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Region
Nach Sanierung wieder in der Königinnenklasse mitspielen

Die Orgel in Ahlsdorf spielt wieder. Nach ihrer umfangreichen Sanierung ist sie am Sonntag wieder in den Dienst gestellt worden. Bei anderen Instrumenten in der Region ist man jedoch noch nicht so weit.
Die Orgel in Ahlsdorf spielt wieder. Nach ihrer umfangreichen Sanierung ist sie am Sonntag wieder in den Dienst gestellt worden. Bei anderen Instrumenten in der Region ist man jedoch noch nicht so weit. FOTO: Dieter Müller / Müller Dieter
Region. Immer mehr Orgeln werden „aufpoliert“. Die in Ahlsdorf ist gerade fertig und mit einem Festgottesdienst in Dienst gestellt worden. Andere in der Region sollen noch folgen. Von Sylvia Kunze

Mit dem Festkonzert am Sonntag, bei dem erstmals nach der umfangreichen Sanierung die Orgel in der Kirche in Ahlsdorf wieder erklungen ist, hat die Orgellandschaft der Region einen neuen Farbtupfer erhalten. Sowohl Gotteshaus als auch das Instrument präsentieren sich jetzt im ansprechenden barocken Stil.

„Das Spielen auf der Orgel hat mir richtig Spaß gemacht“, sagt Kantorin Solveig Lichtenstein danach. Weil: „Das Spielgefühl auf dem Instrument in Ahlsdorf ist wegen der mechanischen Traktur viel direkter. In Herzberg ist das ganz anders“, führt die Kantorin zu einem ganz wichtigen Detail dieser imposanten Instrumente: „Keins ist wie das Andere. Die Sanierung der Ahlsdorfer Orgel hat deshalb wesentlich zu Bereicherung der Orgellandschaft in unserer Region beigetragen.“

Zumal man gerade barocke Instrumente selten finde. Lediglich die bekannte Silbermannorgel in der Lebusaer Kirche sei noch eine Vertreterin dieser Zeit. An ausreichender Literatur werde es jedenfall nicht fehlen, versichert Solveig Lichtenstein, nachdem sie einen ersten musikalischen Einblick in die einzelnen Klangfarben der rundum sanierten Ahlsdorfer Orgel gegeben hat.

Pfarrer Philipp Schuppan würde sich freuen, wenn es in der Schliebener Kirche auch schon so weit wäre. Das dortige Instrument ist erst teilweise wieder hergestellt. Bauabschnitt sechs wird jetzt ganz resolut angegangen. „Wir hoffen, dass wir 2019 dann komplett fertig sind“, sagt Schuppan. Fertig, das heißt, dass alle 29 Register spielbar sind. Aktuell sind es erst einmal nur zwei. Aber immerhin ist die Orgel damit nutzbar.

Für den Endspurt ist noch einmal ein dicker Betrag hinzulegen. Zuschüsse seien den Schliebenern unter anderem vom Deutschen Bundestag, von der Landeskirche und vom Kirchenkreis zugesagt. Um Eigenmittel der Kirchgemeinde zu sparen, wird zu Benefizkonzerten eingeladen. Erst am Sonntag sind bei einem solchen wieder weitere Spenden gesammelt worden.

Doch Ahlsdorf und Schlieben sind nur kleine Fleckchen auf der großen regionalen Landkarte der zu sanierenden Orgeln. Zum Beispiel wartet im Schönewalder Bereich von Pfarrer Volkmar Homa auch das Instrument aus der Stolzenhainer Kirche auf reinigende und reparierende Hände. „Sie ist schon seit mehreren Jahren ausgebaut und in ihre Einzelteile zerlegt, nachdem sie Anfang der 90er-Jahre von einem Wasserschaden am Dach der Kirche betroffen war“, beschreibt der Pfarrer deren derzeitige Verfassung. „Aber das ist ja kein Zustand. Wir haben inzwischen Kostenangebote eingeholt und sind dort ebenfalls am Spendensammeln. Das kann dauern. In Schönewalde, wo wir auch erst kürzlich die sanierte Orgel wieder in den Dienst gestellt haben, haben wir 30 Jahre darauf hingearbeitet“, macht Homa deutlich, dass es mitunter eine lange Zeit und einen langen Atem braucht, bis man zum Erfolg kommt.

Auch im Schliebener Bereich gäbe es noch einiges in dieser Hinsicht zu tun. Die Kolochauer Orgel steht bereits im Blickpunkt. „In meinem Verantwortungsbereich befinden sich neun Kirchen. Alle Gemeinden haben ihre Wünsche und Ideen, aber man muss auch fragen: Macht eine Sanierung Sinn? Wie geht es danach weiter?“, sagt Schuppan. Leute, die die Orgeln spielen können, sind in der Gegend eher rar.

„Diese großen Instrumente dann dauerhaft zu pflegen und regelmäßig zu bespielen, ist für manche Kirchengemeinde eine echte Herausforderung“, weiß Kantorin Solveig Lichtenstein. „Ich gebe gern Unterricht“, lädt sie interessierte Kinder, Jugendliche und Erwachsene ein, die Königinnen der Instrumente in den Kirchen unserer Region erst gemeinsam mit ihrer Hilfe und später ganz allein zum Klingen zu bringen.