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| 02:48 Uhr

Naturschützer fürchten mehr Eisen in Gewässern

Wie eine Fahne zieht sich die Eisenocker-Verfärbung aus der Ragower Kahnfahrt in die Spree.
Wie eine Fahne zieht sich die Eisenocker-Verfärbung aus der Ragower Kahnfahrt in die Spree. FOTO: Jan Gloßmann
Schlepzig. Die Eisenbelastung der Gewässer wird auch vor dem Unterspreewald nicht Halt machen. Das befürchtet die Hydrologin Isabell Hiekel vom Aktionsbündnis "Klare Spree". Auf dem kürzlich stattgefundenen Quappentag in Schlepzig erklärte die Naturschützerin, die Probleme könnten sich trotz aller Gegenmaßnahmen noch verschärfen – insbesondere durch die weitere Sanierung der Talsperre Spremberg. Jan Gloßmann

Es ist wohl diese latente Sorglosigkeit, die Isabell Hiekel auf die Palme bringt. Erst vor ein paar Tagen habe sie mit einem Naturschützer gesprochen, und der habe ihr erklärt, das mit der Verockerung, nun ja, das treffe ja den Unterspreewald nicht. Isabell Hiekel aber warnt lieber einmal mehr und überall, wo sie hinkommt, vor den möglichen Gefahren. Schon einmal, vor anderthalb Jahren, hat sich gezeigt, wie wichtig und nötig das gerade mit Blick auf die drohenden Eisenfrachten war - und ist.

Grund für die neuerlichen Sorgen und Befürchtungen ist die noch ausstehende Sanierung der Talsperre Spremberg. Voraussichtlich im August werde dort weiter gearbeitet; das Speicherbecken habe dann Niedrigwasser. Das bedeute eine höhere Eisenkonzentration im Wasser und damit die Gefahr, dass mehr Eisenoxid in Richtung Spreewald getragen werde. Dass die Arbeiten an der Sperre im August beginnen, "mildert zumindest die möglichen Schäden". Am Sonnabend war es laut Isabell Hiekel auf den Tag genau ein Jahr her, dass der damalige Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) die Verockerung zur Chefsache machte. Das sei vor allem ein Erfolg des Aktionsbündnisses gewesen, das Druck wegen der Umweltprobleme durch Alttagebaue vornehmlich in Sachsen aufgebaut hatte. Der mittlerweile aus dem Bündnis hervorgegangene Verein gleichen Namens steht allerdings vor einer Zerreißprobe. Isabell Hiekel, die bislang im Vorstand saß, aber nicht mehr kandidiert, wollte sich zu Details der vereinsinternen Querelen nicht äußern. Wichtig sei vor allem, dass die inhaltliche Arbeit weitergeführt wird. Denn nach den im Frühjahr 2013 eingeleiteten Sofortmaßnahmen gegen die Verockerung sei die Situation zwar "besser geworden, aber es ist noch lange nicht gut". Die Ockerfracht könne sich unter anderem wegen der Sanierungsarbeiten "in diesem Jahr auch im inneren Spreewald bemerkbar machen". Auch der Unterspreewald sei davor nicht gefeit. Sie gehe sogar davon aus, dass die Eisenfracht erst im Neuendorfer See "zum Liegen kommt".

Ihrer Ansicht nach sind durch Schlamm und Eisenfracht zudem "insgesamt 70 Kilometer Spreewald-Zuflüsse ökologisch tot. So muss man es sagen." Über die Wudritz und die Ragower Kahnfahrt werde weiter Eisenschlamm direkt in die Spree transportiert, eine entsprechende Fahne ist an der Einmündung an der Radtrasse zwischen Lübbenau und Lübben gut zu sehen. Hier stehe ein Großteil der Wirkung der Sofortmaßnahmen noch aus. Vehement wandte sich Isabell Hiekel gegen Ideen, den Gräbendorfer und den Stoßdorfer See als natürliche Absetzbecken zu nutzen. "Wir fordern eine Behandlung an den Quellen." Eine ist der Schlabendorfer See, aus dem Wasser in den Lichtenauer See geleitet wird und auf dem seit einiger Zeit ein Bekalkungsschiff unterwegs ist, um das Wasser zu neutralisieren. Eine weitere Quelle liege im Briesener Luch und nahe Tornitz. Für eine Behandlung der Eisenfracht und des Grundwassers müsse es dort Lösungen geben. Dafür sei die Planung jetzt notwendig, "damit das bis 2017 wirksam werden kann". Gewässer mit einer gewissen Güte wie die beiden Seen dürften "nicht wieder versauern". Hiekel erneuerte in ihrem Vortrag die Forderung, den Südumfluter zügig zu beräumen. Dort sammele sich mehr und mehr Eisenschlamm aus den Zuflüssen wie dem Greifenhainer Fließ (das in diesem Jahr entschlammt werden soll), dem Vetschauer Mühlenfließ, dem Göritzer Mühlenfließ sowie in geringerem Maß aus der Schrake/Dobra. "Wenn das Eisen erstmal in Lübbenau ist, dann bekommt man das nicht so schnell wieder raus."