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"Mein direkter Draht" mit Luther im Bunde

Der Kreiskirchentag des Kirchenkreises Bad Liebenwerda füllte am Samstagnachmittag die Herzberger Innenstadt mit Leben, mittendrin überraschte Martin Luther persönlich die Gäste.
Der Kreiskirchentag des Kirchenkreises Bad Liebenwerda füllte am Samstagnachmittag die Herzberger Innenstadt mit Leben, mittendrin überraschte Martin Luther persönlich die Gäste. FOTO: Kunze
Herzberg. Für den Katholiken Michael Oecknigk, Bürgermeister in Herzberg, ist es kein Widerspruch, den evangelischen Kirchentag des Kirchenkreises Herzberg in der Kreisstadt zu eröffnen und zu begleiten. "So weit sind wir nicht auseinander", sagt er und nennt das "Zauberwort Ökumene. Sylvia Kunze

Und ohnehin, in Zeiten der Globalisierung sollten Christen Flagge zeigen", fordert er.

Genau als solches Flagge zeigen könnte der Samstagnachmittag in Herzberg durchaus verstanden werden, der unter dem Leitthema "Mein direkter Draht" steht. Wobei laut Superintendent Christof Enders natürlich der Draht zu Gott und zum Glauben die tragende Rolle spielt, in Zeiten des Reformationsjubiläums aber auch der Draht der Kirche zu den Menschen speziell und zu Kindern und Jugendlichen im Besonderen in den Blickpunkt gerät. Im Podiumsgespräch wird deshalb die Frage erörtert, welche Chance der Religionsunterricht an Schulen für Kinder, Eltern und Kirchengemeinden bietet.

"Kirche geht zur Schule" wird von allen Teilnehmern der Runde als sehr wichtig erachtet. Und alle sind sich einig, dass ob "bloßer" Religionsunterricht oder Schulen in kirchlicher Trägerschaft immer nur mit dem Engagement der Akteure vor Ort gelingen, man sich aber unbedingt der Herausforderung stellen wolle, "das Evengelium bekanntzumachen" (Dieter Drabo, Management Religionsunterricht) und "die guten Erfahrungen mit dem Glauben weiterzugeben" (Stefan Branig, Diakonisches Werk). Kirche bzw. Lehrkraft müsse dabei nicht erziehen, sondern sie müsse es verstehen, die richtigen Fragen zu stellen, zu moderieren und Ideen einzubringen, dann sei es auch egal, ob da gerade reiner Religionsunterricht oder eine Stunde Lebenskunde-Ethik-Religion stattfinde, spitzt Oberkirchenrätin Martina Klein zu, in der Landeskirche für das Referat Bildung zuständig.

Neben der Möglichkeit über derartige aktuelle Themen, zum Beispiel auch in Workshops, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen, hatte der Kirchentag aber auch Angebote zum Nachdenken, Entdecken, Verweilen, Kreativwerden, Musikerleben und Meditieren. Zwischen Rathaus und Kirche und rund um das Gotteshaus hatten zahlreiche Stände aufgebaut. "Das ist ein sehr schönes Angebot", lobt Heike Bachmann aus Frauenhorst nach dem Rundgang. In ihren Beutel hat sie einen Druck, Bier und gerade auch noch eine Erinnerungsmünze wandern lassen. Siegfried Lehmann, er gehört einer größeren Reisegruppe aus Soest an, die sich auf einer Vier-Tages-Reise auf Luthers Spuren befindet, fühlt "sich hier sofort heimisch. Es fügen sich immer mehr Puzzleteile aus Luthers Leben zusammen".

Und da kommt er auch schon höchstselbst: Martin Luther, bestens gespielt von Bernhard Naumann aus Wittenberg. Luther beobachtet nicht mit Abstand, Luther geht auf die Menschen zu und mischt sich ein. Naumann/Luther bezieht stetig Position zum Jetzt, selbst als es in einem Gespräch am Rande um das bloße Reparieren von Dächern geht: "In dieser Zeit in diesem Land gibt es mehr Dachschäden als Häuser." Letztlich mahnt er eindringlich: "Feiert nicht mich, feiert die Reformation. Das habt ihr erst richtig getan, wenn ihr fragt: Was macht Kirche heute? Und nicht nur ihr, sondern die Christen aller Konfessionen!"