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| 02:37 Uhr

Menschenrechte in den zehn Geboten formuliert

"Das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden." (Johannes 1, Vers 17) Für das Zusammenleben von Menschen in kleinen oder großen Gemeinschaften sind Regeln und Gesetze unverzichtbar.

Unter uns Menschen soll eben nicht das Gesetz der Wildnis herrschen: Der Stärkere frisst den Schwächeren.

In dem Vers aus dem Johannesevangelium werden wir an Mose erinnert, der an einer entscheidenden Stelle in der Geschichte seines Volkes die Gebote Gottes empfangen und weiter gegeben hat. Die Israeliten kamen aus der Sklaverei in Ägypten und standen an der Schwelle zur Freiheit.

Wenn die Freiheit aber nicht durch Gesetze geschützt wird, dann wird sehr schnell Tyrannei und letztlich Unfreiheit daraus. Dann setzt doch wieder der Stärkere sein Recht auf Kosten des Schwächeren durch.

In den zehn Geboten sind schon in einer so frühen Zeit elementare Menschenrechte formuliert worden: zum Beispiel das Recht auf Leben - "Du sollst nicht töten."; das Recht auf sicheren Lebensunterhalt - "Du sollst nicht stehlen."

Gesetze müssen gewahrt und durchgesetzt werden. Dafür gibt es in einem Staatswesen die Machtinstrumente Gerichtsbarkeit und Polizei, die zum Schutz der Menschen wirken sollen.

Wie wichtig, aber auch wie wenig selbstverständlich das ist, haben wir in den letzten Monaten in Europa und auf der ganzen Welt sehen müssen. In einem Rechtsstaat kann es eben nicht nur um die Interessen von einzelnen oder bestimmten Familien und Gruppen gehen, sondern um das Recht und die Freiheit aller.

Das Gesetz des Mose ist ein Segen für das Zusammenleben von uns Menschen. Es kann uns aber nicht zum Frieden mit Gott bringen. Dieser kommt nicht aus unserer Rechtschaffenheit und Gesetzestreue, sondern allein aus der Gnade Gottes, und die ist "durch Jesus Christus geworden", das heißt, durch seinen Tod am Kreuz für uns Menschen. Das war die große Entdeckung von Martin Luther, an den wir 2017 ganz besonders denken. Die Gnade Gottes ist Geschenk und nicht Verdienst.

Aus dieser Erkenntnis wachsen Freiheit und Freude. Wir müssen eben nicht mehr um jeden Preis uns selbst verwirklichen, sondern können - aus Dankbarkeit - uns denen zuwenden, die unsere Hilfe brauchen und denen wir helfen können. *Pfarrer in Schönewalde