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| 02:36 Uhr

Nach tödlichem Bahnunfall bei Uebigau bleiben Fragen offen

So fanden die Kameraden den Bahnübergang vor.
So fanden die Kameraden den Bahnübergang vor. FOTO: Frank Claus
Uebigau. Es ist gegen 18.30 Uhr, als die Sirenen im Stadtgebiet Uebigau-Wahrenbrück und Bad Liebenwerda am Sonnabend die Kameraden der Feuerwehr zum Einsatz rufen. Frank Claus

Eine 30-jährige Fahrzeugführerin ist am Bahnübergang an der Straße zwischen Wahrenbrück und Uebigau mit einem aus Falkenberg kommenden Regionalexpress zusammengestoßen. Sie wird in ihrem Fahrzeug vom Zug mitgeschleift, im Auto eingeklemmt und verstirbt noch an der Unfallstelle. Als die Kameraden vor Ort eintreffen, sind die Halbschranken geöffnet. In mehreren hundert Metern Entfernung sind die roten Rückleuchten des Zuges zunächst das Einzige, was die Kameraden sehen. Nur über eine Baustraße kommen sie mit Fahrzeugen in die Nähe der Lok, ein anderer Teil der Kameraden läuft die Gleise entlang. Schnell ist der Notfallmanager der Bahn vor Ort.

Nur wenige Meter vom Bahnübergang entfernt liegt das Kennzeichen des Fahrzeuges neben dem Gleisdamm. Wenig später bestätigt sich die Vorahnung. Das Unfallopfer ist bekannt, stammt aus Wahrenbrück. Kameraden berichten, dass sie eine Tochter hat, die gerade zur Schule gekommen sein könnte. Befand sie sich ebenfalls im Auto? Oder noch weitere Personen, die herausgeschleudert wurden? Die Suche in den Gleis-Nebenanlagen wird verstärkt. Ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera kommt zum Einsatz. Die Kameraden, alle Helfer und Ermittler vor Ort sind angespannt. Bizarre Situation: Durch die Nacht dudelt die Musik vom benachbarten Uebigauer Weihnachtsmarkt.

Notfallseelsorger werden an die Unfallstelle gerufen, um Hilfe bei der Verarbeitung der schrecklichen Bilder des Unfalls zu geben. Der stellvertretende Kreisbrandmeister Marc Wille koordiniert mit den Leitern der Wehren, von Rettungsdienst und Polizei den Einsatz.

Inzwischen ist ermittelt: Im Zug befinden sich 42 Reisende, darunter zwölf Kinder. Alle sind unverletzt, eine ältere Dame ist etwas mitgenommen. Auch der Zugführer ist unverletzt, steht allerdings unter Schock. Die in Doberlug-Kirchhain stationierte Hilfsdrasine wird angefordert. Die kann blitzschnell auf die Gleise gesetzt werden, um Menschen zu transportieren. Doch die Reisenden und Kameraden vor Ort sind schneller. Jeweils in Begleitung eines Feuerwehrmannes, die mit ihren Lampen leuchten, laufen sie in der Gruppe die Gleise entlang bis vor zum Bahnübergang. Sie erhalten Tee, bis wenig später bereits der Bus eintrifft, der sie weiter in Richtung ihrer Zielorte bringt.

Die gesamte Nacht über bleiben quälende Fragen: Wie ist dieser Unfall passiert? Was war mit der Schrankenanlage, die optisch unversehrt ist? Hat das Glatteis eine Rolle gespielt? Die Polizei will sich bis zum Redaktionsschluss am Sonntagabend nicht äußern, verweist auf die laufenden Ermittlungen.