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| 19:13 Uhr

Wider der Natur
Mensch greift ein, um der Heide zu helfen

 Während einer Arbeitspause erklärt Carsten Schiller (l.) Revierleiter Holger Baumgartl die Funktionsweise des Spezialsägekopfes des Harvesters.
Während einer Arbeitspause erklärt Carsten Schiller (l.) Revierleiter Holger Baumgartl die Funktionsweise des Spezialsägekopfes des Harvesters. FOTO: Sven Gückel
Züllsdorf. Der Bundesforst schafft in der Annaburger Heide Lebensraum für seltene Tiere. Von Sven Gückel

Würde man der Natur freien Lauf lassen, müsste die Annaburger Heide einen neuen Namen erhalten. Denn Heidelandschaften, frei von Bäumen und mit Heidekraut besetzt, sind eigentlich künstlich geschaffene Flächen. Gleichwohl sind sie für viele Pflanzen und Tiere ein wichtiger Lebensraum.

Sobald wärmende Sonnestrahlen dauerhaft den Frühling einleiten, zwitschert, summt und brummt es wieder in der Annaburger Heide. Das Areal ist ein wichtiger Lebensraum für unzählige Vögel und Insekten geworden. Viele von ihnen benötigen die hier vorhandenen Biotopstrukturen, eine offene Heidelandschaft und Sandmagerrasen. Bedingungen, wie sie teilweise in der Annaburger und der Glücksburger Heide vorherrschen. Ohne menschliches Zutun wäre das aber nicht möglich. „Die Natur“, sagt Holger Baumgartl, Leiter des zur Annaburger Heide gehörenden Reviers Heidemühle, „würde Freiflächen innerhalb weniger Jahre komplett bewalden.“ Einzig Feuer oder andere Naturereignisse ermöglichen es hierzulande, dass Heidelandschaften kurzfristig entstehen.

Um der Heide jedoch auch langfristig eine Chance zu geben, greift der Mensch aktiv ein. In der Annaburger Heide sind deshalb regelmäßig Forstmaschinen der Firma Stackelitz aus Coswig/Anhalt im Einsatz. Auf ausgewiesenen Heideflächen entfernen sie jungen, wilden Baumbewuchs. In Baumgartls Revier, das eine Gesamtfläche von 1860 Hektar aufweist, betrifft das etwa 15 Hektar. Mit geübtem Blick entfernt der Fahrer des speziell dafür ausgelegten Harvesters Nadelhölzer, die ein Ausbreiten der Heide verhindern. „Heidekraut verlangt nach nährstoffarmen Böden. Nadeln, Totholz oder Blätter sind daher ebenso unerwünscht wie der Schatten, den die Bäume spenden“, so Baumgartl. Einzig gut gewachsene Solitärbäume dürfen bleiben. Als Nist- oder Sitzgelegenheit für Vögel.

Das in der Heide durch die Firma Stackelitz geschlagene Holz ist als Wirtschaftsholz kaum zu gebrauchen. Dank guter Lichtverhältnisse sind die Kiefern zumeist bis in Erdnähe mit Ästen besetzt, weshalb ihr Stamm in der Holzproduktion keine Verwendung findet. Gefragt ist der Schnitt jedoch als Energieholz. „Nach dem Fällen werden die Bäume gehäckselt und in Biomasseheizkraftwerken verstromt“, erläutert Carsten Schiller, Einsatzleiter der Firma Stackelitz. Beliefert werden durch das Unternehmen vor allem Heizkraftwerke in Leipzig und Berlin.

Etwa einen Hektar Heidefläche arbeitet der Harvester pro Tag ab. Um die Arbeit verrichten zu können, ist die Maschine mit Spezialausstattungen versehen. Im Hydrauliksystem des Harvesters fließen umweltschonende Öle, zudem verteilen Spezialreifen das Gewicht des Harvesters gleichmäßig und bodenschonend. Darüber hinaus fallen abgesägte Bäume nicht um, sondern werden durch Greifer gehalten. „Damit verhindert der Fahrer, der einem fachlich hohem Anspruch genügen muss, dass sie auf Heidekraut oder andere Bodendecker fallen, deren Ausbreitung wir ja erreichen wollen“, betont Schiller.

Aufgrund ihrer Fertigkeiten ist die Firma Stackelitz deutschlandweit gefragt und im Einsatz. Döberitzer Heide, Glücksburger Heide und Annaburger Heide waren und sind die letzten Einsatzorte. Die dafür vorgegebenen Zeiten sind allerdings eng begrenzt. Sobald der Boden wieder weicher wird oder Bodenbrüter ins Revier einziehen, müssen die Arbeiten beendet sein. Knapp vier Wochen, mehr Zeit bleibt dem Harvester daher nicht, um sein aktuelles Pensum zu schaffen. Zumal die Bundesforst, in deren forstwirtschaftlicher Obhut die Annaburger Heide liegt, noch andere Aufgaben für ihn hat. „Bei der Gelegenheit wollen wir auch Brandhölzer beräumen, die ein Ergebnis des letzten Sommers sind“, sagt René Bruschke, Leiter des Betriebsbereiches Ost Annaburger Heide im Bundesforstbetrieb Mittelelbe. Auch diese Bäume, betont er, sollen zu guter Letzt einer sinnvollen Verwertung als Energieholz zugeführt werden.

Ein Nutznießer entstehender Heidelandschaften ist auch der Mensch. Imker haben hier vor Jahren schon Bienenstöcke aufgestellt, dank derer sie Heidehonig produzieren können. Entstanden ist so ein regionales Produkt, das sich wachsender Beliebtheit erfreut.