Elise Görz, die Ehefrau von Georg von Siemens, ist ihre Urgroßtante. Familie von Siemens erwarb 1858 das im frühen 18. Jahrhundert durch Familie Seyffertitz umgebaute Barockschlösschen in desolatem Zustand und richtete es für ihre Zwecke her. Die Ursprünge des Gemäuers gehen nachweislich zurück ins 16. Jahrhundert und sind einer Familie von Löser zu verdanken.

Aus dem nun vorliegenden Gästebuch haben Dr. Stephanie Meuschel-Wehner und ihr Ehemann, Dr. Martin Wehner nun vielerlei bisher unbekannte Dinge über die Zeit erfahren, in denen die Siemens-Familie das Schloss bewohnte. Die handschriftlichen Aufzeichnungen wurden allesamt von Gästen notiert, die von 1880 an bis zum Zweiten Weltkrieg auf Einladung der Familie das Anwesen besuchten. Oftmals sind die Eintragungen mit feinen Zeichnungen versehen, so unter anderem auch die von Paul Flickel, der im Juli 1891 während einer Jagd Gast des Hauses war. Auch Prof. Dr. Hans Schrader, der eine Siemens-Tochter heiratete, beschrieb liebevoll, wie wohl er sich in Ahlsdorf fühlt. Mehrfach findet man um die Jahrhundertwende auch Notizen von Prof. Dr. Carl Hirsch, dem Urgroßvater von Dr. Stephanie Meuschel-Wehner. Er war Leibarzt von Georg von Siemens. Der Politiker und langjährige Vorstand der Deutschen Bank verstarb 1901.

Mehrere Seiten weiter und Jahrzehnte später berichteten ausgebombte Berliner Kriegsflüchtlinge von den Kriegswirren und davon, wie erholsam sie in dieser Zeit die Ruhe im Ahlsdorfer Schloss fanden. Auch von Sorge ist zu lesen, was „danach“ kommen mag.

„Wir wissen, dass dieses Buch materiell nicht wertvoll ist, doch ideell ist es für uns unbezahlbar“, sagt die neue Schlossherrin.

Bezahlbar dagegen muss die Sanierung des Anwesens für die Meuschel-Wehners bleiben. So geht alles eben nur Stück um Stück. Im Wohnbereich im Südflügel, wo die Familie mit ihren drei Kindern lebt, ist es mittlerweile schon sehr gemütlich, weitere Prioritäten sind gesetzt, doch übereilt wird nichts.

Wer die Schlossnacht im Jahr 2007 in Ahlsdorf besuchte und am Samstag wieder dort einkehrt, wird erfahren, wie viel sich inzwischen getan hat. Das gesamte Dach wurde in Ordnung gebracht, auch wenn es ursprünglich so nicht geplant war: „Als wir das Anwesen kauften, hieß es, das Dach sei erst 1994 erneuert worden. Was wir nicht wussten: Die Sanierung geschah nicht fachgerecht oder umfassend genug. Ein Holzgutachter und Zimmermänner haben sich den Zustand auf unsere Bitte hin angeschaut und dann gemeint, das Dach halte nur noch aus Gewohnheit. Das war ein Rückschlag. Der gesamte Dachstuhl war, vorangetrieben durch den langen Leerstand in den 90er Jahren, völlig verschwammt, die Ziegel mussten alle aufgenommen, jeder Balken neu gemacht werden“, erzählt die junge Frau.

Dieses Jahr wurden die Arbeiten im Westflügel fortgesetzt. Gegenwärtig sind die Handwerker dabei, die Stuckdecken im ersten Stock und die Fenster in den Festsälen wieder herzurichten. Da die Familie bestrebt ist, Materialien zu verwenden, wie sie früher zum Einsatz kamen, verzögert sich manches unfreiwillig. „Wir wissen von unserem guten Stuckateur, dass dem Anstrich der Stuckdecken Kälberhaare und Marmorsteinsand beigemischt wurden. Das gibt Halt und Elastizität, denn wir wollen ja mindestens für 300 weitere Jahre, also auch für die nächsten Generationen, Ruhe haben. Der Lieferant hat jedoch statt Kälberhaaren Schweinehaare geliefert. Die gehen gar nicht“, so Dr. Meuschel-Wehner, die sich mittlerweile gut auskennt in solchen Dingen. Auch sämtliche Fenster des Schlosses wurden und werden statt mit handelsüblichen Mitteln mit Leinölfarben, wie zu Bauzeiten des Schlosses, gestrichen.

Die Idee, ein Tapetenmuseum einzurichten und die Festsäle für Hochzeiten, Konzerte und dergleichen mehr zu vermieten, besteht noch immer, nimmt Gestalt an. Und: Seit fast einem Jahr ist der Weg nach Ahlsdorf auch den Patienten von Dr. Stephanie Meuschel-Wehner gut bekannt, weil sich die HNO-Praxis nun im Gutsverwalterhaus neben dem Schloss befindet.

Dr. Stephanie Meuschel-Wehner sagt aus Sicht ihrer Familie: „Wissen Sie, so ein Schloss wurde ja nicht in ein oder zehn Jahren gebaut. Es wurde immer mal wieder etwas fertig und immer wieder etwas umgestaltet. In so einem Tempo bewegen wir uns ebenfalls, wollen keine Baufehler machen. Wir wussten, dass wir uns einer Lebensaufgabe widmen, als wir das Schloss meiner Vorfahren kauften. Diese wollen wir gut erfüllen und freuen uns, wenn am Samstag viele Besucher davon Kenntnis nehmen. Eine Menge ist dafür vorbereitet, schmackhaftes Essen, Musik, Unterhaltung und vieles mehr. Wir laden alle Interessierten herzlich ein, im Rahmen der Elbe-Elster-Schlössernacht auch Ahlsdorf zu besuchen.“