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Nach dem Auszug bleibt das Chaos

Alles stehen- und liegengelassen hat der Ex-Mieter in einer Wohnung von Renate Klaue in der Finsterwalder Genossenschaftsstraße. Trotz mehrfacher Aufforderungen passierte seit seinem Auszug im August nichts mehr. Die Eigentümerin musste selbst zupacken und die Wohnung wieder in einen vermietbaren Zustand bringen.
Alles stehen- und liegengelassen hat der Ex-Mieter in einer Wohnung von Renate Klaue in der Finsterwalder Genossenschaftsstraße. Trotz mehrfacher Aufforderungen passierte seit seinem Auszug im August nichts mehr. Die Eigentümerin musste selbst zupacken und die Wohnung wieder in einen vermietbaren Zustand bringen. FOTO: Böttcher
Finsterwalde. Renate Klaue ist erbost. Der ehemalige Mieter einer ihrer Wohnungen in der Genosenschaftsstraße ist auf und davon und hat ein Chaos hinterlassen. An Wiedervermietung ist erst einmal nicht zu denken, auf den Kosten bleibt Renate Klaue sitzen. Auch große Vermieter kämpfen regelmäßig mit diesem Problem. Gabi Böttcher

"Alles, was er nicht mehr wollte oder brauchte, hat er einfach in der Wohnung zurückgelassen. Einmal ist er mit einem Umzugstransporter vorgefahren und dann war Feierabend. Auch der Schuppen ist noch voll", erzählt die 76-jährige Vermieterin der 2-Raum-Altbauwohnung mit Dusche und WC. Möbel stehen herum, auf dem Wohnzimmertisch Bierflaschen, ein gefüllter Aschenbecher, Auslegeware bis hin zu Kindersachen und in der Küche jede Menge Hinterlassenschaften machen es Renate Klaue zunächst unmöglich, an eine Wiedervermietung der Wohnung zu denken. Bis August sei die Miete vom Jobcenter gezahlt worden. Seitdem fehlt der Vermieterin die Einnahme. Zudem seien aus dem vorigen Jahr Mietschulden bei ihr aufgelaufen, als das Jobcenter dreimal 96 Euro von der Miete abgezogen hatte, die der Mieter selbst zahlen musste. Für Renate Klaue ist das nicht der erste Fall. Von einem anderen Mieter sind vier Monatsmieten offen. In diesem Falle hat sie ein Inkasso-Büro beauftragt. Jetzt muss sie sehen, wie sie die 2-Raum-Wohnung wieder flott bekommt. Den von ihr bestellten Sperrmülltransporter hat sie in dieser Woche mithilfe von Bekannten selbst mit den Hinterlassenschaften aus der Wohnung versorgt.

Zunehmendes Problem

Verwahrloste beziehungsweise bei Auszug nicht komplett beräumte Wohnungen sind aber auch ein Problem der großen Vermieter, in der Wohnungsgesellschaft Finsterwalde "ein zunehmendes mit zum Teil großen Schäden", wie Elke Koinzer, Chefin der Finanzbuchhaltung, anmerkt.

Geschäftsführer Martin Ehring von der Haus- und Grundbesitzgesellschaft Bad Liebenwerda spricht von drei bis vier Wohnungen im Jahr, die beräumt und wieder bewohnbar hergerichtet werden müssen. Bei einer 3-Raum-Wohnung müsse man dafür schon 10 000 Euro veranschlagen. Mit dieser Summe für drei Wohnungen könnte man einen Spielplatz bauen.

Während sich Renate Klaue beim Mieter-Check an ihrem Bauchgefühl orientiert, gehen große Vermieter sicherere Wege.

"Da er mit einem Kleinkind hier eingezogen ist und mit einer Betreuerin kam, nahm ich an, dass es vernünftig laufen würde", erinnert sich Renate Klaue.

Hilfsangebote nutzen

Martin Ehring führt Schufa-Auskünfte und auch eine Abfrage beim Vorvermieter als Sicherheit an. Er weiß aus der Branche, dass viele kleinere private Vermieter inzwischen wegen der Probleme eine Hausverwaltung beauftragen. Er sieht in dieser Frage jedoch nicht in jedem Falle einen böswilligen Vorsatz des Mieters. In bedauerlichen Einzelfällen von Verwahrlosung von Wohnungen, in denen Menschen sich aufgegeben haben oder durch einen Schicksalsschlag unter die Räder gekommen sind, könnten Hilfsangebote genutzt beziehungsweise vermittelt werden.

Zugespitzte Fälle von Wohnungsverwahrlosung gibt es in der Wohnungsbaugesellschaft "Elsteraue" Herzberg im Jahr ein bis zwei, schätzt Chefin Sabine Endemann ein. Vier bis sechs sind es hingegen wie im Falle von Renate Klaue, wo Mieter zurücklassen, was sie nicht mehr benötigen. Jeder dieser Fälle sei einer zu viel, denn er belaste die Gesellschaft, sagt sie. Bei insgesamt 1386 Wohnungen wie bei der "Elsteraue" fällt dies dennoch ganz anders ins Gewicht als bei Renate Klaue. Sie kann nun wohl nur auf die hinterlegte Kaution von 460 Euro zurückgreifen. Die von ihr benannten Mietschulden, den Mietausfall und den Aufwand für die Beräumung macht diese jedoch nicht wett. Gleich gar nicht die Nerven, die die Seniorin in den zurückliegenden Monaten gelassen hat.