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Michelle fährt von Erfolg zu Erfolg

Sind ein gutes "Gespann": Michelle und ihr Pferd Interflug.
Sind ein gutes "Gespann": Michelle und ihr Pferd Interflug. FOTO: Rudow
Züllsdorf. Pferde sind ihr Leben. Die 16-jährige Michelle-Sophie Bloßfeld aus Züllsdorf ist mit ihnen aufgewachsen. Sie betreibt den Fahrsport mit Leidenschaft, gilt als Ausnahmetalent und hat schon viele Erfolge vorzuweisen. Seit dem vergangenen Jahr startet sie für den Reit- und Fahrverein Gestüt Bretmühle bei Greiz in Thüringen. Birgit Rudow

Die Liebe zum Pferdesport ist Michelle in die Wiege gelegt. Sie ist in Züllsdorf mit Pferden aufgewachsen. Vater André Köhler fährt Gespanne und ist aktiver Turnierfahrer. Daraus resultieren auch die Beziehungen zum Reit- und Fahrverein Gestüt Bretmühle. Hier sind Hanno Strauß und Bettina Winkler, die beste Championatsfahrerin Deutschlands, beheimatet. Ihnen ist das Talent der Züllsdorferin nicht verborgen geblieben. Im vergangenen Jahr boten sie Michelle eine fahrsportliche Ausbildung in Bretmühle an. Seitdem startet Michelle-Sophie für den thüringischen Verein und verbringt hauptsächlich die Ferien dort.

Ende 2015 hat die junge Züllsdorferin das Pferd "Interflug" von Bettina Winkler übernommen, das diese schon als sechsjähriges Pferd im Einspänner zum Erfolg geführt hat. Mit der 11-jährigen Stute hat auch Michelle Bloßfeld bereits Erfolge gefeiert. Bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in der Altersklasse U 25 in diesem Jahr in Okel bei Bremengewann sie bei 28 Teilnehmern Bronze in der Strecken- und Geländefahrt, belegte im Dressurfahren sowie bei der Hindernisfahrt vordere Mittelfeldplätze und sicherte sich in der Kombinationswertung den 9. Rang. Für eine 16-Jährige sind das herausragende Ergebnisse. "Michelle war die einzige Fahrerin aus Thüringen, die sich behaupten konnte. Es gibt nicht so viele Gute in dem Alter", meint ihre Mutti Peggy Bloßfeld.

Fahrsport ist Teamsport

Michelle fährt am liebsten Einspänner. "Ich finde das schwieriger, als Zweispänner ", sagt sie. Die junge Gespannfahrerin benötigt für ihren Sport vor allem Kraft und Einfühlungsvermögen. Aber auch das Pferd muss fit und vor allem konditionell gut drauf sein. "Interflug muss mir blind vertrauen und auf jede kleine Hilfe reagieren", sagt Michelle. Sie selbst muss als Fahrerin ihre Aufgaben genau kennen, die Hindernisse im Hinterkopf haben, den Kegelparcours innerhalb weniger Minuten auswendig lernen und das Pferd schnell und möglichst fehlerfrei führen. Ganz ungefährlich ist das nicht.

"Fahrsport ist Teamsport", sagt Peggy Bloßfeld. Und Michelle weiß ein engagiertes Team hinter sich. Vor allem ihre Eltern. Zu Wettkämpfen und Turnieren reist die Familie in einem komplett ausgerüsteten Lkw mit Küchenzeile, Bad und Schlafgelegenheiten. Pferde und vier Kutschen sind mit an Bord. André Köhler fährt meist schon einen Tag im Voraus, um alles vorzubereiten. Er ist auch der Beifahrer seiner Tochter. Peggy Bloßfeld kümmert sich um das gesamte Drumherum. "Das Team muss funktionieren, von der Planung bis zur tierärztlichen Betreuung. Sonst wird das nichts", sagt sie.

Die Gespannfahrer sind eine große Gemeinschaft. Und bei aller Konkurrenz bilden sich unter den jungen Fahrern auch Freundschaften. Sie treffen sich neben den Turnierstrecken und teilen ihre Freizeit miteinander. Die meiste freie Zeit widmet Michelle aber den Pferden.

Die WM ist das Ziel

Mit den eigenen, den Pensionspferden und den Ausbildungspferden stehen etwa 15 Tiere in den Ställen der Familie Köhler/Bloßfeld in Züllsdorf. Michelle bildet junge Nachwuchspferde von Pferdefreunden für Leistungsprüfungen und Turniere aus. Sie kümmert sich auch um ihr eigenes Nachwuchspferd, das einmal an die Stelle von Interflug treten soll. Es ist bereits Vizebundeschampion. Trotz der vielen Arbeit im Stall hat sie noch genügend Zeit für die Schule. Die 16-Jährige besucht das Herzberger Gymnasium, hat gute Zensuren und möchte später einmal studieren. Doch noch gehört ihr ganzes Interesse dem Fahrsport.

Für dieses Jahr ist die Wettkampfsaison beendet. Etwa zehn bis zwölf Turniere bestreitet Michelle jährlich zwischen April und Ende September. 2017 möchte sie auch bei ein bis zwei internationalen Wettbewerben starten. Dafür wird sie noch so manchen Trainingstag in Bretmühle bei Bettina Winkler und Hanno Strauß verbringen. "Den beiden habe ich sehr viel zu verdanken. Sie kümmern sich um mich, fördern mich und begleiten mich auch zu Turnieren", sagt sie.

Michelles ganz großes sportliches Ziel sind die Weltmeisterschaften. "Dort möchte ich gern ankommen", gibt sie unumwunden zu. Aber bis dahin sind noch ein paar Jahre Zeit. Jahre harter aber auch interessanter und abwechslungsreicher Arbeit.

Michelle-Sophie Bloßfeldt bei den Deutschen Jugendmeisterschaften im Gelände.
Michelle-Sophie Bloßfeldt bei den Deutschen Jugendmeisterschaften im Gelände. FOTO: privat