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| 19:15 Uhr

Botanischer Garten
Mehr Leben in die „Perle“ bringen

 Der Pfingstrock im Botanischen Garten ist schon zum „Renner“ geworden.
Der Pfingstrock im Botanischen Garten ist schon zum „Renner“ geworden. FOTO: Dieter Müller
Herzberg. Herzberg beginnt Planungen für den Botanischen Garten. Ein neuer Verein gründet sich. Von Birgit Rudow

Er ist eine Perle mitten in der Stadt Herzberg – der Botanische Garten. Um 1900 von dem Fabrikanten Marx errichtet, bildet er mit der Jugendstilvilla ein Kleinod mit besonderer Ausstrahlung. Dass die Marxsche Villa zunehmend verfällt und (bis auf die Chorproben des Männergesangsvereins) fast gar nicht mehr genutzt werden kann, schmerzt viele Herzberger. Das kleine Team um Stadtgärtner Reinhard Straach gibt sich die größte Mühe, den Garten in Ordnung zu halten und seine Strukturen zu wahren, doch vieles kann einfach nicht geleistet werden.

Garten und Villa stehen als Teil des Herzberger Sanierungsgebietes unter Denkmalschutz. Für die Innenstadt erhält die Stadt seit mehr als zwei Jahrzehnten Mittel aus dem Programm städtischer Denkmalschutz. Diese Fördermittel sind in fast alle Vorhaben im Sanierungsgebiet geflossen, von den Straßen bis zu Haussanierungen. Der letzte Teil der Torgauer Straße bis zur Kreuzung Katharinenstraße/Grochwitzer Straße wird davon auch noch profitieren. Dann sind in Herzberg bei der Innenstadtsanierung nur noch zwei große städtische Projekte offen: der Neumarkt und der Stadtpark einschließlich Botanischem Garten und der Marxschen Villa.

Seit Jahren ist das Vorhaben Botanischer Garten von der Stadt beim Land zur Zielplanung erklärt. Fördermittel hat Herzberg dafür aber noch nicht abgerufen. Es liegen auch noch keine konkreten Planungen vor. Gründe: Die Stadt hat ihr Geld bisher immer für andere Projekte benötigt. Es handelt sich um eine Drittelfinanzierung Bund/Land/Kommune. Und sie hat keine rechten Vorstellungen, wie die Marx­sche Villa künftig genutzt werden könnte.

Jetzt aber macht das Land Druck und fragt nach, ob die Maßnahme in der Förderung verbleiben soll, sagt Bürgermeister Karsten Eule-Prütz. Deshalb ist die Stadt nun gezwungen, zumindest mit der Planung zu beginnen und hat ein europaweites Vergabeverfahren für den ersten von zwei Abschnitten der Freianlagen angeschoben. Dass dies vorher im Bauausschuss nicht kommuniziert wurde, haben die Abgeordneten kritisiert und wollen im nächsten Ausschuss die konkrete Aufgabenstellung skizziert wissen.

Die bauliche Sanierung ist aber nur die eine Seite. Die andere sind die Nutzung des Botanischen Gartens und seine dauerhafte Pflege. „Dabei ist der Stadtgärtner ziemlich auf sich allein gestellt. Wenn wir im Sommer zusätzliche Kräfte bekommen, sind wir froh. Die Stadt allein kann die Qualität des Gartens nicht halten. Wir brauchen Unterstützung“, so Karsten Eule Prütz.

Mitstreiter dafür sind bereits gefunden. Die beiden Herzberger Nicole Graf und Markus Wegner bereiten derzeit die Gründung eines Vereins vor, der den Namen „garten.kultur.gestalten e. V.“ tragen soll. Markus Wegner, vor kurzem erst aus Wien nach Herzberg gezogen, hat einen guten Blick von außen auf die Stadt. „Der Garten und die Villa sind eine Perle. Aber sie liegen brach. Wir möchten den Ort wiederbeleben. So ist die Idee für den Verein entstanden. Er soll in erster Linie der Unterstützung der Stadt dienen“, sagt er. Der Garten sei ein Ort, wo Groß und Klein sich begegnen, ergänzt Nicole Graf. Als Mitglied des Fördervereins der Elsterlandgrundschule weiß sie, dass sich schon die 6. Klassen in einem Projekt mit dem Botanischen Garten beschäftigen.

Der Verein möchte sich in erster Linie für die Sanierung, Pflege und Belebung des Botanischen Gartens einsetzen. Mitglied kann jeder werden, der sich an diesem Ort einbringen und ihn mitgestalten möchte. Folgt man dem Vereinskonzept, so sollen im Botanischen Garten Veranstaltungen wie Ausstellungen, Konzerte, Theater aber auch Gartengestaltungsseminare, Pflanzenbörsen oder Feiern organisiert werden, auch um die Zusammengehörigkeit in der Stadt zu stärken. Ziel ist weiter, Spenden für den Garten zu akquirieren. Damit und mit den Mitgliedsbeiträgen will der Verein die Eigenmittel für die Sanierung des Gärtnerhauses und der Orangerie zusammenbekommen. Ausdrücklich schließt die Vereinsidee die Pflege des Areals mit ein.

Der Garten heißt nicht umsonst Botanischer Garten. Er ist ein reifer Garten mit einem alten Baum- und Pflanzenbestand. Schon Ende der 1980er-Jahre wurde damit begonnen, ihn wieder herzurichten, nachdem er fast völlig verwildert war. Nach der Wende wurde dieser Prozess fortgesetzt. Dabei wurden alte Strukturen und Wegebeziehungen wieder hergestellt. Man darf gespannt sein, welche Ideen renommierte Landschaftsplaner jetzt in die Gestaltung einbringen.

Der Botanische Garten lockt auch viele Besucher zu Chorkonzerten an.
Der Botanische Garten lockt auch viele Besucher zu Chorkonzerten an. FOTO: Dieter M¸ller
Der Botanische Garten Herzberg ist bekannt für seinen alten Baumbestand.
Der Botanische Garten Herzberg ist bekannt für seinen alten Baumbestand. FOTO: LR / Rudow