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Natürlicher Grabschmuck liegt besonders im Trend

Marion Dähne, Verkäuferin in der Schönborner Gärtnerei Winde, berät ein Ehepaar zur passenden Grabgestaltung. Hier wird besonders auf Naturmaterial gesetzt.
Marion Dähne, Verkäuferin in der Schönborner Gärtnerei Winde, berät ein Ehepaar zur passenden Grabgestaltung. Hier wird besonders auf Naturmaterial gesetzt. FOTO: Mona Claus/mcl1
Schönborn/Elsterwerda/Rehfeld. In Gedenken an liebe Verstorbene wird traditionell zum Totensonntag, auch als Ewigkeitssonntag bekannt, die letzte Ruhestätte geschmückt. In diesem Jahr fällt er auf den 20. November. Die katholische Kirche gedenkt ihrer Verstorbenen bereits zu Allerseelen am 2. November. Doch wie sieht der Grabschmuck aktuell aus? Die RUNDSCHAU hat sich umgesehen und umgehört. Mona Claus / mcl1

Wer Gräber pflegt, deckt diese traditionell mit Tannengrün ab. Hinzu kommt ein liebevoller Gruß. Ähnlich handhabt man das auch bei Urnengräbern. Doch der Bestattungstrend befindet sich im Wandel. Die Trauer sucht sich neue Wege - ob auf einer Wiese, unter einem Baum oder im Wasser. Die letzte Ruhestätte bietet ebenso viele Möglichkeiten, wie sie Gärtnermeister Rüdiger Winde in Schönborn mit seinem Grabschmuck anbietet.

Gut 80 Muster hat Rüdiger Winde in Vorbereitung seiner zehnten Grabschmuckausstellung am vergangenen Wochenende gestaltet - nicht traditionell, eher modern, mal etwas anders. Besucher und Kunden kamen reichlich zum Schauen und Kaufen.

Verschiedene Stücke verdienen die Bezeichnung exclusiv. Sie stechen wegen ihrer Form ins Auge. "Das macht was her", hört man Kunden sagen. Ebenso meinen sie: "Das ist mal was anderes." Dabei lässt der Gärtner den Kunden selbst genug Raum, sich ebenfalls einzubringen: "Kein Problem", erklärt der Gärtner zwei Frauen, die statt der in Naturmaterial gestalteten Rosen lieber echte Rosen und eine andere Unterlage wünschen. Der Kunde ist König und dafür muss sich Rüdiger Winde nicht einmal verbiegen. Viele der Besucher kennt der Gärtner von seinen Wochenmarkt-Touren und speziellen Veranstaltungen in der eigenen Gärtnerei. Daneben bereichert der Schönborner so manches regionale Fest mit seinen Angeboten.

Auf Holzscheiben, auf Weidengeflecht oder gekalkten Ästen hat das Winde-Team Moos, Tannengrün, Zapfen, zarte Blüten in Holzstruktur, Filz und Sisalbänder verarbeitet. Daneben sind es Wildlilien, Exoten und Wildfrüchte in Naturfarben, Reisig, gebleichte Luftwurzeln, Hetschzweige und Kokosnussschalen, die jedes Stück einmalig machen. "Der Trend geht eindeutig in Richtung Naturmaterialien. Plastik möchten kaum noch Kunden auf dem Grab ihrer Angehörigen wissen", sagt Rüdiger Winde.

Wichtig sei auch, wie die Einfassung des Grabes oder der Urnenstelle aussieht. "Die Gestecke werden oft genau passend dazu ausgewählt, sodass auch die Formen inzwischen nicht mehr nur rund oder rechteckig sind", weiß der Gärtnermeister aus Erfahrung.

Die Kunden schlendern durch das Angebot, überlegen, welches Grab welchen Schmuck erhält. Im Bestellbuch werden die Nummer des Gestecks, die Besonderheiten der Kunden und der Abholtermin notiert. Die Ausstellung ist noch immer zu besichtigen.

Einen Wandel bemerkt ebenso Sylvia Stiller von der gleichnamigen Gärtnerei in Elsterwerda. Den Kunden sei nach liebevollen Sachen zum Totensonntag, weiß sie. Und sie würden dafür zunehmend sehr gern tiefer in die Geldbörse greifen. "Früher waren es Kissen, Kränze und Schalen, die gewünscht waren", sagt Sylvia Stiller.

Hochwertigkeit sei Trend und das in Gesteckhaltern. Dazu kombiniert würden Blaufichte, verschiedene Koniferen, Lebensbaum und Zypressen. Am liebsten verwenden Sylvia und Ursula Stiller Nobilis, weil sie lange grün bleibt und nicht nadelt. Das gewisse Etwas zaubert vornehmlich Ursula Stiller mit natürlichen Materialien - in gefrosteter Optik oder dezent eingefärbt - in die Produkte. "Sie macht die tollsten Gestecke auf der ganzen Welt", schwärmt Tochter Sylvia.

Weg von den großen Stücken, so stellt sich die Nachfrage zum Grabschmuck auch bei Gärtnermeister Stephan Golda in Rehfeld dar. "Kränze sind weniger gefragt, Trend sind Gestecke", sagt der Fachmann. Mit einer großen Auswahl lockt der Rehfelder am 5. und 6. November in seine Gärtnerei zum Grabschmuck-Verkaufswochenende. Gewünscht seien dabei vor allem natürliche Materialien, keine Kunstblumen. Und quietsch-bunt dürfe es auch nicht sein, weiß Stephan Golda.