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Milchwirtschaft
Milchwerk Jessen schafft neue Skyline

Auch nachts bietet die Baustelle des Milchwerks in Jessen ein imposantes Bild. Foto: Sven Gückel
Auch nachts bietet die Baustelle des Milchwerks in Jessen ein imposantes Bild. Foto: Sven Gückel FOTO: Sven Gückel
Jessen/Herzberg. In einem Jahr sollen täglich 1,6 Millionen Liter Rohmilch verarbeitet werden. Die Milch kommt auch aus dem Elbe-Elster-Kreis.

Aktuell bietet das Gewerbegebiet Jessen jeden Tag eine neue Ansicht. Neben dem Bau der Tankstelle ist es vor allem die Erweiterung des Milchwerkes, die für optische Veränderungen sorgt. Und die werden auch aus dem Herzberger Raum intensiv verfolgt. Etwa 15 landwirtschaftliche Betriebe aus dem Elbe-Elster-Kreis liefern ihre Milch seit vielen Jahren tagtäglich an das Milchwerk in Jessen. Die Beziehungen sind seit der Schließung der Molkerei in Herzberg schon zu DDR-Zeiten historisch gewachsen. Ralf Schemmel, Chef der Burgwall Agrar GmbH Malitschkendorf, ist Vorstandsmitglied der Jessener Milchliefergenossenschaft. „Da wird richtig viel Geld in die Hand genommen. Wir begrüßen die Investition. Schließlich bietet  das Milchwerk auch unseren Landwirten in Elbe-Elster eine Garantie, dass sie ihre Milch ortsnah nach Jessen liefern können“, sagt er.

Zurück nach Jessen. In seiner Funktion als Werkleiter ist Jochen Müller mehrmals täglich auf dem Gelände des Milchwerkes Jessen unterwegs. Zufrieden registriert er dabei das Wachsen des Betriebes. Seit die Bayrische Milchindustrie eG (BMI), zu der das Werk gehört, vor einem Jahr mit der umfassenden Umgestaltung der Produktionsanlage begann, hat sich viel getan. Das heutige Bild des Milchwerkes gleicht längst nicht mehr dem zu Beginn der Baumaßnahme – und stellt keineswegs die abschließende Ansicht dar. Diese These unterstreichen nicht nur die riesigen Baukräne, die sich scheinbar ohne Ablass auf dem Firmengelände drehen. In erster Linie ist es das künftige Hochregallager des Werkes, das das ganze Ausmaß des Projektes unterstreicht. 24 Meter ragt es in die Höhe – und hat in seiner Gesamtkapazität gerade einmal ein Drittel der endgültigen Größe erreicht. „Wenn das Konstrukt steht, wird von oben beginnend die Außenfassade montiert“, erläutert Müller. Bis zu 16 000 Europaletten sollen später hier gelagert werden. Verbrauchsmaterialien und Rohstoffe ebenso wie fertig gestellte Produkte. Dabei sorgt ein technisch ausgeklügeltes System dafür, dass alle eingelagerten Waren der jeweils erforderlichen Temperaturen ausgesetzt sind.

Gigantisch ist aber nicht nur die Größe des Lagers, auch die verwendeten Materialen bezeugen dessen Dimension. „Die Menge des Stahls lässt sich noch nicht genau beziffern. Aber allein für das Fundament rollten in drei Tagen 300 Betontrommler auf das Firmengelände“, ergänzt Projektkoordinator Daniel Elsner. Das Lager ist jedoch nur ein Element im komplexen Gefüge der Werkserweiterung. Kaum wahrnehmbar oder außerhalb des Sichtbereiches der Bevölkerung sind ein neues Heizhaus, die künftige Milchannahme und ein zusätzlicher Verarbeitungstrakt entstanden. Das Heizhaus, das noch bis Ende des Jahres in Betrieb gehen wird, bläst bei voller Leistung stündlich 16 Tonnen Dampf in ein Rohleitungsringsystem. Damit versorgt es den gesamten Produktionsprozess sowie das Hochregallager. Kurze Zeit später, Anfang 2018, steht auch der Termin für die Inbetriebnahme der künftigen Milchannahme, hinter der sich ein Betriebsraum mit drei Verarbeitungslinien verbirgt. Zwei zur Annahme von Rohmilch, eine dritte zur Annahme von für die Produktion notwendigen Fertigprodukten. „In der Startphase werden wir etwa 850 000 Liter Rohmilch jeden Tag annehmen und verarbeiten. Sobald alle Arbeiten abgeschlossen sind, also Ende 2018, peilen wir die nächste Stufe an. Die sieht eine Verdoppelung der Menge auf 1,6 Millionen Liter Rohmilch täglich vor“, so Elsner vorausschauend. Da die Rohmilch in ersten Arbeitsschritten in verschiedene Bestandteile getrennt wird, könne man sogar von 3,2 Millionen Liter Flüssigprodukten reden, die jeden Tag im Werk verarbeitet werden.

Der künftige Betriebsraum ist bereits fertig gestellt. Doch statt mit Milch unterziehen die Monteure das Konstrukt aus Edelstahl gegenwärtig einer Testphase mit heißem Wasser. Überprüft werden die Dichtheit der Rohre und die Funktionalität der Ventile. Im kommenden Produktionsprozess durchfließen bis zu 60 000 Liter Rohmilch die Linien und versorgen damit die drei Käsereien des Werkes. Hergestellt werden in Jessen Morzarella im Block und in Kugelform sowie Schnittkäse. Letzterer soll Ende kommenden Jahres durch eine Hartkäserei abgelöst werden. „Die neue Hartkäserei ist Bestandteil des zweiten Bauabschnittes, den wir im nächsten Jahr beginnen. Ihr Standort wird zwischen zwei bisher schon bestehenden Betriebsgebäuden sein“, erläutert Jochen Müller. Zu sehen sei davon noch nichts, doch die Planungen für den Bau befinden sich bereits in der Endphase.

Eine 200 Meter lange Rohrtrasse, die energieeffiziente Sanierung des Trockenturms oder die Errichtung einer Schallschutzwand neben dem Gymnasium sind neben weiteren Maßnahmen Puzzleteile im Gesamtkonzept der Werkserweiterung. „Alles läuft nach Plan. Dass die Bayrische Milchindustrie sich bei ihren Erweiterungsplänen für Jessen entschieden hat, ist ein klares Signal für diesen Standort, die Region und die hier lebenden Menschen“, freut sich Jochen Müller.