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| 13:32 Uhr

Interview mit Sabine Falk, Klimawandelmanagerin Uebigau-Warenbrück
Mit Hilfe einer Fahrradtour in ein neues Klima denken

Uebigau-Wahrenbrück. Klimawandel – was heißt das genau? Die Stadt Uebigau-Wahrenbrück arbeitet dazu an einer öffentlichen Fahrradtour, um die Klimafolgenanpassung zu erklären. Die RUNDSCHAU hat mit der Klimawandelmanagerin der Stadt, Sabine Falk, gesprochen. Von Patricia Schulze

Frau Falk, welche Anzeichen gibt es für zunehmenden Klimawandel in unserer Region?

Die Hitze ist derzeit überall gegenwärtig. Wir haben mit extremen Waldbränden zu kämpfen. Im Januar tobte ein Sturm, der schlimme Schäden angerichtet hat. In den Wäldern verändert sich die Tier- und Pflanzenwelt. Flüsse liegen jetzt teilweise trocken und zu anderen Jahreszeiten treten sie über die Ufer. So ist die Kurstadtregion ein Hotspot an Klimawandelfolgen, die wir alle beobachten können.

Wie wollen Sie darauf aufmerksam machen?

Wir als Stadt haben uns auf die Fahnen geschrieben, dass Klimaschutz und Klimafolgenanpassung Dinge sind, denen man sich aktiv widmen sollte. Dementsprechend sind wir auf der Suche nach Möglichkeiten, wie wir das den Bürgern vermitteln können. Dazu entwickeln wir eine Fahrradtour zum Thema Klimawandel. Es soll Stationen auf einer Fahrradstrecke geben, bei denen anhand von Beispielen aus der Umgebung Klimawandelfolgen erläutert werden.

Warum eine Radtour?

Jeder hört in den Nachrichten vom Klimawandel, aber die meisten wissen dennoch nicht so richtig Bescheid. Da wäre es doch eine tolle Idee, wenn man eine Fahrradtour vor Ort mit konkreten Beispielen machen würde. Wir leben doch in einer Region, wo man gerne Fahrrad fährt. Für die Tourplanung haben wir uns Hilfe vom Kommunalpädagogischen Institut aus Hamburg geholt. Start soll direkt an Europas ältester Brikettfabrik „Louise“ in Domsdorf sein. Weiter geht es nach Wahrenbrück, wo wir die Hochwasserproblematik zum Thema machen, und wieder zurück. Die Tour wird maximal drei Stunden dauern und die Gruppe sollte maximal zehn Personen umfassen.

Welche Ursachen für Klimawandel wollen Sie aufzeigen?

Die Ursachen für Klimawandel sind hauptsächlich durch Menschen entstanden. Vor allem der CO2-Ausstoß hat sich durch unseren Lebensstil verstärkt, wodurch wir unsere Erde etwas ins Ungleichgewicht gebracht haben. Das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat ein paar Modelle gemacht, die zeigen, was passiert, wenn wir weiterhin so viel Kohlenstoffdioxid in die Welt pumpen. Unser Problem in Brandenburg könnte dadurch werden, dass wir zum einen weniger Niederschlag haben werden, zum anderen wird es noch heißer werden.

Wie kann man sich langfristig dem Klimawandel anpassen?

Eine richtige Königslösung gibt es dafür noch nicht, aber es gibt ein paar Dinge, auf die man langfristig achten müsste. Will man beispielsweise ein Haus bauen, ist man gut beraten, es dem Klimawandel anzupassen. Wir werden bei der Fahrradtour auch einen Stopp an einem Feld machen, um zu erklären, dass auch Landwirtschaft eine große Rolle spielt. Wie können wir zukünftig Landwirtschaft betreiben? Müssen wir vielleicht Sorten ändern oder an den Sorten arbeiten, damit wir entsprechend besser vorbereitet sind? Oder die Durchlässigkeit des Bodens? Wie können wir später das Wasser halten, wenn wir wechselhaftes Wetter und lange Hitzeperioden haben? Dafür gibt es schon Methoden, die wissenschaftlich erforscht werden. Aber leider tröpfelt das nur langsam in die Praxis. Das ist auch ein Anspruch bei unserem Projekt: Wir wollen theoretisches Wissen übersetzen für die Leute, die das verstehen und umsetzen können – und die Kluft zwischen Forschung und Praxis verringern.

Was soll die Tour erreichen?

Das Ziel ist, nicht nur ein paar Jahre, sondern ein paar Generationen in die Zukunft zu denken. Wir wollen alle Leute ansprechen und auch Interaktion und Kommunikation zwischen den Menschen schaffen. Das ist sehr wichtig, mehr miteinander zu arbeiten, auch generationsübergreifend. Jeder kann etwas tun.

Was hat das mit der Brikettfabrik Louise zu tun. Warum ist dort Start und Ziel?

Hier haben wir vor, ein Informationszentrum zu bauen, wo wir von den alten Energien umlenken auf erneuerbare Energien. Auch soll dort ein Bildungszentrum entstehen, was wieder ein Baustein wäre, um mehr umweltschonende Energien zu nutzen.

Mit Sabine Falk
sprach Patricia Schulze