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| 18:40 Uhr

Stifterinitiative hilft Familien
31 000 Euro für „Ohana“ gespendet

 Die Theatergruppe der Elster Werkstätten zeigte auf der Charity-Veranstaltung wieder einmal, wozu behinderte Menschen fähig sind. Sie begeisterte mit Sport und Pantomime.
Die Theatergruppe der Elster Werkstätten zeigte auf der Charity-Veranstaltung wieder einmal, wozu behinderte Menschen fähig sind. Sie begeisterte mit Sport und Pantomime. FOTO: LR / Rudow
Herzberg. Mit dem Projekt will die Stiftungsinitiative Elbe-Elster Familien mit schwerstbehinderten Kindern Urlaub im ElsterPark ermöglichen. Von Birgit Rudow

Bis zum Jahr 2013 war das Leben der Familie Storch aus Wildgrube in bester Ordnung. Simone und Thomas Storch waren zufrieden, sie hatten zwei gesunde Kinder. Philipp war 17, seine kleine Schwester Délia besuchte die Grundschule. Doch dann erkrankte Délia an einer schweren Hirnhautentzündung. Sie kämpfte um ihr Leben und schaffte es. Doch in der Familie Storch war nichts mehr, wie es vorher war. Seit ihrer Krankheit ist Délia schwerstbehindert und pflegebedürftig. Ihre geistige Entwicklung ist auf dem Stand einer Vierjährigen. Ständig hat die heute 16-Jährige mit epileptischen Anfällen zu kämpfen. Die Anfälle können jederzeit auftreten. Und dennoch meint ihre Mutti, dass es die Familie noch schlimmer hätte treffen können.

Tag und Nacht für Délia da sein

Simone Storch musste ihre Arbeit aufgeben, um ständig für Délia da zu sein. Tag und Nacht, seit sieben Jahren. Das Mädchen besucht die Förderschule für geistig behinderte Kinder in Elsterwerda. Den Rest des Tages kümmert sich Simone Storch um ihre Tochter. Ehemann Thomas arbeitet auf Montage und kann seine Frau nur an den Wochenenden unterstützen.

Hadert Simone Storch mit ihrem Leben? Nein. Aber manchmal denke sie zurück. „Ich hatte doch ein gesundes Mädchen“, sagt sie. „Wir waren gerade soweit, dass wir uns die Freiheit nehmen konnten, auch mal ohne Kinder weg zu gehen.“

Das geht heute mit Délia nicht mehr. Die Familie nimmt das Mädchen aber überall mit hin. In der Hoffnung, dass es gutgeht, dass Délia keinen Anfall bekommt. Unterstützung erhält die Familie vom Familienentlastenden Dienst. Ansonsten sind Simone und Thomas Storch oft auf sich allein gestellt. Doch auch mit viel Liebe ist die Betreuung eines schwerstbehinderten Kindes sehr anstrengend. „Wenn wir eine Woche mit Délia im Urlaub waren, bräuchten wir eigentlich zwei Wochen Urlaub für uns“, gesteht Simone Storch offen.

Beim Urlaub im ElsterPark Kraft schöpfen

Sie erzählte die Geschichte über das Schicksal ihrer Familie nicht irgendwo, sondern am Mittwochabend auf der Charity-Veranstaltung der Stifterinitiative Elbe-Elster, die aus der Sparkassenstiftung Zukunft Elbe-Elsterland und Stiftung ElsterWerk besteht. Am Mittwoch wurde das Projekt „Ohana“ offiziell ins Leben gerufen. Mit ihm will die Stifterinitiative hilfebedürftigen Familien kostenlos eine einwöchige Auszeit im ElsterPark in Herzberg ermöglichen, damit sie neue Kräfte schöpfen und Erholung vom Alltag finden können. Der ElsterPark der Stiftung ElsterWerk bietet mit dem komplett behindertengerecht eingerichteten TraumHaus, der gastronomischen Einrichtung BlauHaus und seinen vielen Freizeitmöglichkeiten auch für behinderte Menschen dafür beste Voraussetzungen.

In der Region Elbe-Elster leben 40 bis 50 Familien mit schwerstbehinderten Kindern, so der Vorstand der Stiftung ElsterWerk Dr. Frank Hamann. Sie müssten auf vieles verzichten und könnten sich Urlaubsreisen oft nicht leisten. Ihnen wolle man diese kleine Auszeit schenken. „Ohana“, so Hamann, bedeute soviel wie Familie. Der Name für das Projekt sei bewusst gewählt, denn er stehe für Zusammenhalt und Unterstützung. Er sei froh, dass die Sparkassenstiftung Elbe-Elsterland sich dem Projekt angeschlossen habe, sagte Frank Hamann. Thomas Hettwer von der Stiftung lobte das Projekt als Zeichen dafür, „wie wir mit den Schwächsten unserer Gesellschaft umgehen“. Die Schirmherrschaft über „Ohama“ hat der Landrat des Elbe-Elster-Kreises Christian Heinrich.-Jaschinski übernommen.

Unterstützer zeigten sich spendabel

Es bedarf aber noch vieler weiterer Partner, um es mit Leben zu erfüllen. Deshalb waren am Mittwoch zahlreiche Vertreter von Unternehmen und Einrichtungen zum offiziellen Start eingeladen. Bei einer Spendenaktion kamen so 31 000 Euro für das Projekt zusammen. Und sicher haben auch die Gruppe „Jambore“ und die Theatergruppe der Elster-Werkstätten die Gäste zur Großzügigkeit animiert. Die jungen behinderten Künstler haben mit Musik, Sport-Theater und Pantomime ebenso für beste Unterhaltung gesorgt wie der taubstumme Zauberer Eberhard Deininger.

„Es gibt keine Norm für das Menschsein“, sagte Elbe-Elster-Sozialdezernent Roland Neumann am Mittwoch. „Behinderte Menschen haben ein Recht auf Teilhabe, wie jeder andere auch. Das sind wir ihren Familien schuldig.“

 Simone Storch berichtet den Gästen der Veranstaltung in großer Offenheit von ihrer Familie.
Simone Storch berichtet den Gästen der Veranstaltung in großer Offenheit von ihrer Familie. FOTO: LR / Rudow
 31 000 Euro Spendengelder sind am Mittwoch für das Projekt „Ohana“ zusammengekommen.
31 000 Euro Spendengelder sind am Mittwoch für das Projekt „Ohana“ zusammengekommen. FOTO: LR / ElsterWerkstätten/Pfennig