(red/sk) Zum Tag der offenen Ateliers hat Hans-Peter Klie seine zweiteilige Ausstellung in Kolochau eröffnet und sich über großes Interesse gefreut. „Die Eröffnung war mit bis zu 60 Personen gut besucht und zog sich über vier Stunden hin. Somit war sie ein echter Erfolg“, resümiert der Künstler, der sich vor wenigen Jahren in Kolochau heimisch niedergelassen hat und nun zu seiner neuen Ausstellung unter dem Titel „ROM, Philosophie der Straße. Rom, bei Kolochau“ einlädt.

Metropolen-Kunst auch in Elbe-Elster

Die zahlreich erschienenen Gäste konnten bei der Eröffnungsveranstaltung an einem anregenden Programm teilhaben, das von kulinarischen bis zu philosophischen Appetithappen reichte — und das, wie oft im Kunst&Archiv von Hans-Peter Klie, Lust auf mehr machte. Kulturdezernent Roland Neumann aus Herzberg wies in seinem Grußwort auf die Impulse der philosophischen, konzeptuell-künstlerischen Arbeit von Hans-Peter Klie hin, die einen Einblick in das zeige, was „State of the Art“ sei. Das Elbe-Elster-Land biete somit auch Kunst, die sonst eher in Berlin und anderen Metropolen zu sehen sei, freute er sich.

Mit dem Fotoapparat ein philosopisches und künstlerisches Programm absolviert

Mike Rottmann, Philosophiehistoriker von der Martin-Luther-Universität in Halle, fand in seiner einführenden Rede eine Verbindung zwischen Klie und den Dichter Durs Grünbein und stellte Klies kultur- und medienkritischen Ansatz vor: „Im Jahr 2018 reiste Hans-Peter Klie nach Rom, so, wie zuvor der Dichter Durs Grünbein, um jedoch mittels eines anderen, aber besonderen erkenntniskritischen Instruments – dem Fotoapparat – ein philosophisches und künstlerisches Programm zu absolvieren, das, kunstvoll vollendet hier zu sehen, uns eine Aufgabe des Nachvollzugs, nicht nur des Genusses, sondern auch des Verstehens bereitet. Der Dichter Durs Grünbein schreibt in einem seiner Gedichte, das in Rom entstanden ist und von Rom handelt: ,Wer immer in Rom umherspaziert, ist als solcher schon Epigone.’“

Rottmann war damit aber noch nicht am Ende seiner Ausführungen. Er erinnerte: Dichter lügen, befand Platon im Dienste seiner Ideenlehre. Aristoteles hielt dagegen, dass der Mensch ein Erfinder sei wie die Natur, die eben von Natur aus fortgesetzt Neues hervorbringe, weswegen dies auch dem Menschen gestattet sei, auf dass die Wirklichkeit reicher werde. „Ob Epigone oder nicht, aber diese Blick auf das Neue trifft auf den Dichter Grünbein im Medium des Verses zu – und ebenso auf den fotografischen-philosophischen Spaziergänger Hans-Peter Klie“, sagte der Gast.

Klie gibt Hinweise, die zum Denken führen

Er formulierte in seiner Rede weiterhin: „Rom ist ein Gefäß und in dieses Gefäß legt Hans-Peter Klie philosophische Sentenzen aus mehr als 2000 Jahren Geschichte. Wenn man heute in Rom ankommt, begegnet man in der Halle des römischen Hauptbahnhofs Termini Werbung, stumpfe Reklame, laute Stimmen — aber nichts von dem, was in Rom verborgen ist. Doch was man durch Klie erkennen lernt, sind Hinweise, die zum Denken führen — in das Medium der Fotografie integrierte Hinweise, Irritation und Provokation. Rom ist mehr als seine überbordende, unendliche, immer weiter wachsende Geschichte. Auf das Viele, das übersehen zu werden droht, wenn man Geschichte übergeht, will er nicht verzichten. Alltägliche Kraft und geschichtliche Dignität — beides sehen Sie hier versammelt. Hans-Peter Klie ist ein Arbeiter am Rom-Mythos.“

Die Ausstellung ist bis zum 19. Oktober 2019 zu sehen. Sie ist täglich geöffnet (nach tel. Vereinbarung unter 0163 9702657 und bei Anwesenheit ab 12 Uhr). Die Finissage findet am 19. Oktober um 18 Uhr statt. Weitere Infos: www.hans-peter-klie.de.