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| 01:41 Uhr

Museumschef korrigiert Gründungsdatum der Stadt Herzberg

Ralf Uschner stellte die Geschichte Herzbergs gründlich auf den Kopf. Foto: Sven Gückel
Ralf Uschner stellte die Geschichte Herzbergs gründlich auf den Kopf. Foto: Sven Gückel FOTO: Sven Gückel
Herzberg. Neuigkeiten versprach Ralf Uschner seinem Publikum. Mitteilungen, die Stadt Herzberg betreffend. Mit einem solchen Paukenschlag hatte aber niemand gerechnet. Seinen Worten nach sei das angebliche Gründungsjahr 1184 absolut nicht haltbar. Von Sven Gückel

Auf Einladung des Heimatvereins referierte der Leiter des Kreismuseums Bad Liebenwerda am Dienstagabend in der Aula der Johannes-Clajus-Oberschule, wobei er den Schwerpunkt seiner Ausführungen auf das Alter der Stadt legte. Es sei Zeit, sich vom Sagenhaften zu lösen und die Geschichte Herzbergs wissenschaftlich belegbar zu ergründen, forderte er. Die Ursache für diese Datierung sieht Ralf Uschner unter anderem in der Arbeit früherer Historiker begründet.
Die hätten auf der berechtigten Suche nach den Wurzeln der Stadt nicht nur Urkunden falsch gelesen, sondern bestehende Daten fraglos in weitere Forschungen einfließen lassen. Ein gutes Beispiel falscher Lesung sei die Urkunde der Ersterwähnung. Statt 1238, wie es über Generationen lautete, belegt das Papier eindeutig das Jahr 1239. Doch dieses eine Jahr ist längst nicht das Hauptproblem. Vielmehr muss die gesamte Ursprungshistorie neu hinterfragt werden. Graf Friedrich von Brehna, immer wieder als Gründer Herzbergs benannt, hat diesen Flecken Erde nie betreten. Zudem, so Uschner weiter, führte er in allen Wappen seiner Städte ein Herz. Herzberg aber ziert der Hirsch. Der wiederum ist Wappentier der Familie von Pack. Ulrich von Pack, auch Olricus genannt, war um 1220 Vormund der minderjährigen Söhne von Brehnas nach dessen Tod. „Die Vermutung liegt deshalb nahe, dass die von Packs die wahren Initiatoren der Gründung sind.”


Das mit Spannung erwartete Datum der wirklichen Geburtsstunde bezifferte Uschner auf 1215/16. In seiner Beweisführung berief er sich auf drei, in den letzten 15 Jahren getätigte Ausgrabungen in Herzbergs Innenstadt: beim Sparkassenneubau, am Markt sowie an der Kreisverwaltung. Hierbei seien Hölzer geborgen worden, die man dendrologisch untersuchte. Ermittelt wurde dabei die erwähnte Jahreszahl. „In wissenschaftlichen Kreisen kommt die Datierung mittels Dendrologie einer Urkunde gleich”, betonte er. Darüber hinaus konnten bei den archäologischen Arbeiten gefundene Scherben und Krüge beweisen, dass die These 1215 durchaus realistisch ist. „1184 wird bei weiterer Recherche zweifelsfrei der Geschichte zum Opfer fallen“, glaubt der studierte Geologe. Und ergänzt: Schön für Herzberg. So kann sich die Stadt demnächst auf eine 800-Jahr-Feier freuen.
Uschner forderte in seinem äußerst kurzweiligen Referat die Herzberger auf, sich „der neuen Wahrheit“ zu stellen. Belege für 1184 werden sie definitiv nicht finden”, sagte er und raubte den Zuhörern damit auch den letzten Hoffnungsfunken. Auf die Frage aus dem Publikum, was denn aber mit dem Kloster sei, winkte er ab. „Historisch nicht haltbar, urkundlich nie belegt. Hier sind die alten Chronisten, unter anderem der Ortsgeschichtler Karl Pallas, ihren Vorgängern auf den Leim gegangen.” Das Fehlen bedeutender Handelswege um 1200, die damalige Bedeutungslosigkeit der Kirche Herzbergs oder das Fehlen einer Burg sind für ihn weitere Belege der Richtigkeit seiner Ausführungen. An Herzbergs Aufstieg im Mittelalter gibt es aber nichts zu deuteln. Darauf solle man sich künftig berufen und diese für die Region bedeutsame Epoche verstärkt hervorkehren oder dem für Brandenburg einmaligen Fundus historischer Urkunden mehr Aufmerksamkeit schenken.