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| 20:00 Uhr

Bürgerfrust
Neunaundorfer gegen geplante Umleitung

 Die Neunaundorfer sind sich einig: Eine Umleitung durch ihr Dorf wäre fatal. Mit einer Unterschriftensammlung bringen sie ihren Ärger und ihre Ängste zum Ausdruck. Sie fordern, dass eine andere Lösung gefunden wird.
Die Neunaundorfer sind sich einig: Eine Umleitung durch ihr Dorf wäre fatal. Mit einer Unterschriftensammlung bringen sie ihren Ärger und ihre Ängste zum Ausdruck. Sie fordern, dass eine andere Lösung gefunden wird. FOTO: LR / Sylvia Kunze
Herzberg. Eine erfolgte Unterschriftensammlung soll dem Bürgermeister und allen anderen Stadtverantwortlichen verdeutlichen, wie massiv der Widerstand gegen die aktuellen Pläne ist. Von Sylvia Kunze

Seit einigen Wochen sind die Naundorfer bereits im Gespräch mit dem Herzberger Bürgermeister und anderen Verwaltungsmitarbeitern im Rathaus. Die angekündigte Umleitung, die während der Bauarbeiten im nächsten Jahr auf der Bundesstraße 101 auf einem Abschnitt der Dresdener Straße ausgewiesen werden soll, bereitet ihnen nämlich arge Sorgen. Sie soll, so die Pläne der Bauverantwortlichen, durch ihren Stadtteil führen.

Aus Sicht der Neunaundorfer geht das gar nicht, denn „wir wollen nicht, dass der Charakter und der Charme unseres Dorfes nachhaltig geändert wird“, bringen sie in einem Termin vor Ort mehrheitlich zum Ausdruck. Und weiter heißt es, dass sie insbesondere den „Sackgassencharakter“ ihres Ortes schätzen. Dieser zeichne sich dadurch aus, dass Neunaundorf kein Durchfahrtsort ist.  Es gebe zwar auch eine Anbindung des Ortsteils an die Bundesstraße  87, aber diese sei und solle auch zukünftig ausschließlich für den landwirtschaftlichen Verkehr bestimmt sein. „Alles darüber hinaus würde unsere schützenswerte Situation für immer verändern. Daher sind wir nicht gewillt, eine Umleitungsstrecke durch unseren beschaulichen und ruhigen Ort zuzulassen und fordern eine andere Lösung“, formuliert Marcel Richter im Namen der Neunaundorfer. Ihre Vorzugsvariante: Die Umleitung der Lkw über Langennaundorf — Schlieben und die der Pkw über Malitschkendorf. Zumal diese ohnehin schon im Gespräch sei, wenn der Bereich der B 101 (Dresdener Straße) in Richtung Osterodaer Straße erneuert werde.

Bei einer Unterschriftensammlung im Ort, bei der alle über 18-Jährigen, in Neunaundorf gemeldeten Mitbürger angesprochen wurden, füllten sich die Listen mit 76 Namen. 79 wären möglich gewesen. Die Unterschriften sind noch kurz vor dem Fest dem Herzberger Bürgermeister Karsten Eule-Prütz übergeben worden. Er ist aufgefordert zu handeln und hat versprochen, mit den Neunaundorfern das Gespräch zu suchen, „wenn wir noch genauere Details kennen“.

Knackpunkt: Nicht die Stadt ist der Bauherr der angekündigten Maßnahme in der Dresdener Straße, sondern der Landesbetrieb Straßen. Der soll auch mit eingeladen werden, wenn Eule-Prütz nach Neunaundorf kommt und über alle offenen Fragen mit den Einwohnern sprechen will.

Das sind nicht wenige. Die Neunaundorfer wollen beispielsweise wissen, welche anderen Umleitungsstrecken noch geprüft wurden und warum die nicht in Frage kommen. Sie fragen, wie es in dem Fall, in dem der Umleitungsverkehr durch den Ort rollt, insbesondere um den Schutz der vier Häuser und Grundstücksbebauungen bestellt ist, die keine zwei Meter von der Fahrbahn entfernt sind und wo es schon ohne Umleitungsverkehr zu Beschädigungen gekommen ist. Sie warten auf eine Antwort, was dann aus der Bushaltestelle am Anfang der Straße wird, an der die Busse schon jetzt, mit relativ wenig Verkehr „zirkeln“ müssen und zu der kein Gehweg hinführt, die aber von fast 20 Schulkindern frequentiert wird. Sie fragen sich, wie sehr die Lindenstraße, auf der sich bislang keine zwei großen Fahrzeuge begegnen können und deren Pflaster lediglich mit einer Bitumenschicht überzogen ist, in Mitleidenschaft gezogen wird. Sie fürchten um den Dorfteich, dessen gemauerten Wände bereits so marode sind, dass sie schwerem Verkehr womöglich nicht standhalten. Sie wollen wissen, was nach dem Ende der Bauarbeiten mit der Pflaumenallee wird, die zur B 87 führt und die für die Umleitungsphase ausgebaut werden muss.

Bürgermeister Karsten Eule-Prütz hat signalisiert, dass es im Februar dazu einen Gesprächstermin vor Ort in Neunaundorf geben soll, bei dem auch Vertreter des Straßenverkehrsamtes des Landkreises und des Bauträgers mit dabei sind und Rede und Antwort stehen. Momentan ist dafür der 21. Februar um 17 Uhr im Gespräch.