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Musikalische Zugabe mit Feuerwerk

Nach dem Regen dominierte die prächtige Musik des Prager Kammerorchesters des Nationaltheaters im Stechauer Schlosspark.
Nach dem Regen dominierte die prächtige Musik des Prager Kammerorchesters des Nationaltheaters im Stechauer Schlosspark. FOTO: Jürgen Weser/jgw1
Stechau. Regentropfen rhythmisch auf Schirmen und Regenbekleidung untermalen kurz nach 20 Uhr die Ouvertüre zu Mozarts "Zauberflöte". Dann kündigt ein prächtiger Regenbogen über dem Schloss besseres Wetter an. Jürgen Weser / jgw1

Schlossherr Dr. Bardia Khadjavi-Gontard kann seinem Ruf als Schönwettermacher für das Stechauer Sommerkonzert doch noch gerecht werden. Das 27. Brandenburgische Sommerkonzert 2017 mit dem Kammerorchester des Nationaltheaters Prag wird am Samstag für fast 2000 Besucher zum musikalischen Erlebnis.

Auch wenn das unbeschwerte Flanieren im schönen Parkambiente und am Wasser mit Springbrunnen in den Stunden vor dem Konzert immer wieder vom Regen gestört wird, macht das vielen Besuchern kaum etwas aus.

Gerlinde Wildenhayn aus Werenzhain hat es sich mit Töchtern, Schwiegersöhnen und Enkelkindern aus Finsterwalde und Doberlug-Kirchhain trotzdem auf der Picknickdecke unter dem Dach von Bäumen und Schirmen bequem gemacht. "Wir sind Stammgäste hier in Stechau", erzählen sie. Wenn so tolle Kultur vor der eigenen Haustür geboten wird, müsse man das nutzen. Die lukullischen Angebote und der Schliebener Wein sorgen außerdem für gute Stimmung vor dem Konzert.

Musiker aus Prag fühlen sich in Stechau besonders wohl. Im vorigen Jahr glänzte die Symphonie Prag mit "Italienischer Nacht", diesmal beweist das Kammerorchester des Prager Nationaltheaters unter Stabführung von Petr Vronsky seine Klasse.

Franz Schuberts h-Moll Symphonie, berühmt geworden als "Unvollende", sorgt in der Interpretation der Prager Musiker vor der Pause für musikalische Klasse. Gegen jede Regel der damaligen Zeit komponierte Schubert nur zwei Sätze. Dem dramatischen h-Moll des ersten Satzes setzt das Kammerorchester das lichtere und von der Stimme einer einzelnen Klarinette überglänzte E-Dur im zweiten Satz entgegen. Ob Schubert die Sinfonie selbst als vollendet oder unvollendet betrachtet hat, weiß man nicht, erklärt Moderatorin Anja Herzog. Ein besonderes konzertantes Erlebnis bietet nach der Pause Antonin Dvoráks Konzert für Violoncello und Orchester h-Moll. Orchester und Solist Petr Nouzovsky überzeugen die Zuhörer gleichermaßen. Besonders die Übereinstimmung mit dem Klangkörper selbst bei den virtuosesten Cello-Passagen, die Nouzovsky brillant meistert, begeistert. So ist es kein Wunder, dass die Rufe nach einer Zugabe mit dem prasselnden Abschlussapplaus laut werden.

Die Zugabe gibt es, aber auf besondere Weise und als Premiere für die Stechauer Konzerte: Temperamentvolle Musik von der Bühne mischt sich mit den taktgenau abgefeuerten Feuerwerkssalven, die 96 prächtige Farbeffekte in den nächtlichen Himmel zaubern. Für die gelungene Überraschung hat Feuerwerker Michael Ziesch von "Artkontor" Bautzen gesorgt. Für Stechau ist schon zur Selbstverständlichkeit geworden, dass von der Unterstützung der Schlossbesitzerfamilie Khadjavi-Gontard für die Brandenburgischen Sommerkonzerte über die Versorgung bis zur perfekten Parkordnung im Ort alles vorbildlich klappt. Stechau gehört unverzichtbar zu der Sommerkonzertreihe, hoffen viele Besucher schon auf das Konzert im nächsten Jahr.

Das bisschen Regen störte Gerlinde Wildenhayn (rechts hinten) mit ihrer Familie nicht beim Picknicken im Park.
Das bisschen Regen störte Gerlinde Wildenhayn (rechts hinten) mit ihrer Familie nicht beim Picknicken im Park. FOTO: jgw1