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| 12:59 Uhr

Unkraut macht Anwohnern wie Landwirten das Leben schwer
Der unendliche Kampf gegen Ambrosia

 Marlies Klage zeigt Matthias Hoffmann, wo sich in Redlin in der Nähe ihres Grundstückes die Ambrosia ausgebreitet hat.
Marlies Klage zeigt Matthias Hoffmann, wo sich in Redlin in der Nähe ihres Grundstückes die Ambrosia ausgebreitet hat. FOTO: LR / Rudow
Redlin. In Redlin bei Herzberg ist sie jedes Jahr ein Thema – die Ambrosia. Um sie zu bekämpfen, müssten Bürger und Landwirte an einem Strang ziehen. Der Landeskoordinator für Ambrosiabekämpfung hat sich die Sache vor Ort angesehen.

Es ist jedes Jahr das gleiche leidige Thema. In direkter Nähe des Grundstückes von Marlies Klage in Osteroda/Redlin breitet sich die Ambrosia aus, diese gefährliche invasive Pflanze, die stärkste Allergien auslösen kann. Sie wächst am Straßenrand, an den Feldkanten und auf den Feldern gleich nebenan. Auch in Richtung Nachbardorf Friedrichsluga breitet sie sich schon aus.

Machen Landwirte nicht genug?

Marlies Klage macht sich Sorgen um die Gesundheit ihrer Familie, in der es viele Allergiker gibt. Sie möchte, dass endlich wirksam gegen die Ausbreitung der Pflanze vorgegangen wird. Marlies Klage ist der Meinung, dass der Landwirt, der die Flächen bewirtschaftet, zu wenig gegen die Ausbreitung der Ambrosia tut. Bei verschiedenen Behörden, so sagt sie, finde sie seit Jahren kaum Gehör.

Zumindest in dieser Beziehung ist ein Fortschritt zu verzeichnen. Ende vergangener Woche hat sich der oberste Ambrosia-Zuständige des Landes Brandenburg Matthias Hoffmann mit Marlies Klage in Redlin getroffen, um über das Problem zu reden. Hoffmann ist seit etwa einem Jahr Koordinator für Ambrosiabekämpfung beim Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung. Er will nicht nur ein offenes Ohr für Betroffene haben, sondern auch für die Landwirte, die mit Ambrosia auf ihren Äckern zu kämpfen haben.

Eigeninitiative kann viel bewirken

Elbe-Elster ist in Südbrandenburg kein Ambrosia-Schwerpunkt. Das sind eher die Landkreise Spree-Neiße, Oberspreewald-Lausitz oder Cottbus. Aber auch in Elbe-Elster gibt es Stellen, wo dringend etwas passieren muss. „Redlin ist ein gutes Beispiel dafür, dass man noch etwas erreichen kann“, meint Matthias Hoffmann. Dabei setzt er auch auf die Eigeninitiative der Bevölkerung. Für die Äcker sind die Landwirte zuständig, aber gegen die Ambrosia an den Straßenrändern zum Beispiel könnten auch die Redliner etwas unternehmen, sagt er. „Wenn sich ein paar Leute finden und an einem Vormittag die Pflanzen einfach rauszupfen, wäre schon viel gewonnen“, meint Matthias Hoffmann. So, wie vor einigen Tagen in Vetschau beim Aktionstag gegen Ambrosia.

Schwierige Situation für Bauern

Für die Landwirte, so der Koordinator,  hat das Brandenburger Agrar- und Umweltministerium eine Broschüre „Die Bekämpfung der Beifußblättrigen Ambrosie auf landwirtschaftlichen Flächen“ erarbeitet, die kostenfrei über die Pressestelle des Ministeriums bestellt werden kann. „Auch für die Landwirtschaft ist Ambrosia ein großes Problem“, sagt Hoffmann. Auf Flächen, auf denen sich die Pflanze stark ausbreitet, könnten zum Beispiel keine Sonnenblumen oder Lupinen angebaut werden, weil sich die Ambrosia dort schneller verbreitet als zum Beispiel im Mais, in dem auch Pflanzenschutzmittel wirken.

Die Felder neben dem Grundstück von Marlies Klage in Redlin werden von Landwirt Hans-Jürgen Freiwald bewirtschaftet. Zu ihm hat Matthais Hoffmann Kontakt aufgenommen. Der Landwirt aus Osteroda glaubt nicht, dass sich das Problem vollständig in den Griff bekommen lässt. Er ist überzeugt (wie auch Marlies Klage), dass die Pflanze vor zwölf Jahren im Erdmaterial für den Straßenbau in Redlin eingeschleppt wurde. „Sie ist in ganz Osteroda und Redlin vorhanden. Und ein paar Samen verbreiten sich immer“, sagt er. Gerade an Feldrandbereichen, an Straßenrändern oder auf Brachflächen würden sich die Pflanze etablieren. Hans-Jürgen Freiwald hat die Fruchtfolge auf den Feldern bei Redlin mittlerweile verändert. Statt Sonnenblumen, Erbsen oder Lupinen steht jetzt Mais, in dem sich Ambrosia noch einigermaßen unterdrücken lässt.  „Wir haben schon vieles ausprobiert und nach Strategien gesucht. Nachhaltige Lösungen haben wir aber nicht gefunden“, sagt er.

Straßenränder werden mehrmals gemäht

Für das Problem Ambrosia interessiert sich auch die Schliebener Landtagsabgeordnete Iris Schülzke. Der Landtag hatte unlängst festgelegt, dass der Landesbetrieb Straßenwesen die Bekämpfung des expansiven Unkrauts an Landes- und Bundesstraßen absichern soll. Dazu stellte sie eine Kleine Anfrage an die Landesregierung. Zu den am meisten mit Ambrosia belasteten Straßenabschnitten gehören auch einige in Elbe-Elster (siehe Info-Kasten). Diese Abschnitte, so der Chef der Herzberger Straßenmeisterei Mario Sasse, würden bis zum Herbst drei Mal im Jahr gemäht. „Früher haben wir nur einen intensiven Bereich auf einer Breite von 1,80 Metern gemäht. Heute mähen wir auch die restliche Flächen bis zur Wald- oder Feldkante“, sagt er.  Wichtig ist, dass gemäht ist, bevor die Ambrosia blüht und ihre tausenden Samen bildet. Oberstes Ziel muss es sein,  die Ausbreitung einzudämmen. Das funktioniert nur, wenn die Pflanzen im September ihre Samen erst gar nicht verbreiten können. Deshalb macht es bis zum Herbst noch Sinn, die Ambrosia auszureißen oder immer wieder zu mähen. „Wenn man sich auf einige Stellen in Redlin konzentriert, könnte man sie dort in einigen Jahren in den Griff bekommen“, sagt Matthias Hoffmann. Dabei könnten Bürger als auch die Landwirte helfen.

 Der Blütenstand der schädlichen Ambrosia-Pflanze.
Der Blütenstand der schädlichen Ambrosia-Pflanze. FOTO: ZB / Patrick Pleul