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| 17:32 Uhr

Sternengucker sind gut geerdet
Mondparty und Vereinsjubiläum

 Der Projektor ist das Herzstück des Herzberger Planetariums.
Der Projektor ist das Herzstück des Herzberger Planetariums. FOTO: LR / Rudow
Herzberg. Die Herzberger Sternfreunde feiern 20. Geburtstag und erinnern an die erste Mondlandung.

Der 20. Juli ist für Hobby- und Berufsastronomen, aber nicht nur für sie, ein besonderes Datum. In diesem Jahr kommt noch ein besonderer Aspekt hinzu. Am 20. Juli ist es genau 50 Jahre her, dass der erste Mensch den Mond betreten und Neil Armstrong die legendären Worte von dem kleinen Schritt für einen Menschen und dem riesigen Sprung für die Menschheit gesagt hat.

Diesen Tag begehen die Herzberger Sternfreunde am 20. Juli, dem Samstag kommender Woche, mit einer Sommernachts-Mond-Party. Sie feiern aber nicht nur den 50. Jahrestag der Mondlandung, sondern auch das 20-jährige Bestehen ihres Vereins. Das Vereinsmitglied Jochen Rose wird zu der Feierstunde im Herzberger Planetarium einen Vortrag zu dem Thema „50 Jahre: Erste bemannte Mondlandung – eine Reflexion“ halten. Holger Knobloch erläutert den Sternenhimmel über Herzberg und spricht über die 20 Jahre des Vereins Herzberger Sternfreunde e.V. Zu der Festveranstaltung sind viele Vertreter des öffentlichen Lebens eingeladen, vor allem aber auch ehemalige Vereinsmitglieder und alle, die in den letzten 20 Jahren mit der Arbeit im Planetarium verbunden waren. Anschließend ist die Feier dann öffentlich. Es beginnt gegen 20 Uhr der „gemütliche“ Teil des Abends im Planetariumsgarten mit Live-Musik des Kauter Trios. Dessen Swing gibt dem Abend einen amerikanischen Touch.

Dass die Sternfreunde das Mondlandejubiläum mit ihrem Vereinsgeburtstag verbinden, ist nachvollziehbar, auch wenn die Gründungsversammlung des Vereins erst am 9. November 1999 stattgefunden hat. „Im Juli 1999 haben wir uns zum ersten Mal getroffen und beschlossen, den Verein zu gründen. Uns ging es vor allem darum, das Planetarium zu retten“, sagt Ernst Becker von den Sternfreunden.

Stadtwerke sanieren Sternwartenkuppel

Dieses Ziel so zu benennen, war durchaus berechtigt. Das 1965 gebaute Planetarium in Herzberg war erst dem Kreis angegliedert. Nach der Wende ging es in städtisches Eigentum über. So lange es noch den obligatorischen Astronomie-Unterricht an den Schulen gab, bekam das Planetarium Schulstunden vom Staatlichen Schulamt zugewiesen, die von Astronomielehrern, erst von Klaus Schmidt und dann von Holger Knobloch, gehalten wurden. „Damit konnte der Betrieb des Planetariums aufrecht erhalten werden, so Ernst Becker. Hinzu kam noch die Sternwarte auf dem Wasserturm. Allerdings war die zur Wende nicht intakt. Sie war von Insekten befallen, das Teleskop nicht mehr nutzbar. „Es war ein Glücksfall, dass die Herzberger Stadtwerke den Wasserturm übernommen haben. Sie ließen die Kuppel der Sternwarte 1995 komplett sanieren. Das war ihre Rettung. Wir haben es den Stadtwerken zu verdanken, dass wir die Sternwarte bis heute nutzen können“, sagt er.

Ende der 1990er Jahre bahnte sich schon an, dass die Anzahl der Astronomiestunden im Planetarium immer weniger wurden. Erst waren es noch acht Stunden in der Woche, dann vier. Und seit einigen Jahren gibt es gar keine mehr. „Heute können die Schulen frei entscheiden, ob sie Astronomie als Schwerpunkfach mit einer Wochenstunde in der 10. Klasse unterrichten, wie in der Herzberger Clajus-Schule zum Beispiel, das Fach als Wahlpflichtunterricht anbieten oder ob sie Astronomie in den Physikunterricht eingliedern“, erklärt Ernst Becker, der selbst Physiklehrer ist und viele Jahre Schulleiter in Uebigau und Herzberg war.

