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Netzwerke für Unternehmerinnen

Bärbel Ehle-Hentzschel, Kathleen Fröschke, Christina Kloppe und Doreen Wäßnigk (v.r.) beim Unternehmerinnentreff der IHK am Dienstag in Herzberg.
Bärbel Ehle-Hentzschel, Kathleen Fröschke, Christina Kloppe und Doreen Wäßnigk (v.r.) beim Unternehmerinnentreff der IHK am Dienstag in Herzberg. FOTO: Rudow
Herzberg. Unternehmerinnentreffpunkt – das ist eine neue Veranstaltung bei der IHK in Herzberg. Die Premiere in dieser Woche war durchaus gelungen. So sagen es Teilnehmerinnen und Organisatoren gleichermaßen. "Selbstmanagement" war das Thema, zu dem Kommunikationstrainerin Astrid Arndt wichtige Tipps gab. Birgit Rudow

Eigentlich war der zweistündige Unternehmerinnentreff bei der IHK in Herzberg schon lange zu Ende. Doch viele der etwa 20 anwesenden Frauen nutzten die Gelegenheit zu Gesprächen. Zu bereden hatten sie jede Menge. "Wir haben Unternehmerinnen und Ehefrauen, die in den Betrieben ihrer Männer mitarbeiten, eingeladen. Gut 20 sind gekommen. Der Bedarf an solchen Gesprächsrunden ist bei den Frauen also auf jeden Fall da", freute sich die Geschäftsstellenleiterin der IHK in Elbe-Elster, Doreen Wäßnigk.

Eingeladen hatte sie als Referentin Astrid Arndt, eine Kommunikationstrainerin aus Cottbus. Die Organisatoren entschieden sich für das Thema "Selbstmanagement" und lagen damit genau richtig. "Frauen in Führungspositionen wollen Familie und Beruf unter einen Hut bekommen, wollen perfekte Arbeit abliefern und womöglich noch ein Ehrenamt bekleiden. Da muss man schon gut organisiert sein, damit auch ein paar Minuten für die Frauen persönlich abfallen. Ihnen dabei zu helfen war ein Grund für unseren Unternehmerinnentreffpunkt", sagt Doreen Wäßnigk.

Frauen kennen sich kaum

Dass zu der Veranstaltung auch "mitarbeitende Ehefrauen" hinzugezogen wurden, liegt an der Besonderheit dieser Gruppe. Sie arbeitet im Hintergrund, zieht dort wichtige Fäden und hält dem Chef, meist dem eigenen Mann, in vielen Dingen den Rücken frei, so Doreen Wäßnigk.

Bärbel Ehle-Hentzschel arbeitet als Assistentin der Geschäftsführung in der Märkischen Kies- und Kalksandsteinwerke GmbH Hennersdorf. Das Unternehmen mit 22 Mitarbeitern leitet ihr Mann. Die Einladung zu der Veranstaltung in Herzberg hat sie gern angenommen. "Frauen sind es in unserer Region nicht gewohnt, in Netzwerken zu arbeiten, wie sie die Männer haben. Hier kann ich mich mit anderen Frauen austauschen, die in einer ähnlichen Situation sind. Außerdem hat mir das Thema der Veranstaltung gefallen", benennt sie die Gründe, warum sie gekommen ist.

Bärbel Ehle-Hentzschel unterhält sich lange mit Kathleen Fröschke, seit 2005 Geschäftsführerin der FILA GmbH Finsterwalde, ein Transport- und Landhandelsunternehmen mit 15 Leuten. Beide kennen sich seit 15 Jahren, haben sich aber sieben Jahre lang nicht gesehen. "Es ist sehr schwierig als Frau in dieser Position Kontakte zu pflegen oder neue zu knüpfen. Die Unternehmerinnen kennen sich ja kaum", sagt Kathleen Fröschke. Die 36-Jährige hat den Eindruck, dass Zusammenarbeit und Kommunikation zumeist von Männern initiiert werden, sagt sie. Deshalb habe sie auch die Veranstaltung der IHK besucht, um mal mit andere Frauen reden zu können. Außerdem hat ihr das Motto des Vormittags gefallen. "Das hat mir wirklich was für den Arbeitsalltag gegeben", sagt sie.

Eigene Erfahrung

Christina Kloppe aus Doberlug-Kirchhain bestätigt das. Sie fährt sogar doppelgleisig. Mit ihrer kleinen Firma "Activgenetik" ist sie seit 2005 selbstständig. Außerdem arbeitet sie im Unternehmen ihres Mannes, der Kloppe Naturstein GmbH Doberlug, mit. "Die Informationen und Anregungen bei dem Unternehmerinnentreff haben mir neue Impulse für ein gezieltes Zeitmanagement gegeben, in dem unbedingt auch Zeit für Erholung sein muss", sagt sie. Christina Kloppe weiß, dass viele der Frauen die gleichen Probleme haben. "Deshalb finde ich es toll, wenn sich Frauen in Netzwerken weiter entwickeln können. Das tut jedem gut", sagt sie.

Die Botschaft

Kommunikationstrainerin Astrid Arndt war begeistert von dem Vormittag in Herzberg. "Die Frauen waren neugierig, charmant, sehr ehrlich und haben das Lachen nicht verlernt", sagt sie. Astrid Arndt spricht in ihren Veranstaltungen viel aus eigener Erfahrung. Auch sie ist Unternehmerin. "Frauen haben eine andere Vorgehensweise als Männer, Firmen zu leiten. Sie sind sehr ehrgeizig, nehmen sich aber zugunsten ihrer Mitarbeiter zurück. Sie wollen ein Unternehmen wie eine Familie führen, vergessen dabei aber oft sich selbst", sagt Astrid Arndt. Und so lautet die Botschaft der Veranstaltung, sich so zu organisieren, dass Zeit bleibt, auch gut zu sich selbst zu sein, meint die Trainerin.

Doreen Wäßnigk von der IHK möchte die Unternehmerinnentreffs auf jeden Fall fortführen. Die Teilnehmerinnen der Premiere bestärken sie in diesem Ansinnen. "Vielleicht kann ja mal ein richtiger Unternehmerinnenstammtisch draus werden", sagt Kathleen Fröschke.