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Nur drei verkaufsoffene Sonntage

Viele nutzen den Urlaub in anderen Ländern auch zum Shoppen. Doch nicht überall passen die Klamotten so wie zu Hause.
Viele nutzen den Urlaub in anderen Ländern auch zum Shoppen. Doch nicht überall passen die Klamotten so wie zu Hause. FOTO: Diagentur/dpa
Herzberg. Die Herzberger Innenstadtgeschäfte öffnen in diesem Jahr nur an drei Sonntagen. So hat es der Gewerbeverein vorgeschlagen, und so haben es die Stadtverordneten beschlossen. Möglich wären sechs, was dem Rathaus lieber wäre. Aber die Geschäftsleute beklagen zu wenig Kunden. Birgit Rudow

2008 gab es in der Herzberger Innenstadt noch sechs verkaufsoffene Sonntage. 2011 waren es vier Sonntage. 2012 wieder sechs wegen der Powerlift-EM. Im vergangenen Jahr hatten die Geschäfte nur an drei Sonntagen geöffnet, und so wird es auch 2014 sein. Mehr hat der Gewerbeverein nicht beantragt.

Im Herzberger Rathaus ist man darüber nicht sehr glücklich. "Das ist bedenklich. Die Situation für den Einzelhandel in der Innenstadt ist schwierig und angespannt", sagte Bürgermeister Michael Oecknigk (CDU) im jüngsten Hauptausschuss. Discounter würden auch innenstadtrelevante Produkte anbieten. Damit habe sich die Einzelhandelsnetzkonzeption der Stadt überlebt, sagt er. Mit seiner Forderung, alles zu unternehmen, damit der Einzelhandel nicht stirbt, erntete er auch die Zustimmung von Sandra Nauck aus der SPD-Fraktion.

2014 öffnen die Geschäfte sonntags zur Automeile, zur Glühweinmeile und zum Weihnachtsmarkt. "Wir können die Händler nicht zwingen, an anderen Sonntagen auch noch zu öffnen. Die Erfahrung zeigt, dass die Leute eigentlich nur zur Glühweinmeile und zur Automeile einkaufen. Selbst zum Weihnachtsmarkt halten sie sich zurück", so der Chef des Gewerbevereins, Frank Zinnow. Auch er sieht die Situation für den Einzelhandel kritisch, will die Schuld aber nicht den Geschäftsleuten geben. "Herzberg ist klein und bietet zu wenig Kunden, um den Einzelhandel zu tragen", sagt er. Als Pluspunkt verbucht Zinnow die Gutscheinaktion. "Die haben wir ins Leben gerufen, um Geld in der Stadt zu halten. Etwa 23 000 Euro haben wir mit damit schon umgesetzt", sagt er.

Die Einzelhändler gehen mit der Situation unterschiedlich um. "Es ist sehr schwierig", sagt Roswitha Weber, Inhaberin eines kleinen Schreibwarengeschäftes in der Kirchstraße. Früher hatte sie an verkaufsoffenen Sonntagen geöffnet. "Das mache ich jetzt nicht mehr. Es bringt nichts", meint sie. Die Einzelhändlerin ist froh, dass sie bald in den Ruhestand gehen kann. "Die Arbeit macht zwar Spaß. Aber leben kann man davon in so einer kleinen Stadt nicht." Ute Kettner, Raumausstatterin in der Torgauer Straße, hingegen kritisiert die noch immer nicht einheitlichen Öffnungszeiten der Innenstadt-Geschäfte. Sie gibt aber zu, dass es für Inhaber, die allein im Laden stehen, schwierig sei, die ganze Woche durchgehend zu öffnen. Ute Kettner ist zu jedem verkaufsoffenen Sonntag dabei. "Das gehört sich so", sagt sie.