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Musizieren ist immer ein Gewinn

Musikunterricht mit fünf Damen, für Lehrer Thomas Brünnich ist das immer eine besondere Stunde. Brigitte Elsner, Edelgard Grabowski. Silvia Schurig, Elionor Lehmann und Ilona Lüderitz (v.l.) musizieren bereits seit mehreren Jahren gemeinsam und haben großen Spaß an diesem Miteinander.
Musikunterricht mit fünf Damen, für Lehrer Thomas Brünnich ist das immer eine besondere Stunde. Brigitte Elsner, Edelgard Grabowski. Silvia Schurig, Elionor Lehmann und Ilona Lüderitz (v.l.) musizieren bereits seit mehreren Jahren gemeinsam und haben großen Spaß an diesem Miteinander. FOTO: sk
Herzberg. Wer sich unter einer Musikschule etwas vorstellt, das nur für Kinder und Jugendliche ist, der irrt. In den drei Regionalstellen der Kreismusikschule gehen nämlich immer mehr Schüler ein und aus, die das klassische Schulalter längst hinter sich gelassen haben. Sylvia Kunze

Auch Frauen und Männer jenseits der 30, 40, 50 und darüber drücken sozusagen noch die Schulbank und erlernen das Spielen eines Instruments. Tendenz steigend, wie Musikschulleiter Thomas Prager beobachtet. "Und das ist gut so", bekräftigt er getreu der Devise "Ältere Leute sind heute doch längst noch nicht alt".

Das macht unter anderem Edeltraud Schurig aus Bad Liebenwerda am eindrucksvollsten vor. Die inzwischen 88-Jährige nimmt Unterricht am Klavier — und das schon seit Jahren. 2009 wurde sie von Moderator Hans-Joachim Wolfram als älteste Musikschülerin Deutschlands vorgestellt. Wenn der damals gewusst hätte, dass die Seniorin noch heute fleißig übt ... Und nicht nur sie. Allein die Zahl der über 50-Jährigen, die in den drei Regionalstellen der Kreismusikschule "Gebrüder Graun" Unterricht nehmen, liegt nun schon bei 140.

Zu ihnen gehören auch die fünf Schönewalderinnen Brigitte Elsner, Edelgard Grabowski. Silvia Schurig, Elionor Lehmann und Ilona Lüderitz, die regelmäßig bei Lehrer Thomas Brünnich ihr Können auf den Blechblasinstrumenten vorantreiben. Alle spielen im Regionalbläserchor Nord und sind bei Proben mit Thomas Brünnich "auf den Geschmack" gekommen. Der Spaß an der Musik regt die Damen an, ihr Spiel auf Althorn und Trompeten stetig zu vervollkommnen. Zu den Proben des Posaunenchors sind nun auch regelmäßige Übungsstunden in der Musikschule sowie ein wöchentlicher Treff in der Fünfergruppe dazugekommen. Individuelles Üben einmal noch nicht mit einbegriffen. "Sie arbeiten ganz fleißig", weiß ihr Lehrer. Und seine Einschätzung trifft wohl auf fast alle der älteren Schüler und Schülerinnen zu, die das Musizieren als einen Gewinn für ihr Leben ansehen und sich ganz bewusst für diese Freizeitbeschäftigung entschieden haben.

Musikschulleiter Thomas Prager weiß aus vielen Gesprächen, dass der Unterricht "was für die Seele ist" und "auch die soziale Komponente ist dabei ganz wichtig". Schon lange seien deshalb nicht mehr nur Kinder und Jugendliche "Zielgruppe". Um die zehn Prozent der 2200 Mann starken Schülerschaft sind dem eigentlichen Schüleralter bereits entwachsen. Sie widerspiegeln laut Prager "das hohe Bewusstsein der Bevölkerung hier für Kultur, insbesondere auch für Musik".

Und sie sorgen ein Stück weit für ein Neuaufstellen der Kreismusikschule. "In Finsterwalde gibt es zum Beispiel seit Anfang des Jahres einen Pop-Chor unter Leitung von Diana Tobien - nur aus Erwachsenen bestehend", berichtet Prager von einer solchen Neuerung, die aus der Nachfrage heraus entstanden ist.

Apropos Nachfrage: Der Musikschulleiter ist froh, diese in allen Altersklassen zeitnah befriedigen zu können. Bei 2200 Schülern und 85 Lehrern mit etwa 50 000 Stunden im Kalenderjahr sei man ziemlich gut aufgestellt, schätzt er ein. Das erst kürzlich vom Kreistag befürwortete Anheben der Honorare für freie Mitarbeiter sei nicht nur wichtig gewesen, sondern Prager zeigt sich überzeugt, dass dieser Schritt der Musikschule zu weiterer Qualität verhelfen werde.

"Die Kreismusikschule Gebrüder Graun ist mittlerweile die stärkste im Land Brandenburg. Wir haben eine unglaublich engagierte Lehrerschaft", zollt er Respekt vor der Arbeit aller Lehrkräfte. Er will sogar noch aufstocken. Da ist die Rede von einem zweiten Cellolehrer in Elsterwerda. Und auch der Bereich Kammermusik und Klassik soll weiter ausgebaut werden. Davon können letztlich die Schüler aller Altersstufen gleichermaßen profitieren. Aber jetzt sind erst einmal Ferien.