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| 11:37 Uhr

Debatte um Lernbedingungen
Mitbestimmung ist sehr erwünscht

Roland Neumann, Erster Beigeordneter des Landrates, Kreistagsmitglied Gerd Rothaug und Herzbergs Bürgermeister Karsten Eule-Prütz (v.r.)  stellten sich im Gymnasium den Fragen der Schüler.
Roland Neumann, Erster Beigeordneter des Landrates, Kreistagsmitglied Gerd Rothaug und Herzbergs Bürgermeister Karsten Eule-Prütz (v.r.)  stellten sich im Gymnasium den Fragen der Schüler. FOTO: Sven Gückel
Herzberg. Gymnasiasten und Lokalpolitiker debattieren in Herzberg über die aktuellen Lernverhältnisse. Von Sven Gückel

Es kommt nicht oft vor, dass Politiker sich gebührend Zeit nehmen, um mit Jugendlichen das Gespräch zu suchen. Roland Neumann, Gerd Rothaug und Karsten Eule-Prütz haben aber genau das getan. Mit Schülern des Gymnasiums Herzberg debattierten sie über die Lernbedingungen an ihrer Schule und luden sie zur Mitarbeit im künftigen Jugendparlament ein.

Drei Jahre ist es her, da schwappte eine Welle der Erregung über Herzberg. Befürworter und Kritiker eines geplanten Umzugs des Gymnasiums Herzberg vom angestammten Platz in der Stadtmitte in das leer stehende Schulgebäude des OSZ gingen hart miteinander ins Gericht. Inzwischen ist der Streit verebbt und Sachlichkeit eingezogen. Roland Neumann, Erster Beigeordneter des Landrates Elbe-Elster, Gerd Rothaug (CDU), Vorsitzender des Bildungsausschusses im Landkreis und Herzbergs Bürgermeister Karsten Eule-Prütz (parteilos) wollten nun von den Jugendlichen der elften und zwölften Klassen wissen, wie sie sich mit dem neuen Schulstandort arrangiert haben und welche Vorschläge es gibt, um die Lernbedingungen weiter zu verbessern.

Neumann und Rothaug, seinerzeit Befürworter des Umzugs, sehen sich heute in ihrem Kampf bestätigt. „Ein Umbau der alten Schule wäre deutlich kostenintensiver geworden. Zudem hätte niemand verantworten können, ein acht Millionen teures Objekt wie das OSZ-Gebäude dafür leer stehen zu lassen“, argumentierte Rothaug gegenüber den Schülern. Dass die mit dem Umzug versprochene Aula noch immer nicht gebaut werde, hänge ausschließlich an noch nicht bereit gestellten Fördergeldern des Landes. „Ich kann Ihnen aber versichern – sie kommt“, beteuerte Neumann. Und er ergänzte zugleich, dass der Landkreis etwa 650 000 Euro investiert habe, um den Gymnasiasten im neuen Schulhaus gute Lernbedingungen zu bieten. Dass es dennoch an manchen Stellen weiteren Investitionsbedarf gebe, konnten die Jugendlichen detailliert belegen. Grundlegend seien die Bedingungen deutlich besser als zuvor, so der einheitliche Tenor der Schüler. Die Räume sind größer, die Turnhalle in direkter Nachbarschaft, das gesamte Schulgebäude komplexer. Wünschen würde man sich aber mehr digitales Know-how. Nicht jeder Raum weise einen Beamer auf, zudem stehen kaum ausreichend Computer zur Verfügung. Um medial arbeiten zu können, fehle es an einem stärkeren Leitungsnetz. Ohnehin sei die Schule ein digitales Funkloch, bedauerten Schüler und Lehrer gleichermaßen. Für eine bessere Anbindung ans Netz wolle man so schnell wie möglich Glasfaserkabel an alle Schulen des Landkreises bringen, antwortete Roland Neumann. Dafür fehle es derzeit aber am Geld, weshalb auch hier Fördermittel zum Einsatz kommen müssen.

Keinen Aufschub hingegen duldet ein Kritikpunkt, den Schulleiterin Dr. Barbara Pietzonka mit Zahlen belegen konnte. „Vereinzelt gibt es Räume, in denen wir während der Sommermonate morgens sieben Uhr schon 30 Grad Celsius gemessen haben. Spitzenwerte waren 46 Grad Celsius“, unterstrich sie die Dringlichkeit des Handelns. Im Winter wiederum ließen defekte Lamellen ein Auskühlen der Flure zu, so dass die Temperaturen auf deutlich unterkühlte Werte abfielen. Auch der teils chaotische Zustand bei Ankunft und Abfahrt der Schulbusse wurde durch die Jugendlichen zur Sprache gebracht. Ändern soll sich diese Situation spätestens mit Fertigstellung des neuen Busbahnhofes. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Arbeiten schon längst im Gange sind. Aber die Mühlen der Behörde mahlen leider zu langsam“, entgegnete Bürgermeister Eule-Prütz.

Die weitere Gestaltung des Außengeländes der Schule, die Verbesserung der Abstellmöglichkeit für Fahrräder sowie ein Zebrastreifen oder eine Fußgängerampel vor dem Schulgebäude kamen ebenso zur Sprache. Spätestens nach den Winterferien möchte zumindest Karsten Eule-Prütz erneut mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen. Dann, um zu erörtern, welche Möglichkeiten sich ihnen im Zuge der Mitwirkung im Jugendparlament bieten, das gemäß Kommunalverfassung demnächst ins Leben gerufen werden soll.