Verein gegründet, um Planetarium zu retten

Eine solche Entwicklung haben die Hobby-Astronomen kommen sehen und damit das Aus für das Planetarium. Deshalb gründeten sie 1999 den Herzberger Sternfreunde e. V., um zu retten, was zu retten ist. Neun Gründungsmitglieder hat der Verein. Dem Vorstand gehörten damals Holger Knoblauch, der bis heute der Vorsitzende ist, der bereits verstorbene Ralf Hofner, Michael Krüger und Hardo Fischer an. Heute hat der Verein 13 Mitglieder, von denen vor allem Holger Knobloch, Ernst Becker, Carola Heyde und Cornelia Hapich regelmäßig aktiv sind. Sie bieten verschiedene Programme für Kinder und Erwachsene an und kümmern sich auch um kulturelle Veranstaltungen unter der Sternenkuppel. Holger Barwisch ist für Sternwartenführungen verantwortlich. Seit einigen Jahren gehört auch Jochen Rose zu den Sternfreunden. Der Astrophysiker und ehemalige Chef der Wilhelm-Foerster-Sternwarte Berlin und des Zeiss-Planetariums Jena ist jetzt im Ruhestand und lebt in Dahme. Er bestreitet die monatlichen „Vollmondrunden“, ein neues Veranstaltungsformat im Herzberger Planetarium. „Jochen Rose ist für uns ein echter Gewinn“, sagt Ernst Becker.

Prominente Gäste halten Vorträge

Das Ziel des Vereins war und ist die Verbreitung astronomischen Wissens auf populärwissenschaftlicher Ebene für Kinder und Erwachsene. Dazu zählen verschiedene Programme für Kinder unterschiedlicher Altersgruppen ebenso wie Fachvorträge für Erwachsene. So ist Prof. Dieter B. Herrmann, ehemaliger Leiter der Archenhold-Sternwarte in Berlin, seit Jahren zu Gast in Herzberg. Fachvorträge, die regelmäßigen Himmelsbeobachtungen, die „Vollmondrunden“ der jährliche Astronomietag, die Weihnachtsveranstaltungen – es kommen jede Menge Aktivitäten zusammen. Auch kulturell engagiert sich der Verein mit Konzerten oder Ausstellungen.

Zusammenarbeit mit der Stadt funktioniert

Alles, was im Planetarium passiert, geschieht auf ehrenamtlicher Basis. 80 Prozent der Besucher sind Schulklassen und Kindergartengruppen. „Die kommen natürlich am Vormittag. Das abzusichern, ist nicht immer leicht“, sagt Ernst Becker. In den ersten Jahren nach der Vereinsgründung kamen noch 5000 bis 6000 Besucher jährlich. Heute sind es 2000 bis 3000. „Unter den heutigen Bedingungen ist aber auch das eine beachtliche Zahl“, meint Becker. Die Sternfreunde kooperieren auch zunehmend mit der Mediathek in Herzberg. Überhaupt sei die Zusammenarbeit mit der Stadt gut, sagt er. Der Bürgermeister unterstütze den verein. Die Stadt zahlt die Betriebskosten wie Heizung, Wasser, Strom und Versicherungen. Laut Kämmerer sind das etwa 20 000 Euro im Jahr. Natürlich wünschten sich die Sternfreunde auch darüber hinaus noch finanzielle Hilfe. „Aber das Planetarium ist nun mal eine freiwillige Aufgabe und bei der Stadt ist das Geld knapp“, sagt Ernst Becker. So muss der Verein seine Ausgaben vor allem über Eintrittsgelder absichern.

Ach den Sternfreunden fehlt die Jugend

Die technische Ausrüstung des Planetariums ist zwar in die Jahre gekommen, aber intakt. Das Herzstück, der große blaue Projektor (Foto), stammt aus dem Jahr 1985. Noch ist er zuverlässig. Ein neuer, so Becker, würde etwa 500 000 Euro kosten. „Für uns und die Stadt unerschwinglich“, sagt er. Der Verein bemüht sich derzeit aber um Fördermittel für neue Beamertechnik. Die soll noch in diesem Jahr kommen. Was leider nicht in Sicht ist, sind junge Leute bei den Sternfreunden. „Wenn es zum Studium geht, sind sie weg. Das geht uns wie anderen Vereinen“, so Becker. Doch ein paar Jahre werden es die „Alten“ noch machen. „Ich kenne kenie Kleinstadt in Brandenburg, die so ein Planetarium betreibt wie wir. Nach 20 Vereinsjahren sind wir stolz darauf, dass es das Planetarium und die Sternwarte in Herzberg noch gibt, und dass wir unseren Auftrag als Sternfreunde mit regelmäßigen Angeboten erfüllen können“, sagt Ernst Becker.