Keiner der Abgeordneten hörte das wohl mit Freude. Nachdenkliche Gesichter prägten das Bild am Beratungstisch im Oelsiger Freizeitheim, doch Alternativen dazu hatte auch niemand zu bieten.

Viele Jugendliche abends unterwegs Strikt dagegen sprach sich Amtsdirektorin Iris Schülzke aus, die diese Maßnahme nicht gutheißen konnte. "Das können nur allerletzte Schritte sein, wenn wirklich gar nichts mehr geht", gab sie ihre Meinung kund und begründete: "Wir haben das Problem, dass viele Jugendlichen abends unterwegs sind. Nächtliche Einbrüche nehmen ebenfalls zu", man wolle doch wohl nicht wirklich einen Zustand herbeiführen, dass sich die Einwohner nachts nicht mehr auf die Straßen ihres Heimatortes trauen würden.

"Riesiges Finanzierungsproblem" Klaus Puhlmann stellte noch einmal klar, dass ja nicht an den Abenden, sondern wirklich nur zur Nachtzeit die Beleuchtung vermindert werden soll und meinte etwas provokant: "Sind denn die Menschen in Schlieben ängstlicher als in Werchau? Da haben wir nachts die Beleuchtung ganz abgeschaltet." Man habe ein riesiges Finanzproblem und müsse etwas für das Haushaltssicherungskonzept tun. Er sei sicher, dass sich die Schliebener ganz schnell daran gewöhnen, fügte er hinzu. Wer einen Einbruch vor habe, der würde diesen, wie sich bisher ja gezeigt habe, auch bei voller Beleuchtung wagen.

Bürgermeister Helmut Richter wägte ab und gab seine Beobachtungen preis: "Wenn ich nachts von der Arbeit nach Hause komme, dann ist es taghell, aber niemand läuft auf den Straßen."

Den Vorschlag von Wolfgang Geister, nicht jede zweite Lampe, aber sehr wohl die Hälfte abzuschalten – an einigen Stellen mehr und und dort, wo mehr Sicherheit vonnöten sei, eben weniger Licht wegzunehmen – schlossen sich zwar einige Abgeordnete an. Doch letztendlich, so wurde festgestellt, sei dies kaum durchführbar, weil dann ein völlig neuer Stromkreis zu legen sei. "Dann wird die Umrüstung teuerer als der Nutzen", meldete sich wieder Klaus Puhlmann zu Wort. Die einmalige Umrüstung, so dass jede zweite Lampe brenne, würde 2000 Euro kosten. Mehr sei dann auch nicht mehr vertretbar.

Mehrheitlich dann doch zugestimmt Eines wollte Klaus Puhlmann jedoch klargestellt wissen: "Ich möchte, dass ich richtig verstanden werde. Ich kämpfe nicht für die Abschaltung des Lichts, sondern für die 4000 Euro, die im Stadthaushalt dringend gebraucht werden". Mehrheitlich – mit einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen – wurde dem Vorschlag des Bau- und Finanzausschusses zugestimmt. Die technischen Voraussetzung für die Umsetzung sollen jetzt geschaffen werden. Und die Schliebener werden sich damit anfreunden müssen.