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| 01:49 Uhr

Nächstenliebe und Finanzkrise?

Die Banken- oder Griechenlandkrise ist also immer noch nicht gelöst. Herr Sarkozy und Frau Merkel sitzen erneut beisammen, um sich abzustimmen oder eine Lösung zu finden oder ihren Kopf zu retten.

Gibt es einen Ausweg, eine Antwort auf die erneute Krise der internationalen Finanzwirtschaft? Es darf auch eine ganz einfache sein, eine, die auch ich verstehe. Oder werden sie uns weiter mit ihrem Politikerfachchinesisch verwirren, um so weitermachen zu können, wie bisher, um ihre Ratlosigkeit zu kaschieren?

Unserem Ministerpräsidenten Platzeck geht es bei der Frage der weiteren Braunkohleverstromung offenbar nicht anders. Die CCS-Technologie steht vor dem Aus. Keiner will das CO2 unter seinen Füßen haben. Und was sagt Herr Platzeck? Ob bei uns weiter Strom aus Braunkohle gewonnen wird, soll der Energiekonzern Vattenfall selbst entscheiden. Ist er sein eigenes Hin und Her leid? Will er sich vor den Konsequenzen seiner eigenen unhaltbaren Aussagen und Entscheidungen drücken?

Antworten auf die immer komplexeren Fragen und Probleme unserer Zeit zu finden, ist schwierig. Und wir hätten es gern einfach. Ich auch! Dennoch dürfen wir die Suche nach Antworten nicht denen da oben überlassen. Ich merke, dass mir dabei auch mancher Satz aus der Bibel hilft. Zum Beispiel der Spruch für die kommende Woche aus dem 1. Johannesbrief im Neuen Testament: „Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seine Geschwister liebe.“ Ich weiß, da steht nichts von Braunkohle oder Finanzkrise. Die Bibel nimmt uns das eigene Nachdenken nicht ab – im Gegenteil, sie fordert es heraus, sie provoziert uns geradezu. Könnte Gottes- und Nächstenliebe uns bei der Suche nach Antworten helfen? Könnte sie Frau Merkel und Herrn Sarkozy oder Herrn Platzeck helfen? Können sie uns helfen, wenn wir uns einmischen und den Herren und Damen die heute das Sagen haben, keine Ruhe lassen?

Ja! Denn sie sind mein Antrieb, meine Richtschnur, wenn ich frage und Antworten suche und wenn ich die Fragen und Antworten derer, die heute die Geschicke der Welt lenken, unter die Lupe nehme. Manchmal wird es dann ganz einfach und man möchte rufen: Schaut doch hin, ihr Herren! Warum seht ihr es denn nicht. Manchmal aber komme ich auch erst ins Grübeln: Was bedeutet es mitten in der Finanzkrise, seinen Nächsten zu lieben. Hat der Streit um die Braunkohle etwas mit Gottesliebe zu tun?

Ich möchte mit meinen Fragen nicht allein bleiben. Nur wo wir miteinander fragen und suchen und lieben, kann unsere Erde die Heimat des Lebens bleiben. In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gesegnete neue Woche.

Michael Wolf

ist Pfarrer in Betten