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| 17:12 Uhr

Einblick in den Schulalltag
Neues Schnuppermittel Samstagsakademie

 Zu den Samstagsakademien konnten die vornehmlich Sechstklässler in jedem Fach einen Miniunterricht von 20 Minuten erleben. Zum Abschluss gab es von Schulleiterin Barbara Pietzonka (r.) eine Teilnehmerurkunde.
Zu den Samstagsakademien konnten die vornehmlich Sechstklässler in jedem Fach einen Miniunterricht von 20 Minuten erleben. Zum Abschluss gab es von Schulleiterin Barbara Pietzonka (r.) eine Teilnehmerurkunde. FOTO: Dieter Müller
Herzberg. Das Herzberger Gymnasium hat Sechstklässlern zu drei Terminen die Möglichkeit gegeben, die Schule und den Unterricht kennenzulernen. Von Birgit Rudow

Am 6. Januar war es genau zwei Jahre her, dass das Herzberger Philipp-Melanchthon-Gymnasium aus den beiden „alten“ Gebäuden in der Innenstadt in das ehemalige Oberstufenzentrum in der Anhalter Straße umgezogen ist. Auch wenn vor allem langjährige Lehrkräfte ihre besondere Liebe zu den alten Schulgebäuden wohl nie ablegen werden, haben sich Schüler wie Lehrer längst mit dem hellen, modernen Domizil knapp einen Kilometer Luftlinie weiter angefreundet.

365 Schülerinnen und Schüler der 7. bis 12. Klasse besuchen aktuell das Gymnasium. 20 mehr als im Schuljahr zuvor. Während in anderen Gymnasien im Landkreis die erwartete Anzahl an Siebentklässlern für das laufende Schuljahr nicht erreicht wurde, konnte sie in Herzberg mit 72 sogar leicht überschritten werden. „Zum ersten Mal seit vielen Jahren haben wir in der Stufe 7 wieder drei Klassen“, sagt Schulleiterin Barbara Pietzonka. Pro Klasse sind das theoretisch 24 Schüler. „Eine ideale Zahl für den Unterricht. Die Kollegen haben viel mehr Möglichkeiten, individuell mit den Schülern zu arbeiten. Und die geringe Schülerzahl bietet uns auch problemlos Platz, wenn noch Kinder dazu kommen, zum Beispiel Zuzügler. Wir brauchen niemanden abzuweisen“, so die Schulleiterin.

Auch die Klassenstufen 11 und 12 sind aktuell drei-, alle anderen zweizügig. Das Herzberger Gymnasium hat derzeit auch noch einen geringfügigen Lehrerüberhang. Auf Seiteneinsteiger brauchte es noch nicht zurückgreifen. Lediglich zwei „externe“ Kräfte helfen aus. Das hat aber fachspezifische Gründe. Durch den Überhang ist es möglich, Klassen in bestimmten Fächern wie Biologie, Chemie, Mathe oder Deutsch (vor allem für Schüler mit Migrationshintergrund) zu teilen. „Das geht natürlich nicht durchweg. Wir schauen, wo es sich anbietet und vorteilhaft ist“, sagt Barbara Pietzonka.

Für die Grundschüler der 6. Klasse fällt demnächst die Entscheidung, wo sie künftig weiter zur Schule gehen werden, in einer Oberschule oder auf einem Gymnasium. Um den Sechst- und auch schon den Fünftklässlern einen Einblick in den Schulalltag am Gymnasium zu geben, ließen sich die Herzberger in diesem Schuljahr etwas Besonderes einfallen. Sie haben drei Samstagsakademien organisiert. Die letzte für dieses Schuljahr fand am vergangenen Sonnabend statt. „Die Samstagsakademien sollen unseren Tag der offenen Tür, der in diesem Jahr am 26. Januar ansteht, nicht ersetzen. Aber für den Schnuppertag, den wir für die Sechstklässler immer angeboten haben, wollten wir eine bessere Lösung finden“, so die Schulleiterin. Den Schnuppertag für alle Interessenten zu organisieren, sei immer sehr schwierig gewesen, sagt sie. Die Klassen waren übervoll und die Kinder konnten sich im Spektrum der Fächer kaum orientieren. So entstand die Idee von drei Samstagsakademien im ersten Halbjahr.

Schon frühzeitig wurden alle Grundschulen im Altkreis Herzberg über die Termine und Inhalte informiert. Zu jedem Akademiesamstag standen fünf Fächer im Vordergrund. Am 29. September waren es Englisch, Französisch, Latein, Geschichte und Informatik; am 10. November Biologie, Chemie, Mathematik, Musik und Psychologie und am vergangenen Samstag Geografie, Russisch, Physik, Kunst und Sport. Erste Zweifel, ob diese Form von den Schülern auch angenommen würde, waren schnell zerstreut. Beim ersten Termin kamen 50 und zum zweiten 70. Auch an diesem Samstag waren es 63, und das, obwohl zur gleichen Zeit auch die Grund- und Oberschule „Johannes Clajus“ ihren Tag der offenen Tür durchgeführt hat.

Zu den Samstagsakademien konnten die vornehmlich Sechstklässler in jedem Fach einen Miniunterricht von 20 Minuten erleben, und bekamen so einen Einblick in den Unterricht am Gymnasium. Für jedes Fach war ein Fachlehrer vor Ort. Schüler der 7. Klasse führten die Teilnehmer durch das Haus. Schüler der 11. und 12. Klassen versorgten die Eltern mit Kaffee und Kuchen. Die Eltern konnten auch das persönliche Gespräch mit Vertretern der Schulleitung suchen. Am Ende des Vormittags bekamen die Kinder eine Teilnehmerurkunde. „Auf unsere Samstagsakademien gab es bisher nur positive Reaktionen“, freut sich Barbara Pietzonka.

Die gibt es auch auf das Ganztagsangebot des Gymnasiums. Seit diesem Schuljahr ist das Philipp-Melanchthon-Gymnasium eine Schule mit offenem Ganztagsangebot. Sie bietet das individuelle Lernen und viele Arbeitsgemeinschaften an. Dazu zählen Intensivkurse zum Beispiel in Englisch und Mathe. „Vor allem für die Schüler der 7. Klasse, für die der Wechsel ans Gymnasium eh schon eine große Herausforderung ist, sind diese Kurse hilfreich“, sagt die Schulleiterin. Unterrichtet werden die Teilnehmer von älteren Schülern, die von den Fachlehrern angeleitet werden. Außerdem gibt es in der Sekundarstufe 1 noch das Projekt „Schüler helfen Schülern“. Die Arbeitsgemeinschaften sind vor allem im Bereich Sport, Kunst und Kultur angesiedelt.

Das alles will gut organisiert sein, denn Zeit ist nur bis kurz nach 15 Uhr, bis die letzten Busse fahren. 68 Prozent der Mädchen und Jungen des Gymnasiums sind Busschüler. Und so verwundert es auch nicht, dass Schüler wie Lehrer den Baustart für den neuen Busbahnhof direkt vor der Schule herbeisehnen. Derzeit stehen die Schüler im wahrsten Sinne des Wortes im Regen und die Busse morgens und nachmittags Schlange an den wenigen Haltestellen.

Auch auf den Baubeginn der Aula hofft man im Herzberger Gymnasium. Eigentlich sollte der Bau längst begonnen haben. 1,6 Millionen Euro sind dafür im Haushaltsentwurf des Kreises für 2019 und 2020 vorgesehen. „Wir nehmen jede Baustelle gern in Kauf“, kündigt Barbara Pietzonka schon mal an.