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| 02:43 Uhr

Mit Worten Zeugnis ablegen

Philipp Schuppan,Pfarrer in Schlieben
Philipp Schuppan,Pfarrer in Schlieben FOTO: Phillip Schuppan
In vielen Kirchen wurde am letzten Wochenende Erntedank gefeiert. Und in einigen Kirchen folgt dieses Fest an diesem Wochenende.

Der Apostel Paulus stand in Cäsarea vor Gericht und verteidigte sich gegen den Vorwurf, er habe gefährliche Lehren verbreitet und zur Aufruhr angestiftet.

Seine Verfolger wollten ihn eigentlich umbringen, aber eine römische Wache bewahrte Paulus davor und nahm ihn in Haft. Paulus durfte sich vor dem jüdischen König Agrippa zur Anklage äußern. Unsere Monatslosung ist sein Schlusssatz. Paulus vertraute sich ganz und gar der Hilfe Gottes an und wollte für Gott Zeugnis ablegen. Er fasste seine gesamte Verteidigung in diesem einen Satz zusammen.

"Hier stehe ich, ich kann nicht anders" als Zitat von Martin Luther ist in diesen Tag in aller Munde - auch durch die Fotokampagne eines Radiosenders, der seine Hörerinnen und Hörer aufruft, sich mit dem Satz zu fotografieren und mit allen Bildern eine Luthercollage in Wittenberg schaffen will. Auch Martin Luther musste sich gegen Vorwürfe seiner Gegner auf dem Reichstag zu Worms verteidigen und endet mit einem ähnlichen Satz wie Paulus. Luther und Paulus beide verteidigen sich mit Worten gegen ihre Gegner und vertrauen sich mit ihrem Glauben ganz Gott an.

Wie ist das bei uns heute? Vertrauen wir auf unseren Gott? Treten wir mit dem Wort fest auf oder lassen wir uns durch unsere Gegner verunsichern?

Wir leben in einem Land, wo jeder ohne Angst vor Verfolgung oder Verhaftung seinen Glauben öffentlich bekennen kann. Aber wagen wir es, auch gegen Spötter und Kritiker das Wort der Erwiderung zu führen?

Mit dem Wissen, wie Paulus und Luther sich mit Worten zur Wehr setzten, sollten auch wir es wagen, sachlich und ruhig mit Worten für unseren Glauben einzutreten. Es reicht ja aus, öffentlich mit einfachen Worten und Taten Zeugnis abzulegen.

Meine Junge Gemeinde in Bad Belzig ist mit mir gern zum Burgerbrater nach Linthe gefahren. Dort haben sie dann aber auch darauf bestanden, dass zum gemeinsamen Essen öffentlich vor aller Augen und Ohren ein kräftiges, lautes Tischgebet gesprochen wurde. Ich fand es anfangs immer etwas befremdlich, aber heute weiß ich, es war richtig und gut, öffentlich den eigenen Glauben zu bekennen. Diesen Mut öffentlich, den eigenen Glauben zu bekennen, wünsche ich uns allen.