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Mülltrennung und Spontanität

Konrad Wehner aus Ahlsdorf (l.) und Sullivan Whitehead aus Granville in Ohio (USA) sind sich einig, dass ihnen das Austauschjahr viele unvergessliche Erlebnisse und Erfahrungen beschert hat. Während Konrad nun schon wieder eine Woche zu Hause ist, geht es für Sullivan heute zurück in die Heimat.
Konrad Wehner aus Ahlsdorf (l.) und Sullivan Whitehead aus Granville in Ohio (USA) sind sich einig, dass ihnen das Austauschjahr viele unvergessliche Erlebnisse und Erfahrungen beschert hat. Während Konrad nun schon wieder eine Woche zu Hause ist, geht es für Sullivan heute zurück in die Heimat. FOTO: sk
Ahlsdorf. Konrad aus Ahlsdorf verbrachte ein Jahr im Schüleraustausch in Frankreich. Sullivan lebte ein Jahr in Deutschland. Die Jungen berichten von ihren Eindrücken. Sylvia Kunze

Freunde treffen stand in der vergangenen Woche immer wieder ganz dick im Kalender von Konrad Wehner und Sullivan Whitehead. Während Konrad gerade nach einem Austauschjahr zurückgekommen war, brachen für Sullivan die letzten Tage in Deutschland an. Bei dem einen dominierte Wiedersehensfreude, bei dem anderen Abschiedsschmerz. Die Jungen sind sich aber einig, dass ihnen dieses eine Jahr im Rotary-Schüleraustausch unvergessliche Erlebnisse und Erfahrungen beschert hat und sie dies nicht missen möchten.

Vor mehr als einem Jahr: Konrad ist happy. Er darf nach Frankreich. In das Land, das er von Urlauben mit der Familie zwar schon kennt, von dem er aber weiß, dass es noch viel zu erleben und zu lernen gibt. Unter anderem auch die Sprache. Er wird seine Zeit in Moulins, einer Stadt in Zentralfrankreich, bei drei Gastfamilien verbringen, "die mich alle ganz herzlich aufgenommen und viel mit mir unternommen haben", berichtet der Ahlsdorfer. Während also Konrad sein Abenteuer in Frankreich startet, freut sich Sullivan auf seine Zeit in Deutschland. Eine Bekannte hat ihm schon einiges von dem Land, das er so gern kennenlernen will, erzählt. Er wird in Schmerkendorf und Ahlsdorf in zwei Gastfamilien zu Hause sein und ebenfalls viele schöne Erlebnisse haben. Sulli, wie ihn seine Freunde nennen, schwärmt vom Skifahren in Österreich, von der großen Europareise und vom Urlaub mit Wehners in Frankreich. Konrad hat noch immer das große Treffen von etwa 400 Rotary-Austauschschülern im Westen Frankreichs bestens im Gedächtnis. "Es ist Wahnsinn, so viele Leute zu treffen, so viele neue Freundschaften knüpfen zu können", sagt er.

Freundschaften sind für beide Jugendliche ein ganz wichtiger Aspekt in ihrem Jahr fernab der Heimat. "Leider waren viele Menschen unfreundlich", bilanziert Sullivan, "aber in der Schule habe ich trotzdem sehr schnell viele Freunde gefunden. Ich bin auf die Leute zugegangen." "Ja, das muss man auch. Ich hab mich nicht abwimmeln lassen. Schließlich wollte ich doch was von denen", blickt Konrad auf seinen Start in Frankreich zurück.

Die größte Herausforderung im fremden Land war für die Jugendlichen keinesfalls das Heimweh. "Klar hat man manchmal gedacht, jetzt wäre es schön in Deutschland zu sein. Aber nach Hause habe ich dennoch nicht gewollt", berichtet Konrad. Sullivan stimmt dem zu. "Aber jetzt freue ich mich auf zu Hause", bekennt er kurz vor dem Abflug.

Zu Hause wird er seiner Familie viel zu erzählen haben. Auch von Dingen, die für ihn völlig neu waren, wie beispielsweise Mülltrennung und Flaschenpfand. "Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mich daran gewöhnt hatte", gesteht Sulli. Er wird davon schwärmen, dass er im Schloss bei Wehners in Ahlsdorf gewohnt hat. Er wird vom deutschen Bier erzählen - und in den USA noch fünf lange Jahre warten müssen, bis er auch dort Bier trinken darf. Außerdem wird von den deutschen Autos berichten.

Konrad währenddessen dürfte die gute französische Küche vermissen oder die gemeinsamen Stunden mit Freunden in der Stadt, wo man sich einfach irgendwo getroffen und erzählt hat. Froh ist er hingegen, der hektischen Fahrweise entkommen zu sein.

Hat sie das Jahr nun verändert? Auch da sind sich beide Jungen einig: Ja. "Ich bin sehr viel spontaner geworden. Die Franzosen planen nicht über Wochen und Tage voraus. Vieles passiert ganz kurzfristig. Es fällt mir jetzt auch einfacher, auf Leute zuzugehen. Ich bin selbstständiger geworden und verstehe in manchen Situationen meine Eltern jetzt besser, wenn sie etwas nicht erlauben", ist von Konrad zu hören. Sullivan schätzt für sich ein: "Ich bin ruhiger geworden. Ich weiß jetzt, was ich will. Ich kaufe mir nun sogar meine Sachen selber. Das muss künftig nicht mehr meine Mutter machen."

Sowohl für Konrad als auch für Sullivan steht jetzt wieder Schule an. Was sie danach studieren, ist für beide allerdings noch nicht klar.