Wahrenbrück. Auf zwei Feldern zwischen Winkel und Prestewitz wachsen seit Mittwoch 80 000 Pappeln. Zumindest sind die Stecklinge in den Boden gebracht worden. Die Kurzumtriebsplantage wird von der Agrar GmbH Prestewitz betrieben und entstand in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Uebigau-Wahrenbrück und dem Verein Biomasse Schraden. Sylvia Kunze / Fotos: sk Fotos: sk

Acht Hektar sind die beiden Flächen unweit der B 101 groß, auf denen die Pappelstecklinge der Sorten Max und Hybride wachsen sollen. Am Mittwoch sind sie in den Boden gekommen. Natürlich haben es sich die Projektverantwortlichen nicht nehmen lassen, den Arbeitern auf der modernenPflanzmaschine dabei über die Schultern zu schauen, immerhin wurde seit Monaten auf diesen Tag hingearbeitet.

Andreas Claus (parteilos), Bürgermeister in Uebigau-Wahrenbrück, erinnert sich noch gut an erste Gespräche mit Landwirten aus dem Stadtgebiet zu den Themen Biomasse und regionale Kreisläufe. Einen der Partner, die er dabei gewinnen konnte, ist die Agrar GmbH Prestewitz. Deren Geschäftsführerin Edda van Riesen sieht in der entstehenden Kurzumtriebsplantage ein neues Standbein für ihr Unternehmen. "Wenn die Idee funktioniert, dann wollen wir gern auch noch die Fläche erweitern", lässt sie am Feldrand wissen.

Funktionieren - das heißt, dass in drei bis vier Jahren das erste Mal geerntet werden kann. Etwa zwei Meter sollen die aus den Stecklingen wachsenden Triebe pro Jahr an Dendromasse zulegen, berichtet Dr. Lutz Böcker vom Verein Biomasse Schraden. Bei der Ernte werden die Triebe heruntergeschnitten und zu Hackschnitzeln verarbeitet. Die sind für Heizanlagen im Stadtgebiet bestimmt: für die in der Schule in Wahrenbrück und perspektivisch auch für die zum Wärmenetz Rothstein/Prestewitz gehörige, die noch gebaut werden muss. "Richtig effektiv würde es, wenn nach und nach weitere Flächen hinzukommen, sodass dann auch in jedem Jahr geerntet werden kann", macht Böcker vor Ort Mut, weiter in die Idee zu investieren.

Nachhaltigkeit ist dabei das große Schlagwort. "Lange Wege gibt es hier nicht. Man kann die Heizanlagen praktisch vom Feld aus sehen", freut sich Andreas Claus, dem es von Anfang an vorrangig darum ging, im Stadtgebiet neue Wege wie diesen zu beschreiten. Die Kurzumtriebsplantage ist aber dennoch nur als ein Teilerfolg zu werten. Ganz am Ziel der Wünsche sind die Projektverantwortlichen damit nämlich noch nicht. Denn immerhin haben sie sich zum Ziel gesetzt, die Pappelflächen mit geklärtem Abwasser aus der benachbarten Kläranlage Winkel zu versorgen. Dass der Ertrag sich damit steigern lässt, steht außer Frage. "Allerdings scheitern wir bislang an bürokratischen Schwellen, die ich nicht nachvollziehen kann", ärgert sich Claus. "Wenn wir Wasser aus dem Graben ziehen und bewässern, ist das in Ordnung. Aber dass wir das gereinigte Abwasser direkt von der Anlage auf die Felder bringen, ist bislang nicht möglich", zeigt er das bürokratische Spannungsfeld auf, das aktuell noch hemmt. Der Stadtchef will nicht klein beigeben: "Das Anlegen der Kurzumtriebsplantage war die Pflicht. Das Ziel, die gereinigten Abwässer auf die Felder aufbringen und nicht mehr sinnbildlich wegzuwerfen und dafür an das Land auch noch Geld zu bezahlen, das wird die Kür, an der wir weiter arbeiten wollen."

Zum Thema:
Im Projekt "Energieorte" (ab 2008) sind erste Ideen für die Kurzumtriebsplantage geboren worden. Konkreter wurden die Vorstellungen dann im Projekt "RePro", in dem die Stadt Uebigau-Wahrenbrück seit 2010 mitarbeitet und das im Sommer seinen Abschluss finden wird. Ein Folgeprojekt "Wachstum - Widerstand - Wohlstand" soll sich anschließen und den Prozess bis 2016 weiterbegleiten, informiert Bürgermeister Claus.